Entstehungszeit: 1779
Uraufführung: Datum nicht nachgewiesen
Dauer: 26 Minuten
Bei den Berliner Philharmonikern:
erstmals am 24. März 1886, Dirigent: Siegfried Ochs, Klavier: Emma Koch und Xaver Scharwenka
Im Januar 1779 kehrte Wolfgang Amadeus Mozart nach einer 16-monatigen Europareise in seine Heimatstadt Salzburg zurück. Große Erwartungen hatte er mit dieser aufwendigen Unternehmung verbunden, vor allem die Hoffnung auf eine gut dotierte Anstellung an einem prestigeträchtigen Hof. Doch mit Anfang zwanzig musste Mozart erleben, dass sein einstiger Ruhm als Wunderkind längst verblasst war. Man erinnerte sich nicht mehr an ihn, brauchte ihn nicht. Und dann starb im Juli 1778 auch noch seine Mutter, die ihn über Augsburg, München und Mannheim bis nach Paris begleitet hatte. Mozart musste allein zurückreisen und in Salzburg wieder in die Dienste des Fürsterzbischofs treten, diesmal als Hoforganist.
Und doch war nicht alles vergebens. Mozart hatte unterwegs viel Neues kennengelernt: Er bekam die in Salzburg fehlenden Klarinetten zu hören, genoss den Umgang mit renommierten Kollegen, verliebte sich in die junge Sängerin Aloysia Weber. In der französischen Hauptstadt durfte er mit dem berühmtesten Orchester Europas zusammenarbeiten, dem Concert Spirituel, für das er seine Pariser Symphonie komponierte. Auch machte er sich mit den neuesten Modegattungen vertraut, mit konzertanten Symphonien und Konzerten für mehrere Instrumente. Diese Genres griff er sofort nach seiner Rückkehr in Salzburg auf: mit der Sinfonia concertante für Violine und Viola sowie dem Konzert für zwei Klaviere, beide in Es-Dur.
Sollte Mozart der Misserfolg der Reise noch in den Knochen gesessen haben – man hört es dem Konzert für zwei Klaviere in keinem Takt an. Es ist ein auf Brillanz und Prachtentfaltung gerichtetes Werk mit zwei hochvirtuosen Soloparts, die einander nichts schenken. Mozart komponierte sie für seine fünf Jahre ältere Schwester Maria Anna, genannt Nannerl, und sich selbst. Ihre Ausführung erfordert ein fast blindes Verständnis, denn sogar die schnellen Passagen werden in beiden Klavieren oft synchron geführt oder wechseln sich so nahtlos ab, als würden sie von einer einzigen Person gespielt. Die Geschwister Mozart verfügten über die nötige Vertrautheit miteinander und waren in der Tastenkunst mit allen Wassern gewaschen.
Vieles ist kompositorisch neu in diesem Konzert. Etwa, dass die Holzbläser mit den Klavierparts dialogisieren und mit ihren Motiven in diese eingeflochten sind. Oder, dass die Fagottstimme eigenes Gewicht erhält und nicht mehr bloß die Streicherbässe unterstützt. Nach dem vor Einfällen übersprudelnden Kopfsatz bietet das Andante ein Paradebeispiel musikalischer Empfindsamkeit. Das Finalrondo aber ist ein beschwingter Rausschmeißer, der gute Laune versprüht: Alle Sorgen scheinen weit weg zu sein. Mozart war stolz auf dieses Konzert. Als er nach Wien zog, ließ er sich 1781 die Noten zuschicken, um es dort mit seiner Schülerin Josepha Barbara Auernhammer zu spielen. Bei dieser Gelegenheit erweiterte er die Orchesterbesetzung um Klarinetten, Trompeten und Pauken, was einen noch prächtigeren Gesamtklang ergab. Und in dieser Fassung ist das Konzert jetzt auch mit den Berliner Philharmonikern zu hören.