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»Symphonie heißt mir eben: mit allen Mitteln der vorhandenen Technik eine Welt aufbauen.« Nirgendwo hat Gustav Mahler dieses Credo überwältigender umgesetzt als in seiner Achten Symphonie. Mit acht Solistinnen und Solisten, drei Chören und gigantischem Orchester geht er hier über alles bisher Dagewesene hinaus. Doch Mahler entfesselt nicht nur eine ungeheure Klangfülle, sondern bündelt auch fundamentale Gedanken der Geistesgeschichte – vom mittelalterlichen Hymnus bis zum Schluss von Goethes Faust. Nach 15 Jahren bringen die Berliner Philharmoniker das spektakuläre Werk nun unter Kirill Petrenko wieder auf die Bühne.
Besetzung
Berliner Philharmoniker
Kirill Petrenko Dirigent
Jacquelyn Wagner Sopran (Magna peccatrix)
Golda Schultz Sopran (Una poenitentium)
Jasmin Delfs Sopran (Mater gloriosa)
Beth Taylor Alt (Mulier Samaritana)
Fleur Barron Mezzosopran (Maria Aegyptiaca)
Benjamin Bruns Tenor (Doctor Marianus)
Gihoon Kim Bariton (Pater ecstaticus)
Le Bu Bass (Pater profundus)
Rundfunkchor Berlin
Gijs Leenaars Choreinstudierung
Bachchor Salzburg
Michael Schneider Choreinstudierung
Knaben des Staats- und Domchors Berlin
Kai-Uwe Jirka Choreinstudierung
Kelley Sundin-Donig Choreinstudierung
Programm
Gustav Mahler
Symphonie Nr. 8 »Symphonie der Tausend«
Serviceinformationen
Dauer ca. 1 Stunde und 30 Minuten
Dauer ca. 85 Minuten, keine Pause
Großer Saal
49 bis 156 €
Konzerteinführung
19.15 Uhr
Abo D: Konzerte mit den Berliner Philharmonikern
Großer Saal
49 bis 156 €
Konzerteinführung
18.15 Uhr
Abo AK: Abo kompakt
»Auftakt«: Mahlers Achte Symphonie
»Mahler verbindet Verrücktheit, Genie und eine unglaubliche Begabung für sehr schöne, lange Medodien«, findet Solo-Oboist Albrecht Mayer, der in dieser Folge von Auftakt eine persönliche Werkeinführung in Mahlers Achte Symphonie gibt. Außerdem erhalten Sie in diesem Video einmalige Einblicke in die Probenarbeit mit Chefdirigent Kirill Petrenko.
Als das 19. Jahrhundert zu Ende ging, entwickelten die Menschen eine ungekannte Lust am Riesenhaften und am Rekord: ob es nun um Wolkenkratzer ging, um Weltausstellungen oder die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit. Auch Gustav Mahlers Achte Symphonie ist in ihren gewaltigen Dimensionen ein Kind dieser Zeit.
Gustav Mahler selbst hat seine Achte Symphonie »das Größte« genannt, was er gemacht habe, und sie in einen kosmischen Zusammenhang gebracht: Es sei, als ob »das Universum zu tönen und zu klingen beginnt« – und nicht menschliche Stimmen, sondern »Planeten und Sonnen« würden darin kreisen. Bei der Uraufführung 1910 in der Neuen Musik-Festhalle zu München, einem Messegebäude, war die Anzahl der Mitwirkenden vierstellig, weshalb der vom Veranstalter zu Werbezwecken erfundene Titel »Symphonie der Tausend« denn auch faktisch zutraf. Erinnerungen wurden wach an die englischen Musikfeste des vorangegangenen Jahrhunderts, bei denen Händel-Oratorien im Londoner Kristallpalast von 4000 Choristen vor über 20 000 Zuhörenden dargeboten wurden, oder an Aufführungen von Beethovens Christus am Ölberge in Wien mit ähnlichen Dimensionen.
Es war die Zeit der Rekorde und Sensationen: Nicht lange nachdem 1876 Wagners monumentaler Ring des Nibelungen uraufgeführt wurde, begann in Chicago der moderne Hochhausbau mit den ersten Wolkenkratzern; internationale Reedereien konkurrierten um das »blaue Band« für die schnellste Atlantiküberquerung; seit Mitte des 19. Jahrhunderts verpflanzten die Weltausstellungen halbe Kontinente in die ausrichtenden Städte; bei den 1894 wiedergegründeten Olympischen Spiele wetteiferten die Athleten ums »schneller, höher, weiter«. Industrialisierung und technischer Fortschritt ermöglichten zuvor unvorstellbare Leistungen, kapitalistischer Ehrgeiz und die Bildung von Nationalstaaten befeuerten das gegenseitige Überbieten-Wollen.
