SaisoneröffnungKirill Petrenko dirigiert Elgar und Tschaikowsky

Kirill Petrenko steht vor dem Orchester und hebt beide Arme zu einer großen Geste nach oben. Er trägt einen schwarzen Anzug. Im Vordergrund sind Musiker von hinten zu sehen.
Kirill Petrenko mit den Berliner Philharmonikern | Bild: Monika Rittershaus

Konzertinformationen


Info

Klangvoll und schwelgerisch geben sich die beiden Werke, mit denen Kirill Petrenko die neue Saison eröffnet. Unter der leuchtenden Oberfläche gibt es jedoch geheimnisvolle Botschaften. So verarbeiten Edward Elgars Enigma-Variationen nicht nur ein empfindsames Thema, sondern sie liefern zugleich verschlüsselte Porträts von Freunden und Familienangehörigen. Peter Tschaikowsky wiederum durchzieht seine Vierte Symphonie mit einem »Schicksalsmotiv« – ein Hinweis auf Lebenskrisen, die ihn bei der Komposition begleitet haben. Zwar gibt es Momente der Aufhellung, aber immer stehen sie im Schatten drohenden Unglücks.


Besetzung

Berliner Philharmoniker
Kirill Petrenko Dirigent


Programm

Edward Elgar
Enigma, Variations on an Original Theme op. 36

Pause

Peter Tschaikowsky
Symphonie Nr. 4 f-Moll op. 36


Serviceinformationen

Dauer ca. 1 Stunde und 45 Minuten (inkl. 20 Minuten Pause)

Konzert zur Saisoneröffnung in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank


Termine und Tickets


Großer Saal

50 bis 161 €

Konzerteinführung
18.15 Uhr

Hintergrund

Was Sie (vielleicht) noch nicht über Peter Tschaikowsky wussten

Ein Bild im Pop-Art-Stil, auf dem derselbe bärtige Mann viermal wiederholt erscheint, jeweils in einer anderen kräftigen Farbgebung: Rot, Blau, Orange und Gelb, wobei jedes Porträt einen kontrastierenden Hintergrund aufweist.

Seine Musik prägt das Konzertrepertoire bis heute: die schillernden Märchenwelten aus Schwanensee und Der Nussknacker, das leidenschaftliche Aufbäumen des Ersten Klavierkonzerts, die sehnsuchtsvollen Melodien seines Violinkonzerts. Peter Tschaikowsky hat mit unverkennbarer Handschrift die romantische Musik geprägt. Doch wer war der Mensch hinter der Fassade seiner Werke? Ein Blick auf die (vielleicht) weniger bekannten Seiten des Künstlers.


Zwischen Hügel und Insel
Der Dirigent Hans Richter

Ein sepiafarbenes Porträt eines bärtigen Mannes, der eine runde Brille, einen Anzug und eine Weste trägt und leicht nach links blickt. Der Hintergrund ist schlicht und neutral.
Hans Richter, 1887 | Bild: Elliott & Fry (Fotoatelier), Wien Museum, CC0

Hans Richter hat einen festen Platz in der Musikgeschichte, spätestens seit er die Uraufführung von Wagners Ring des Nibelungen dirigierte. Weniger bekannt ist, dass Richter auch eine Legende der britischen Musikszene war – und er die Premiere von Elgars Enigma-Variationen leitete.

Ein Dirigent aus dem ungarischen Teil der Habsburgermonarchie, ausgebildet in Wien, bekannt als Wagner-Interpret, steigt um die Jahrhundertwende zur dominierenden Musikerpersönlichkeit in London und Südengland auf und verhilft Edward Elgar zum Durchbruch als Komponist – nicht nur in dessen Heimatland, sondern auch auf dem Kontinent. Hans Richter (1843–1916), Sprössling einer Musikerfamilie, gelang es, in seiner Person scheinbar unvereinbare musikalische Sphären zu verbinden. Er prägte ein Vierteljahrhundert lang das Wiener Musikleben und dirigierte 77 Vorstellungen am Grünen Hügel in Bayreuth. 1877 unternahm er mit Richard Wagner eine Konzertreise nach England und wurde dort mit offenen Armen empfangen. 

Seine Art des Musizierens traf offenbar den Geschmack der Briten, und so betraute man ihn in London von 1879 an für fast zwei Jahrzehnte mit der Leitung der »Orchestral Festival Concerts« (die bald in »Richter Concerts« umbenannt wurden). In Birmingham wurde er für 14 Spielzeiten Direktor des jährlichen Musikfests, und in Manchester begründete er eine ganze Ära als Chef des Hallé Orchestra, das er von 1900 bis 1911 leitete. Zeitweise stand er außerdem dem London Symphony Orchestra vor, und am Opernhaus am Covent Garden war er abonniert auf Wagners Musikdramen, die er in- und auswendig beherrschte. 

Dass er auch bei den Berliner Philharmonikern gastierte und mit ihnen in der letzten Dekade des 19. Jahrhunderts rund drei Dutzend Konzerte leitete – darunter im Frühjahr 1900 eine Tournee durch halb Europa – ist eine weitere Facette dieses europäischen Künstlerlebens. Wesentlich war Richters Gespür für kompositorische Individualität: So kam es, dass ein deutschsprachiger Dirigent dem wohl bedeutendsten englischen Komponisten seiner Zeit zur Seite stand, als einige von dessen wichtigsten Werken uraufgeführt wurden: nämlich die Erste Symphonie, das sehr britische Oratorium The Dream of Gerontius und – last but not least – Elgars berühmtestes Orchesterwerk, die Enigma-Variationen.

 


Biografie

Kirill Petrenko

Seit der Saison 2019/20 ist Kirill Petrenko Chefdirigent und künstlerischer Leiter der Berliner Philharmoniker. Geboren im sibirischen Omsk, erhielt er seine Ausbildung zunächst in seiner Heimatstadt und später in Österreich. Seine Dirigentenkarriere begründete er an der Oper mit Chefpositionen am Staatstheater Meiningen und an der Komischen Oper Berlin. Von 2013 bis 2020 war Kirill Petrenko Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper. Zudem gastierte er an den bedeutendsten Opernhäusern der Welt, von der Wiener Staatsoper über den Londoner Covent Garden und die Opéra national in Paris bis zur Metropolitan Opera in New York und zu den Bayreuther Festspielen. 

Auch die großen internationalen Symphonieorchester – in Wien, München, Dresden, Paris, Amsterdam, London, Rom, Chicago, Cleveland und Israel – hat er dirigiert. In der Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern haben sich seit seinem Debüt 2006 vielfältige programmatische Schwerpunkte herausgebildet. Dazu gehört die Arbeit am klassisch-romantischen Kernrepertoire des Orchesters, beispielhaft zu erleben beim Amtsantritt mit Beethovens Neunter Symphonie. Ein weiteres Anliegen Kirill Petrenkos sind zu Unrecht vergessene Komponisten wie Josef Suk oder Bernd Alois Zimmermann. In Opernaufführungen mit den Berliner Philharmonikern haben zuletzt Richard Strauss‘ Elektra und Giacomo Puccinis Madama Butterfly für Aufmerksamkeit gesorgt. 

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