Autor*in: Luisa Aha
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Wilhelm Gause: Ball der Stadt Wien (1904) | Bild: Wien Museum, CC-BY-4.0, Foto: Birgit und Peter Kainz

1. Der Ursprung

Zu den Vorfahren des Walzers gehören Volkstänze mit so klingenden Namen wie Dreher, Weller und Spinner – also Paartänze mit Drehen als bezeichnendem Merkmal. Man ging lange Zeit davon aus, dass der bayerisch-österreichische Ländler der direkte Vorgänger des Walzers ist, allerdings betrachtet die Forschung die beiden Tänze inzwischen eher als Geschwister, die sich parallel zueinander (weiter-) entwickelt haben. Seinen wohl berühmtesten Auftritt hatte der Ländler übrigens im Musical-Film The Sound of Music von 1965.

2. »Der Kongress tanzt«

Wo genau die Wurzeln des Walzers liegen, ist also umstritten. Fest steht aber: Der Walzer trat seinen gesellschaftlichen Siegeszug vor etwa 200 Jahren an, als Europa beim Wiener Kongress 1814/15 neu geordnet wurde. Um den Kongressteilnehmenden den Aufenthalt möglichst angenehm zu gestalten, wurden überall in der Stadt Bälle veranstaltet.

3. Walzer kommt von Walzen

Was zunächst wenig elegant klingt, ist tatsächlich der Wort-Ursprung des Walzers. Die Walze als zylinderförmiger Körper diente dabei als Vorlage für die drehende Fortbewegung. Auch in anderen Sprachen hat sich die Bezeichnung durchgesetzt, zum Beispiel beim englischen waltz oder dem französischen valse. Zum ersten Mal tauchte der Begriff 1748 auf, allerdings direkt in einem Tanzverbot des Landeshauptmanns von Oberösterreich …
 

4. Die Sache mit dem Rebhuhn

Das Café Rebhuhn war schon vor dem Wiener Kongress ein beliebter Treffpunkt für das aufgeschlossene Bürgertum. Nach der Revolution ging der Wirt mit der Zeit und bot seiner Kundschaft immer neue Attraktionen, wie die Tanzkappelle von Joseph Lanner. An der Bratsche dieser Kapelle saß niemand anderes als Johann Strauß der Ältere und beobachtete, wie sich die gemütlichen Paartänze allmählich zum aufregenden Walzer wandelten.

5. Ein einziger Skandal

Der Walzer entwickelte sich weiter und die Dynamik der Drehungen wurde schließlich so ekstatisch, dass sie schwer zu kontrollieren war. Die Tanzpaare mussten sich eng aneinanderschmiegen, um dem Tempo überhaupt standhalten zu können. Außerdem machte der Walzer keinen Unterschied zwischen hohem oder niederem Rang und Stand – für jede Obrigkeit ein bedrohlicher Umstand. In einer Zeit, in der man für eine unbedachte Bemerkung im Wirtshaus inhaftiert werden konnte, war dieser Tanz seiner Gesellschaft weit voraus.

6. »Leider nicht von mir.«

Der anstößige Walzer wurde im Laufe der Jahre immer komplexer, neue Figuren und Schrittfolgen entstanden, die passenden Stücke wurden komponiert. Einsame Spitze der hohen Walzerkunst war dabei vermutlich Johann Strauß’ Meisterwerk An der schönen blauen Donau von 1867. Seinen Triumphzug trat der Donauwalzer in der reinen Orchesterfassung an, er wurde zum Inbegriff der wienerischen Ballsaal-Raffinesse und gewann die Hochachtung aller »seriösen« Komponisten – Brahms beispielsweise, selbst begnadeter Tanz- und Walzerkomponist, notierte zu den Anfangstakten des Donauwalzers die längst geflügelten Worte »Leider nicht von mir«.

7. Ein herrlicher Anachronismus

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde für Opernkenner der Münchner Richard Strauss zum Walzerkönig. Gegen Ende seines Lebens hatte er seiner Heimatstadt gleich zwei Walzer gewidmet, erst einen »Gelegenheitswalzer«, dann einen daraus erweiterten »Gedächtniswalzer«. Die Walzer in seinem 1911 uraufgeführten, zur Zeit Maria Theresias spielenden Rosenkavalier waren allerdings ein herrlicher Anachronismus. Die Kaiserin hätte keinen einzigen Takt Walzer tanzen können, denn es gab ihn zu ihren Lebzeiten noch nicht.

8. Mit Höchstgeschwindigkeit …

Mit 60 Takten pro Minute steht der Wiener Walzer als schnellster Tanz an der Spitze der Turniertänze. Er wurde bereits seit 1932 auf Turnieren getanzt und 1963 schließlich als gleichberechtigter Standardtanz ins Welttanzprogramm aufgenommen.

Maria und der Baron von Trapp tanzen den Ländler in »The Sound of Music/ Meine Lieder – meine Träume« (Regie: Robert Wise, 1965)

9. … zum Weltkulturerbe

Neben dem Wiener Walzer gibt es auch Verwandte wie den »Pariser Walzer« oder den noch schnelleren russischen Walzer. Und natürlich den langsamen »English Waltz«. Wegen seiner langen Tradition und der Bedeutung für die österreichische Kultur,  ist der Wiener Walzer – gespielt, getanzt und gesungen –  seit November 2017 sogar Teil des immateriellen UNESCO Kulturerbes.

10. »Alles Walzer«

Wenn es auf Bällen »Alles Walzer« heißt, steht die Tanzfläche allen Walzenden offen. In einer Wiener Ballsaison finden bis zu 450 Bälle mit einer halben Million Gästen statt – da walzt die ganze Stadt. Übrigens: Wer an einem solchen Abend zwölf Walzer tanzt, hat sich rund 2.500 mal gedreht, 5.000 Takte getanzt und eine Strecke von ganzen 5 Kilometern zurückgelegt!

11. Next level: Walzer linksherum

Den Wiener Walzer kann man sowohl nach rechts, als auch links herum tanzen – letzteres ist allerdings deutlich schwieriger, denn beim Linkswalzer bedeutet der dritte Walzerschritt ein Einkreuzen der Füsse (und kein Schliessen). Es ist schwieriger, auf den Linkswalzer umzulernen, wenn man den Rechtswalzer bereits beherrscht, daher: lieber gleich mit beiden beginnen!