Cathy Milliken »why feather yellow«, Konzert für Englischhorn und Orchester

Uraufführung: 17. September 2026 durch die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Sir Simon Rattle
Dauer: 15 Minuten

Cathy Milliken hat zu den Berliner Philharmonikern eine enge Beziehung, schließlich leitete sie von 2005 bis 2012 das Education-Programm des Orchesters. Und die vielseitige Komponistin, Musikerin und Pädagogin aus dem australischen Brisbane mit Wahlheimat Berlin hat eine ebenso innige Bindung an das Instrument, für das sie nun ein Konzert als Auftragswerk schrieb. Cathy Milliken ist Oboistin und hat unter anderem bei dem legendären Heinz Holliger studiert. Als langjähriges Mitglied des Ensemble Modern spielte sie dort Oboe ebenso wie Englischhorn. Dominik Wollenweber, den Englischhornisten der Berliner Philharmoniker, schätzt Cathy Milliken als »einen der wunderbarsten und renommiertesten Englischhornisten der Gegenwart«. Das neue Werk entstand im engen kollegialen Austausch. Auch technische Fragen wurden dabei angesprochen: »Zum Beispiel fragte sie mich, was für Multiphonics – also durch spezielle Griffe erzeugte Mehrfachklänge – auf meinem Instrument möglich sind. Das ist nämlich bei jeder Instrumentenmarke unterschiedlich«, erzählt Dominik Wollenweber.

Den poetisch-verrätselten Titel why feather yellow wollte Cathy Milliken bewusst assoziativ offen halten. Die »federleichte« Tongebung des armenischen Duduk, das wie Oboe und Englischhorn zu den Doppelrohrblattinstrumenten gehört, inspirierte sie, weil sie so »archaisch, weich und zwischentonal« sei.

Cathy Millikens Konzert beleuchtet »die Rolle des Englischhorns entlang eines Kontinuums von Solo und Kollektiv, von Alleinsein und Zusammensein.« Aus dem leisen, geheimnisvollen unisono-Anfang des Orchesters löst sich das Solo, erobert sich suchend und repetitiv einen Raum, der sich in kleinsten Klangschritten immer weiter aufspreizt. Die Harmonik entwickelt sich aus der Spannung der Intervalle. Arabische maqām-Tonleitern und die sich aus Obertonreihen ableitende Spektralharmonik bereichern sie mit feinen Modifikationen.

Der Mittelteil des Konzerts erkundet die tieferen Lagen des Englischhorns mit Tremoli und Trillern, das Kontrafagott ist sein Dialogpartner im Schweben zwischen Licht und Dunkel. Cathy Milliken fasziniert der – wie sie es nennt – »schilfige« Klang des Englischhorns, der auch in andere Instrumentengruppen wandert: »Die Schlagzeuger spielen mit Stäben aus Bambus. Aus diesen schneidet man das Rohrblatt für Oboe und Englischhorn«, erklärt sie. