Von: Susanne Stähr

Entstehungszeit: 1857-1861
Dauer: 12 Minuten

  1. Allegro vivace, quasi presto

Bei den Berliner Philharmonikern:
erstmals am 17. Dezember 1890, Dirigent: Gustav Friedrich Kogel

Wer denkt nicht an Goethe, wenn von Faust und Mephisto die Rede ist? Der österreichische Dichter Nikolaus Lenau aber wagte kurz nach dem Tod des Weimarer Dichters einen Gegenentwurf und legte sein eigenes Faust-Epos vor, das 1840 im Druck erschien. Franz Liszt, der bereits 1857 Eine Faust-Symphonie nach den Goethe-Dramen zur Uraufführung gebracht hatte, beschäftigte sich von 1857 bis 1861 auch mit Lenaus alternativer Lesart und ließ sich davon zu zwei orchestralen Faust-Episoden für Orchester inspirieren. Die zweite trägt den Titel »Der Tanz in der Dorfschenke«, ist aber ebenso bekannt als »Erster Mephisto-Walzer«, wie die zeitgleich entstandene Klavierfassung heißt.

Die Musik spiegelt plastisch, worum es geht. Faust und Mephisto kehren in ein Landgasthaus ein, wo gerade Hochzeit gefeiert wird. Von einem Musikanten leiht sich Mephisto die Geige: In den Anfangstakten hört man, wie er das Instrument stimmt, ehe er zum wilden Tanz aufspielt. Faust hat inzwischen eine Schöne entdeckt und schmachtet sie mit sehnsuchtsvollen Cellokantilenen an. Es gelingt ihm, die Frau aus der Dorfschenke hinaus in den Wald zu ziehen: Drei Flöten imitieren dazu den Gesang der Nachtigall. Doch es bleibt nicht so geheimnisvoll und ruhig. Faust legt sich ordentlich ins Zeug, verführt sein Opfer nach allen Regeln der Kunst, musikalisch gesprochen: mit lasziver Chromatik, bis alles in die schiere Raserei mündet, in den erotischen Taumel.