Kein Wunder, dass eine gewisse Gigantomanie auch die Künste ergriff. So wollte der Komponist August Bungert Wagners vier Abende füllenden Ring-Zyklus mit einer auf bis zu elf Teile konzipierten Homerischen Welt übertreffen, auch wenn davon nur vier verwirklicht wurden. Doch Wagner und Mahler ging es in ihren Werken nicht um bloßes Staunenmachen. Die vielgestaltigen Mittel sollten das Publikum durchaus überwältigen, vor allem aber sollten sie alle Sinne aktivieren, die höchste Sensibilität erwirken, um den Geist der ganzen Welt zu erfassen.
Seit der Saison 2019/20 ist Kirill Petrenko Chefdirigent und künstlerischer Leiter der Berliner Philharmoniker. Geboren im sibirischen Omsk, erhielt er seine Ausbildung zunächst in seiner Heimatstadt und später in Österreich. Seine Dirigentenkarriere begründete er an der Oper mit Chefpositionen am Meininger Theater und an der Komischen Oper Berlin. Von 2013 bis 2020 war Kirill Petrenko Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper. Zudem gastierte er an den bedeutendsten Opernhäusern der Welt, von der Wiener Staatsoper über den Londoner Covent Garden und die Opéra national in Paris bis zur Metropolitan Opera in New York und den Bayreuther Festspielen. Auch die großen internationalen Symphonieorchester – in Wien, München, Dresden, Paris, Amsterdam, London, Rom, Chicago, Cleveland und Israel – hat er dirigiert.
In der Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern haben sich seit seinem Debüt 2006 vielfältige programmatische Schwerpunkte herausgebildet. Dazu gehört die Arbeit am klassisch-romantischen Kernrepertoire des Orchesters, etwa mit Symphonien von Beethoven, Mendelssohn und Brahms. Ein weiteres Anliegen Kirill Petrenkos sind zu Unrecht vergessene Komponisten wie Josef Suk oder Erich Wolfgang Korngold. In Opernaufführungen mit den Berliner Philharmonikern haben zuletzt Richard Strauss’ Die Frau ohne Schatten und Elektra für Aufmerksamkeit gesorgt.
Die Sopranistin Jacquelyn Wagner wurde in der Nähe von Detroit in eine Musikerfamilie hineingeboren und studierte an der Manhattan School of Music sowie an der Oakland University of Michigan. Die Gewinnerin zahlreicher Wettbewerbe (Internationaler Gesangwettbewerb Francesco Viña, Renata Tebaldi International Voice Competition) wurde in der Titelpartie von Detlev Glanerts Oceane an der Deutschen Oper Berlin gefeiert, ebenso bei ihrem Rollendebüt als Jenůfa an der Deutschen Oper am Rhein. Weitere wichtige Rollen der Sängerin sind Leonore (Fidelio), Violetta (La traviata) sowie die Titelpartien in Arabella und Norma.
Nach ihrem Studium an der Juilliard School in New York und am Opernstudio der Bayerischen Staatsoper in München feierte Golda Schultz international Triumphe, unter anderem als Gräfin (Le nozze di Figaro) an der Wiener Staatsoper, am Opernhaus Zürich und beim Glyndebourne Festival, außerdem als Sophie (Der Rosenkavalier) bei den Salzburger Festspielen und am Neuen Nationaltheater Tokio sowie als Adina (L’elisir d’amore) an der Metropolitan Opera in New York. Auf dem Konzertpodium arbeitete die südafrikanische Sopranistin mit Dirigenten wie Gustavo Dudamel, Zubin Mehta und Christian Thielemann zusammen.
Jasmin Delfs ist Ensemblemitglied der Semperoper Dresden. Sie studierte an der Musikhochschule Lübeck, war Mitglied im Studio der Bayerischen Staatsoper und absolvierte das Young Singers Project der Salzburger Festspiele, wo sie 2022 als Königin der Nacht (Die Zauberflöte) debütierte. In dieser Partie gab die Sopranistin auch an der Wiener und der Berliner Staatsoper ihren Einstand. Ein weiteres wichtiges Debüt gab sie 2024 als Blonde (Die Entführung aus dem Serail) an der Mailänder Scala. Bei den Berliner Philharmonikern war sie erstmals 2024 zu erleben, als Kirill Petrenko Schönbergs Die Jakobsleiter dirigierte.
Beth Taylor erhielt ihre Ausbildung am Royal Conservatoire of Scotland sowie an der Open University in Milton Keynes. Die Gewinnerin des Gianni Bergamo Classical Music Award 2018 und Finalistin des BBC Cardiff Singer of the World-Wettbewerbs 2023 besuchte Meisterkurse bei Sarah Connolly, Susan Graham, Thomas Allen und Emma Kirkby. Engagements führten die junge schottische Mezzosopranistin, die im Mai 2025 ihr Debüt in der Carnegie Hall gab, unter anderem zum Glyndebourne Festival und nach Aix-en-Provence sowie an die Deutsche Oper Berlin, die Opéra de Lyon und an das Brüsseler Opernhaus La Monnaie.
