Von: Anna Vogt

Ludwig van Beethoven »Coriolan«-Ouvertüre c-Moll op. 62

Entstehungszeit: 1807
Uraufführung: März 1807 im Palais Lobkowitz in Wien
Dauer: 8 Minuten

  1. Allegro con brio

Bei den Berliner Philharmonikern:
erstmals am 27. November 1882, Dirigent: Ludwig von Brenner

Gekränkte Ehre, Verrat und Versöhnung: Das Trauerspiel Coriolan des Schriftstellers Heinrich Joseph von Collin bringt die ganz großen Emotionen auf die Bühne. Namensgeber für das Werk war der römische Patrizier Coriolanus. Wegen seiner despotischen Art aus Rom verbannt, will er sich rächen und verbündet sich mit den Erzfeinden seiner Heimat. Rom wird angegriffen und scheint dem Untergang geweiht. Erst das Flehen seiner Mutter und seiner Frau kann Coriolan milde stimmen. So kann Rom gerettet werden, doch Coriolan sieht für sich als Ausweg nur den Freitod.

Ludwig van Beethoven machte 1807 in seiner Ouvertüre die emotionale Zerrissenheit des Titelhelden zum Thema. Drei prägnante, lang gehaltene Klänge der Streicher eröffnen das Werk mit Nachdruck, bauen gleich eine große harmonische Spannung auf, gefolgt von einem unruhig umherirrenden Motiv, das sich in einen dramatischen ersten Ausbruch des Orchesters ergießt. Ein sangliches zweites Thema bildet dazu einen atmosphärischen Gegenpart. So changiert die Musik, in der Miniaturform der Ouvertüre, zwischen aufbrausender Expressivität und inniger Zärtlichkeit – als Spiegelbild von Coriolans innerem Konflikt zwischen blinder Rachelust und der Liebe zu seiner Familie.