In memoriam Claudio Abbado

Schwarz-weiß-Aufnahme: Mann dirigiertClaudio Abbado
(Foto: Cordula Groth)

Vor zehn Jahren, am 20. Januar 2014, starb Claudio Abbado, Chefdirigent der Berliner Philharmoniker von 1989 bis 2002. Mit ihm verloren wir einen Musiker, der einzigartige künstlerische und menschliche Qualitäten in sich vereinte. Nichts lag ihm ferner als das autoritäre Auftreten eines Pultstars, Claudio Abbado begegnete seinen Musikerinnen und Musikern zugewandt und auf Augenhöhe. Einander zuhören, ein Musizieren im Geiste des Miteinanders: Das war sein Ideal. Das spürte man vor allem in seinen Interpretationen, die auch bei großen Orchesterwerken vom sensiblen Dialog der Stimmen geprägt waren.

Als Claudio Abbado 1989 sein Amt bei den Berliner Philharmonikern antrat, war dies in mehrfacher Hinsicht eine Zeitenwende. In saisonübergreifenden Themenschwerpunkten etwa zu Faust, Prometheus oder Shakespeare eröffnete er ungewohnte Blickwinkel auf bekannte Werke und weckte zugleich Neugier auf Entdeckungen. Damit einher ging eine stilistische Ausdifferenzierung: Barock und Moderne wurden wie nie zuvor zur Domäne der Berliner Philharmoniker, und vor allem erschloss Claudio Abbado dem Orchester das Universum der Musik Gustav Mahlers. Über all diesen programmatischen Errungenschaften stand immer sein unvergleichliches Musizieren. Es war ein Musizieren aus dem Augenblick, das Orchestermitglieder wie Publikum unvermittelt bis ins Innerste zu ergreifen vermochte und die Magie der Musik erfahrbar machte.

Claudio Abbado hat sich zeitlebens für den musikalischen Nachwuchs eingesetzt, als Gründer von Jugendorchestern, als Mentor herausragender junger Musikerinnen und Musiker. Zu ihnen gehört der Dirigent Daniel Harding, der mit gerade 20 Jahren Assistent Abbados bei den Berliner Philharmonikern wurde. Der Bratscher Antoine Tamestit wiederum spielte in jungen Jahren in Abbados Lucerne Festival Orchestra. Wir freuen uns, gemeinsam mit ihnen diese Konzerte dem Andenken Claudio Abbados zu widmen.