Rasanter Tastenzauber

Ludwig van Beethoven als Pianist

Schmale Rechtecke in grau und weiß auf schwarzem Hintergrund

Ludwig van Beethoven war ein Wunderkind am Klavier und feierte zu Beginn seiner Laufbahn seine größten Erfolge als Pianist. Entsprechend komponierte er hauptsächlich für sich selbst. Das änderte sich allerdings mit der Verschlechterung seines Gehörs.

Als Kind einer Musikerfamilie war Ludwig van Beethoven seit seinen frühesten Tagen von Musik umgeben und erhielt mit fünf Jahren den ersten Klavierunterricht: allerdings noch auf dem Clavichord, denn das Klavier heutiger Bauart war damals noch nicht erfunden. Erstaunlich, dass er trotz der rigiden Erziehungsmethoden seines Vaters nicht schnell die Lust verlor. Wenn er einmal danebengriff, dann bestrafte ihn Johann van Beethoven mit Ohrfeigen oder sperrte ihn in den Keller. Manchmal zerrte er den schlafenden Ludwig auch nachts aus dem Bett und traktierte ihn stundenlang mit Exerzitien. Dennoch galt der junge Beethoven schnell als Wunderkind am Klavier: Mit sieben gab er sein erstes öffentliches Konzert, mit zwölf trat er am Hof des Prinzen von Oranien-Nassau in Den Haag auf.

Als Beethoven 1792 nach Wien übersiedelte, sorgte er dort zunächst als Pianist für Furore. Er wurde »wegen seiner besonderen Geschwindigkeit« und »wegen der außerordentlichen Schwierigkeiten, welche er mit so vieler Leichtigkeit exequiert« gerühmt. Mit seinem rasanten Tastenzauber stieg Beethoven zu einem Liebling der feinen Gesellschaft auf. Man riss sich um seine Dienste, honorierte ihn fürstlich, sogar mit Jahresapanagen oder einem Reitpferd. Weshalb Beethoven gewisse Starallüren entwickelte. Als er einmal auf dem Sofa im Salon der Gräfin von Thun rumlümmelte, warf sie sich vor ihm auf die Knie, damit er noch etwas für sie spielen möge. Beethoven aber blieb stur und bequemte sich nicht mehr ans Instrument.

Bis 1807 komponierte er seine Klavierwerke zum größten Teil für den Eigenbedarf als Pianist. Doch damit war Schluss, als Beethovens Hörvermögen so stark nachließ, dass er akustisch nicht mehr kontrollieren konnte, was und wie er es vortrug. Sein letzter großer Auftritt in einer öffentlichen Akademie, wie die bürgerlichen Publikumskonzerte damals hießen, fand am 22. Dezember 1808 im Theater an der Wien statt, mit der Uraufführung seines Vierten Klavierkonzerts. Es war ein Abschied – aber glücklicherweise nicht das Ende des Klavierkomponisten Beethoven.

Susanne Stähr

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