Von: Tobias Bleek

Richard Strauss »Der Rosenkavalier«: Orchestersuite zusammengestellt von Franz Welser-Möst

Entstehungszeit: 1909-1910
Uraufführung: 26. Januar 1911 im Königlichen Opernhaus Dresden unter der Leitung von Ernst von Schuch
Dauer: 42 Minuten

  1. Stürmisch bewegt (aus dem 1. Akt)
  2. Sehr lebhaft (aus dem 2. Akt)
  3. So schnell als möglich (aus dem 3. Akt)

Bei den Berliner Philharmonikern:
erstmals in Auszügen am 13. März 1917 unter der Leitung des Komponisten

Mitte Februar 1909 erhielt Richard Strauss eine Nachricht von Hugo von Hofmannsthal, die ihn in einige Erregung versetzte: »Ich habe hier in drei ruhigen Nachmittagen ein komplettes, ganz frisches Szenar einer Spieloper gemacht, mit drastischer Komik in den Gestalten und Situationen, bunter und fast pantomimisch durchsichtiger Handlung, Gelegenheit für Lyrik, Scherz, Humor.« Als Strauss einige Wochen danach die ersten Szenen jener Komödie erhielt, die nach einigem Hin und Her den Titel Der Rosenkavalier tragen sollte, schlug die Erregung in Begeisterung um: »Meine Arbeit fließt wie die Loisach, ich komponiere alles mit Haut und Haar.«

Knapp zwei Jahre später fand am 26. Januar 1911 in Dresden die mit Spannung erwartete Uraufführung statt. Bereits am Premierenabend gab es 21 Vorhänge. Der Publikumsansturm war so groß, dass bei den folgenden Aufführungen jeweils Hunderte zurückgewiesen werden mussten. Aus Berlin brachte man opernbesessene Hauptstädterinnen und Hauptstädter in Sonderzügen nach Dresden. Und Hofmannsthal konnte stolz berichten: »Es ist für mich und für Strauss weitaus der größte Erfolg, den wir je gehabt hatten.«

Für den durchschlagenden Erfolg des Rosenkavaliers gibt es vielfältige Gründe. Auf der Ebene der Handlung enthielt das Stück alles, was für eine gute Komödie notwendig ist: Humor und Erotik, Maskerade und Enthüllung, eine dramatische Entwicklung mit überraschenden Wendungen und zumindest vordergründig ein Happy End. Zugleich war es gelungen, auf virtuose Weise, Kunst und Unterhaltung, Eingängigkeit und Modernität miteinander zu verbinden. Letztere lag dabei im Gegensatz zu Strauss’ vorherigen Opern Salome und Elektra, die Teile des Publikums schockiert hatten, weniger auf der Ebene des musikalischen Materials als auf dem Umgang damit. Sowohl die Musik als auch der Text des Rosenkavaliers sind nicht nur äußerst kunstvoll gestaltet, sondern zugleich auch hochgradig selbstreflexiv. Spielerisch und ironisch nehmen sie auf die Gattungsgeschichte Bezug – von Molières Komödien bis zu Wagners Meistersingern, von Mozarts Figaro bis zu Verdis Falstaff. Zugleich ist die Musik so fasslich und süffig, dass man über die moderne Gebrochenheit auch hinweghören kann. Schließlich traf das Werk am Vorabend des Ersten Weltkriegs auch historisch einen Nerv der Zeit. Der spezifische »Wiener Ton«, der sich insbesondere in zahlreichen Walzeranklängen artikuliert, und der Entwurf einer halb realistischen, halb fiktiven Welt entsprachen dem in Teilen des Bürgertums weit verbreiteten Lebensgefühl der Melancholie und luden zugleich dazu ein, sich aus der Realität wegzuträumen.

Die von Franz Welser-Möst zusammengestellte Rosenkavalier-Suite präsentiert zentrale Stationen der Oper in kondensierter Form. Der erste Teil führt in das Schlafzimmer der Marschallin, beginnt mit dem Ende der leidenschaftlichen Liebesnacht und schließt mit den melancholischen Reflexionen der schönen Hausherrin. Im zweiten Teil werden zwei der berühmtesten Passagen der Oper gegenübergestellt: Die Überreichung einer künstlichen silbernen Rose, bei der sich der als Rosenkavalier fungierende Octavian und die Bürgerstochter Sophie zu silberhellen Klängen ineinander verlieben, und das vulgäre Liebeslied des Barons Ochs auf Lerchenau, begleitet von dem parodistischen Walzer »Ohne mich, ohne mich jeder Tag dir so bang«. Der dritte Teil schließlich kombiniert die satirische, pantomimische Maskeradenszene zu Beginn des dritten Aufzugs mit der berühmten, zwischen Melancholie, Ekstase und subtiler Komik schwankenden Schlussszene.