ca. 2 Minuten

Leo Borchard Der Nachkriegsdirigent

Schwarz-Weiß-Porträt von Leo Borchard in Anzug und Krawatte, der leicht nach rechts blickt und leicht lächelt. Er hat kurzes, ordentlich gekämmtes Haar und ein glatt rasiertes Gesicht, der Hintergrund ist neutral.
Leo Borchard | Bild: Archiv Berliner Philharmoniker

Am 26. Mai 1945, knapp drei Wochen nach der deutschen Kapitulation, fand im Titania-Palast das erste Nachkriegskonzert der Berliner Philharmoniker statt. Das Programm hatte Symbolkraft: Am Anfang stand die Sommernachtstraum-Ouvertüre von Mendelssohn Bartholdy, dessen Musik zwölf Jahre lang offiziell geächtet war; dann das Violinkonzert A-Dur von Mozart mit dem philharmonischen Konzertmeister Ulrich Grehling und die Vierte Symphonie von Tschaikowsky. Am Pult stand der 46-jährige Dirigent Leo Borchard, der erste Nachkriegsdirigent des Orchesters. 

Ein vielversprechendes Talent

Lew Ljewitsch (Leo) Borchard wurde am 30. März 1899 in Moskau geboren. 1920 kam er zum Studium nach Berlin und wurde Schüler von Hermann Scherchen, einem der wichtigsten Dirigenten der Zeit. Er begann seine Karriere als Chorleiter sowie als Korrepetitor an der Städtischen Oper und als Assistent von Otto Klemperer an der Staatsoper Unter den Linden. Doch mehr als die Oper interessierte ihn das symphonische Repertoire. Er leitete verschiedene Rundfunkorchester, ehe er am 3. Januar 1933 bei den Berliner Philharmonikern mit Werken von Haydn, Beethoven und Brahms debütierte.

Die Zusammenarbeit gestaltete sich vielversprechend: Bereits im November 1933 entstehen unter seiner Leitung Schallplattenaufnahmen mit dem Orchester. Im Dezember dirigierte er sein zweites Konzert mit einem »bunten Programm«. Von 1934 bis 1937 steht er häufig am philharmonischen Pult, vor allem bei den »Populären Konzerten«. Borchards Auftritte fanden Anklang, er erhielt gute Kritiken. Doch die aufstrebende Karriere stagnierte Mitte der 1930er Jahre wegen vermeintlicher »politische Unzuverlässigkeit«. Leo Borchard lebte damals künstlerisch weitestgehend zurückgezogen, dirigierte nur noch im Ausland. Zugleich wurde er Mitglied der Widerstandsgruppe Onkel Emil.

Der Mann der Stunde

Nach Kriegsende nahmen die Berliner Philharmoniker offenbar früh Kontakt zu Leo Borchard auf. Er war der Mann der Stunde. Der Magistrat von Berlin betraute ihn »bis zur endgültigen Entscheidung mit der künstlerischen Gesamtleitung des Berliner Philharmonischen Orchesters.« Er wurde Präsidiumsmitglied der neugegründeten Kammer der Kunstschaffenden, zu deren Aufgaben auch die Mitwirkung bei der Überprüfung der nazistischen Tätigkeit von Künstlern gehört. Borchard ging mit Enthusiasmus und Elan an seine Aufgaben, doch sein Leben endete abrupt. Im August 1945 wird er nach einem Abendessen bei dem musikliebenden britischen Oberst Thomas R. M. Creighton irrtümlich von einem amerikanischen Soldaten erschossen.

<section class="bg--dark section--border" id="pagination"> <h2 class="align--center visually--hidden"></h2> <div class="section__content"> <div class="pagination"> <div class="pagination__prev"> <a class="image--hover btn--hover" aria-label="Gehe zur Seite: Sergiu Celibidache" href="/ueber-uns/orchester/geschichte/sergiu-celibidache/"> <figure> <div class="image"> <picture> <source media="(min-width: 1280px)" srcset="/fileadmin/_processed_/6/1/csm_mobil-Celibidache_ABPh_dd5145ccb1.jpg 1x, /fileadmin/_processed_/6/1/csm_mobil-Celibidache_ABPh_3b463058d2.jpg 2x"/> <img loading="lazy" src="/fileadmin/_processed_/6/1/csm_mobil-Celibidache_ABPh_dd5145ccb1.jpg" width="370" height="278" alt="Sergiu Celibidache in Hemd und Krawatte dirigiert ein Orchester und hält einen Taktstock. Ein anderer Mann mit Hut steht im Hintergrund. Das Bild ist in Schwarz-Weiß gehalten und hat eine dramatische, konzentrierte Atmosphäre." /> </picture> </div> <figcaption class="visually--hidden"> Sergiu Celibidache </figcaption> </figure> <div class="pagination__content"> <div class="pagination__title"><strong><span class="pagination__title_default">Sergiu Celibidache</span><span class="pagination__title_mobile">Vorheriger Artikel</span></strong></div> <div class="pagination__text">Die Zusammenarbeit zwischen Celibidache und den Berliner Philharmonikern begann am 29. August 1945, in einem der tragischsten Momente der Orchestergeschichte.</div> <div class="pagination__action align--left"> <span class="btn btn--secondary btn--no-label"> <span class="bph-icon-arrow-left"></span> </span> </div> </div> </a> </div> <div class="pagination__next"> <a class="image--hover btn--hover" aria-label="Gehe zur Seite: Herbert von Karajan: Klangästhet und Medienstar" href="/ueber-uns/orchester/geschichte/herbert-von-karajan/"> <figure> <div class="image"> <picture> <source media="(min-width: 1280px)" srcset="/fileadmin/_processed_/d/c/csm_mobil-Karajan_Lauterwasser_596ac17b33.jpg 1x, /fileadmin/_processed_/d/c/csm_mobil-Karajan_Lauterwasser_cc62059a93.jpg 2x"/> <img loading="lazy" src="/fileadmin/_processed_/d/c/csm_mobil-Karajan_Lauterwasser_596ac17b33.jpg" width="370" height="278" alt="Herbert von Karajan mit grauem Haar, der einen hellbraunen Trenchcoat und einen schwarzen Rollkragenpullover trägt, steht im Freien in der Nähe von belaubten Ästen, wobei im Hintergrund ein modernes Gebäude mit einem geschwungenen Dach zu sehen ist." /> </picture> </div> <figcaption class="visually--hidden"> Herbert von Karajan | Bild: Siegfried Lauterwasser </figcaption> </figure> <div class="pagination__content"> <div class="pagination__title"><strong><span class="pagination__title_default">Herbert von Karajan: Klangästhet und Medienstar</span><span class="pagination__title_mobile">Nächster Artikel</span></strong></div> <div class="pagination__text">Karajan, Chefdirigent 1956–1989, verkörperte den Dirigententyp des 20. Jahrhunderts: energisch, charismatisch, visionär.</div> <div class="pagination__action align--right"> <span class="btn btn--secondary btn--no-label"> <span class="bph-icon-arrow-right"></span> </span> </div> </div> </a> </div> </div> </div> </section>