Info
Die Brüder Lucas und Arthur Jussen haben mit ihrem lässigen Auftreten und der vollendeten Harmonie ihres Spiels das Genre des Klavierduos neu belebt. Ihr Debüt bei den Berliner Philharmonikern geben sie mit einem Werk, mit dem schon ein anderes Geschwisterpaar Erfolge gefeiert hat: Wolfgang Amadeus Mozart schrieb sein brillantes Konzert für zwei Klaviere für sich und seine Schwester Nannerl. Außerdem dirigiert Michael Sanderling das Erste Klavierquartett von Johannes Brahms in der opulenten Orchesterfassung von Arnold Schönberg – ein Stück, das bei der Uraufführung vor allem durch seine Csárdás-Anklänge im Finale begeisterte.
Besetzung
Berliner Philharmoniker
Michael Sanderling Dirigent
Lucas & Arthur Jussen Klavierduo
Programm
Franz Liszt
Zwei Episoden aus Lenaus Faust: Nr. 2 Der Tanz in der Dorfschenke (Mephisto-Walzer Nr. 1) für Orchester
Wolfgang Amadeus Mozart
Konzert für zwei Klaviere und Orchester Es-Dur KV 365
Lucas & Arthur Jussen Klavierduo
Pause
Johannes Brahms
Klavierquartett Nr. 1 g-Moll op. 25 (Orchestrierung von Arnold Schönberg)
Serviceinformationen
Dauer ca. 2 Stunden und 15 Minuten (inkl. 20 Minuten Pause)
Großer Saal
39 bis 111 €
Konzerteinführung
19.15 Uhr
Abo K: Konzerte mit den Berliner Philharmonikern
Großer Saal
39 bis 111 €
Konzerteinführung
19.15 Uhr
Abo I: Konzerte mit den Berliner Philharmonikern
Großer Saal
39 bis 111 €
Konzerteinführung
18.15 Uhr
Abo N: Konzerte mit den Berliner Philharmonikern
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts spaltete eine grundlegende Frage die Musikwelt in zwei unversöhnliche Lager: Sollte die Musik der Zukunft auf den Errungenschaften der Tradition aufbauen – oder radikal mit allem Überlieferten brechen? Für beide Richtungen gab es prominente Fürsprecher …
»Kinder! macht Neues! Neues! und abermals Neues!«, forderte Richard Wagner 1852 in einem Brief an Franz Liszt. »Hängt Ihr Euch an’s Alte, so hat Euch der Teufel der Inproduktivität, und Ihr seid die traurigsten Künstler!« Johannes Brahms sah das ganz anders: Er orientierte sich an den Größen der Vergangenheit, an Bach und Haydn, und verglich die Musikproduktion seiner eigenen Zeit gar mit einer »Mistgrube«. Ende der 1850er-Jahre spitzte sich der Konflikt zu und eskalierte im sogenannten Parteienstreit. Auf der einen Seite standen die »Neudeutschen« um Wagner und Liszt, auf der anderen die »Konservativen« mit Brahms und dem Geiger Joseph Joachim als Galionsfiguren.
Brahms hegte eine ausgeprägte Abneigung gegen die Werke von Franz Liszt. Schon 1853, als er Liszt in Weimar seine Aufwartung machte und dieser seine neuesten Schöpfungen auf dem Klavier spielte, soll er beim Vortrag der h-Moll-Sonate eingeschlafen sein. Als »Zeug« brandmarkte er später in Briefen Liszts Kompositionen, ja sogar als »Pest«, die den Geschmack des Publikums verderbe. »Mich juckt’s oft in den Fingern, Streit anzufangen, Anti-Liszts zu schreiben«, gestand Brahms im Sommer gegenüber Joseph Joachim.
