Uraufführung: Originalfassung am 25. Mai 1910 in einem Konzert der Société musicale indépendante in Paris mit Claude Debussy am Klavier; Orchesterfassung am 6. Mai 2007 in der Bridgewater Hall, Manchester, durch das Hallé Orchestra unter der Leitung von Mark Elder
Dauer: 6 Minuten
Bei den Berliner Philharmonikern:
erstmals in diesen Konzerten
Tod und Auferstehung im Wasser: Wie ein Monument für die ertrunkene Ophelia wirkt Claude Debussys La Cathédrale engloutie (Die versunkene Kathedrale). Mit den Ariettes oubliées legte Brett Dean Orchesterfassungen von Werken Debussys vor. Für das heutige Programm wählte er aber eine Bearbeitung des Briten Colin Matthews, der Debussys sämtliche 24 Préludes für Klavier orchestrierte. La Cathédrale engloutie beschwört eine alte bretonische Legende herauf: Der Teufel hat die reiche Stadt Ys im Meer versinken lassen. Doch an manchen Tagen taucht die Kathedrale der Stadt unter Glockengeläut und Orgelmusik aus den Fluten auf. In seiner impressionistischen Miniatur lässt sich Debussy die farbenprächtigen Glockenschläge ebenso wenig wie die wellenumspülten, geisterhaften Orgelklänge entgehen. Mit archaischer Harmonik und dunklen Pedaltönen entsteht eine suggestive mittelalterliche Szenerie.
Colin Matthews setzt Farbakzente mit Harfen, Celesta, Röhrenglocken, Gongs und Tamtam sowie geteilten Streichern. Der feierliche Höhepunkt, wenn sich die Kathedrale zu choralartigem Gesang aus dem Nebel herauslöst, um dann im glitzernden und murmelnden Wasser zu versinken, ist von magischer Wirkung.