Entstehungszeit: 1938
Uraufführung: 16. April 1939 in Brno durch das Tschechoslowakische Radio-Sinfonieorchester unter der Leitung von Břetislav Bakala
Dauer: 16 Minuten
Bei den Berliner Philharmonikern:
erstmals am 4. Juni 2026, Dirigent: Jakub Hrůša
Nach dem großen Erfolg ihrer Military Sinfonietta, die sie beim Fest der Internationalen Gesellschaft für zeitgenössische Musik 1937 in London selbst dirigierte, bat ihr Verlag, die Universal Edition, Vítězslava Kaprálová um ein weiteres Orchesterwerk. Innerhalb von nur neun Tagen vollendete die tschechische Komponistin und Dirigentin die dreisätzige Suita rustica, bei der zweifellos Igor Strawinskys Petruschka Modell gestanden hat. Kaprálová hatte das Werk Strawinskys bereits als Studentin in Brünn kennengelernt und die Partitur später in Prag intensiv studiert.
Die Suita rustica basiert auf Melodien und Rhythmen von sechs Volksliedern und Tänzen aus Kaprálovás Heimat. Sind das im ersten Satz traditionelle Weisen aus Mähren und der Slowakei, so erscheint der zweite Satz mit einem markanten Furiant – eine Tanzform, die auch Antonín Dvořák häufig in seinen Slawischen Tänzen verwendete – wie eine Verbeugung vor ihrem großen Landsmann. Der dritte und letzte Satz wiederum zeigt die Nähe zu Strawinsky am deutlichsten und gipfelt in einer vierstimmigen Fuge, die ebenso wie die oft »schrägen« Harmonien zeigt, dass Kaprálová in diesem Werk durchaus humorvoll mit Klischees zu spielen wusste.