Die britisch-singapurische Mezzosopranistin Fleur Barron studierte Gesang an der Manhattan School of Music und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Columbia University. Im vergangenen August debütierte sie bei den Salzburger Festspielen in Mahlers Das Lied von der Erde, dirigiert von Esa-Pekka Salonen; im März wird sie unter Leitung von Gustavo Dudamel erstmals beim New York Philharmonic gastieren. Eine enge Zusammenarbeit verbindet Fleur Barron mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das sie Anfang des Jahres mit Daniel Harding auf einer Konzertreise begleitete.
Benjamin Bruns studierte an der Hamburger Musikhochschule und war anschließend Ensemblemitglied am Theater Bremen, an der Oper in Köln, an der Semperoper in Dresden und der Wiener Staatsoper. Er wurde in den großen Tenorpartien bekannt, darunter Tamino (Die Zauberflöte), Don Ottavio (Don Giovanni), Siegmund (Die Walküre) und Florestan (Fidelio). Dabei tritt er etwa an der Deutschen Oper Berlin, der Mailänder Scala, der Hamburgischen Staatsoper und der Bayerischen Staatsoper auf. An letzterem Haus arbeitete er 2016 erstmals mit Kirill Petrenko zusammen, als er David in Die Meistersinger von Nürnberg sang.
Gihoon Kim studierte in Seoul sowie in Hannover, wo er an der Staatsoper Mitglied des Jungen Ensembles war. 2021 erlangte der Bariton als Gewinner des BBC Cardiff Singer of the World-Wettbewerbs weltweite Aufmerksamkeit. In der vergangenen Spielzeit gab Kim als Schaunard in La Bohème seinen Einstand an der Metropolitan Opera in New York und debütierte als Posa in Don Carlo am Königlichen Theater in Kopenhagen – eine Partie, die er anschließend auch an der Deutschen Oper Berlin sang. Bei den Osterfestspielen in Salzburg wird er unter der Leitung von Kirill Petrenko als Donner in Das Rheingold auftreten.
Der chinesische Bassbariton Le Bu studierte an der Manhattan School of Music und gewann erste Preise beim Laffont-Wettbewerb der Metropolitan Opera in New York (2022) sowie beim Operalia-Wettbewerb (2024). Vor allem an der »Met« ist er regelmäßig zu erleben. In dieser Saison debütiert er als Figaro (Le nozze di Figaro) an der Washington National Opera und als Gunter (Götterdämmerung) an der Atlanta Opera, außerdem stehen erste Gastspiele am Royal Opera House in London und an der Pariser Opéra an. Unter der Leitung von Kirill Petrenko wird er bei den Osterfestspielen in Salzburg als Fasolt (Das Rheingold) auftreten.
Der 1925 gegründete und seit 2015/16 von Gijs Leenaars geleitete Rundfunkchor Berlin zählt zu den herausragenden Chören des internationalen Konzertlebens. Sein breit gefächertes Repertoire, ein flexibles, nuanciertes Klangbild, Präzision und eindrucksvolle Expressivität machen das Ensemble zum Partner bedeutender Orchester. Mit den Berliner Philharmonikern besteht seit Anfang der 1990er-Jahre eine Partnerschaft. Auch unter Chefdirigent Kirill Petrenko wird die Zusammenarbeit fortgesetzt, sowohl in Oratorien Felix Mendelssohns Elias wie auch konzertanten Opernaufführungen wie zuletzt Puccinis Madama Butterfly.
Als eines der führenden österreichischen Vokalensembles hat der Bachchor Salzburg in den vergangenen Jahren internationales Ansehen erworben. Bei den Salzburger Festspielen wie bei der Salzburger Mozartwoche ist er in Konzerten und szenischen Produktionen zu Gast. Dank seiner stilistischen Flexibilität kann sich der Bachchor Salzburg einem vielfältigen Repertoire widmen, das von der Vokalpolyfonie der Renaissance bis zur Musik des 21. Jahrhunderts reicht. Eine kontinuierliche Zusammenarbeit verbindet den Chor mit Ivor Bolton, Leopold Hager, Andrés Orozco-Estrada, Adam Fischer und Ingo Metzmacher.
Der Staats- und Domchor Berlin wurde 1465 gegründet und erlebte im 19. Jahrhundert unter Direktoren wie Felix Mendelssohn und Otto Nicolai eine erste Blütezeit. Derzeit gehören zum Ensemble über 250 Knaben und junge Männer, die verschiedene stimmliche und musikalische Ausbildungsstufen durchlaufen – mit einem Repertoire, das geistliche und weltliche Vokalwerke von der Renaissance bis zur Gegenwart umfasst. Der Chor unternimmt Konzertreisen durch Europa, nach Japan, Israel und in die USA und tritt regelmäßig mit dem Rundfunkchor Berlin, dem Deutschen Symphonie- Orchester Berlin und den Berliner Philharmonikern auf.
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