Dieser Anstoß führte 1860 zu einer umständlich formulierten Erklärung gegen »das Treiben einer gewissen Partei«, deren Produkte »dem innersten Wesen der Musik zuwider« liefen. Liszt, der davon träumte, eine neue Kunstperiode einzuleiten, hatte es gar nicht nötig, selbst zu reagieren. Das erledigte für ihn der Publizist Franz Brendel mit scharfen Polemiken in der Neuen Zeitschrift für Musik. Da musste sich Brahms dann als »Hans Neubahn« verspotten lassen: eine böse Anspielung auf den hymnischen Artikel, den sein Mentor Robert Schumann einst unter dem Titel Neue Bahnen über ihn verfasst hatte. Brahms antwortete nach dieser Demütigung nur noch mit seiner Musik. Aber mit dem Schaden musste er leben – und mit dem Ruf, ein unverbesserlicher Konservativer zu sein.
Er gehört zu den wenigen Orchestermusikern, denen der Seitenwechsel gelungen ist – mit großem Erfolg: Michael Sanderling, der aus einer Musikerfamilie stammt, wurde bereits mit 20 Jahren Solocellist des Gewandhausorchesters Leipzig, bevor er viele Jahre in derselben Position beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin wirkte. Parallel dazu verfolgte der Musiker auch eine Laufbahn als Solist, die ihn zu Orchestern wie dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Boston Symphony Orchestra und dem Los Angeles Philharmonic Orchestra führte. Im Jahr 2000 trat er beim Kammerorchester Berlin erstmals als Dirigent auf – der Auftakt zu seiner zweiten Karriere: »Ich glaube, dass es grundsätzlich ein großer Vorteil ist, wenn man als Dirigent das Geschehen auf der Bühne einschätzen kann, auch aus der Perspektive des Orchestermusikers«, meint Michael Sanderling, der bei den Berliner Philharmonikern im Mai 2019 erstmals am Pult stand.
Seit 2021 ist er Chefdirigent des Luzerner Sinfonieorchesters, zuvor prägte er als Chef die Kammerakademie Potsdam und die Dresdner Philharmonie, die er zu einem der führenden Orchester Deutschlands entwickelte. Für seine Leitung der Kölner Neuproduktion von Sergej Prokofjews Oper Krieg und Frieden wurde er 2011 von der Zeitschrift Opernwelt zum »Dirigenten des Jahres« gewählt. Als Gastdirigent ist Michael Sanderling regelmäßig bei großen internationalen Orchestern zu erleben, unter anderem beim Gewandhausorchester Leipzig, beim Tonhalle-Orchester Zürich und beim Royal Concertgebouw Orchestra.
Egal, ob Lucas und Arthur Jussen an zwei Flügeln Platz nehmen oder sich die Tastatur eines Instruments teilen: Immer wird »für das Publikum spürbar, wie nah sich die beiden Brüder sind. Sie spielen mit einem gemeinsamen Atem, ihre Energien fließen symbiotisch zusammen, um sich dann in packenden Interpretationen zu entladen« (Der Tagesspiegel). Kinderleicht und ganz ungezwungen wirke – so die Frankfurter Allgemeine Zeitung – ihr Zusammenspiel. Längst sind die beiden charismatischen Brüder, die im Abstand von drei Jahren in Hilversum geboren wurden, in der Spitze der internationalen Klassikszene angekommen – mit Gastspielen etwa beim Amsterdamer Concertgebouw Orchestra, dem Boston Symphony Orchestra, dem Philadelphia Orchestra oder den Berliner Philharmonikern, bei denen sie in diesen Konzerten ihr Debüt geben.
Nur während ihrer Studienjahre waren sie längere Zeit voneinander getrennt: Lucas schloss seine Ausbildung bei Menahem Pressler in den USA und bei Dmitri Bashkirow in Madrid ab, während Arthur am Amsterdamer Konservatorium bei Jan Wijn studierte. Natürlich trafen sie sich auch in dieser Zeit regelmäßig für gemeinsame Auftritte, bei denen sie ständig die Rollen tauschen: Mal darf der eine die oberen Oktaven bedienen, in denen zumeist die Melodien erklingen, mal der andere: »Vor jedem neuen Stück, das wir uns vornehmen, werfen wir eine Münze« (Arthur Jussen).
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