Info
In seinem expressiven Zweiten Streichquartett verarbeitete Arnold Schönberg eine schwere Ehekrise. Eine Sopranstimme mit Texten von Stefan George, interpretiert von Anna Prohaska, verleiht dem Werk zusätzliche Intensität. Schönbergs jüngerer Kollege Dmitri Schostakowitsch schrieb sein schmerzvolles Streichquartett Nr. 8 unter dem Eindruck des zerbombten Dresden als Fanal gegen Krieg und Faschismus. Eröffnet wird das Konzert des Varian Fry Quartetts mit Mozart. Dieser machte im Haus eines Barock-Fans die Bekanntschaft mit den Klavierfugen Bachs. Fasziniert von ihrer strengen Schönheit, richtete er einige davon für Streichquartett ein.
Besetzung
Varian Fry Quartett:
Philipp Bohnen Violine
Christoph von der Nahmer Violine
Martin von der Nahmer Viola
Knut Weber Violoncello
Anna Prohaska Sopran
Programm
Wolfgang Amadeus Mozart
Fünf vierstimmige Fugen aus Bachs Wohltemperiertem Klavier, Teil 2, KV 405
Dmitri Schostakowitsch
Streichquartett Nr. 8 c-Moll op. 110
Pause
Arnold Schönberg
Streichquartett Nr. 2 fis-Moll mit Sopran-Solo op. 10
Anna Prohaska Sopran
Serviceinformationen
Dauer ca. 2 Stunden (inkl. 20 Minuten Pause)
Kammermusiksaal
12 bis 31 €
Konzerteinführung
19.30 Uhr
mit Janin Janke
Abo Q: Berliner Philharmoniker Ensembles
Kammermusik bedeutet Dialog auf Augenhöhe und als Gruppe eine gemeinsame künstlerische Identität zu entwickeln. Kein Wunder, dass die Mitglieder der Berliner Philharmoniker sich leidenschaftlich gern dieser Kunst widmen. Die Bratschistin Julia Gartemann und der Cellist Knut Weber berichten von ihren Erfahrungen.
Kammermusik zu machen, ist für die Mitglieder der Berliner Philharmoniker Herzenssache – und fester Teil der Orchestertradition. Aus diesem Grund gründete der Geiger Philipp Bohnen zusammen mit drei weiteren Kolleg*innen in der Spielzeit 2012/13 das Varian Fry Quartett. Den Namen für ihr Ensemble fanden sie quasi um die Ecke der Philharmonie: Wenige Meter entfernt heißt eine Straße nach dem amerikanischen Journalisten und Freiheitskämpfer Varian Fry, der unter anderem Hannah Arendt, Klaus Mann, Marc Chagall und Bohuslav Martinů vor den Nationalsozialisten gerettet hat. Der Grundstein für die erfolgreiche Formation wurde bereits in der Spielzeit 2007/08 gelegt: Damals fanden drei der vier Mitglieder als Stipendiaten der Karajan-Akademie zum Quartett-Spiel zusammen. Sie entdeckten die Freude am gemeinsamen Musizieren in der Königsdisziplin der Kammermusik.
Inspiriert durch Unterrichtsstunden bei Mitgliedern des berühmten Philharmonia Quartetts, das bis 2018 zu den führenden Kammermusikensembles der Berliner Philharmoniker zählte, entstand der Wunsch, selbst in einem festen Streichquartett zu musizieren. »Im Quartett trägt jeder eine andere Art der musikalischen Verantwortung als im Orchester – das macht das Musizieren aktiver und beweglicher«, meint Philipp Bohnen. »Diese Energie nehmen wir mit ins Orchester. Und umgekehrt profitieren wir als Kammermusiker von den Klangvorstellungen, die wir dort entwickeln.« Im April 2013 gab das Varian Fry Quartett sein erstes öffentliches Konzert im Rahmen der Osterfestspiele in Baden-Baden – mit großem Erfolg. Inzwischen tritt das Ensemble deutschlandweit sowie international auf; unter anderem gastierte es bislang in Paris, New York, Los Angeles, Luxemburg, Shanghai und Japan.
»Man könnte sich restlos verlieren im Klang ihres natürlich fließenden, lyrischen Soprans. Doch dessen Schönheit ist im besten Sinne nur ein Nebenaspekt von Prohaskas bezwingender Darstellung« (Hamburger Abendblatt). Anna Prohaska entstammt väterlicherseits einer alteingesessenen Wiener Musikerfamilie und wurde in Neu-Ulm geboren. Ab dem sechsten Lebensjahr wuchs sie im Wiener Bezirk Hietzing in jener Villa auf, in der Johann Strauss Die Fledermaus komponierte. Die Sängerin studierte an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin und debütierte als 18Jährige an der Komischen Oper Berlin. Mit 20 war sie erstmals an der Staatsoper Unter den Linden zu hören, deren Ensemblemitglied sie mehrere Jahre war und der sie trotz ihrer internationalen Karriere bis heute verbunden ist.
Die Sopranistin, die für ihr silbern glänzendes Timbre und ihre berührende Ausdruckskraft gefeiert wird, gastiert regelmäßig an den führenden Opernhäusern und Konzertsälen der Welt. Sie verfügt über ein außergewöhnlich breites Repertoire von Monteverdi bis zu Uraufführungen und arbeitet dabei mit Dirigenten wie Daniel Barenboim, Philippe Jordan oder Sir Simon Rattle und Orchestern wie dem Los Angeles Philharmonic Orchestra, dem London Symphony Orchestra, den Berliner und Wiener Philharmonikern zusammen. »Die Hauptsache ist, dass man seiner eigenen Klangvorstellung treu bleibt«, beschreibt die Koloratursopranistin die unterschiedlichen Anforderungen von Epochen und musikalischen Partnern.
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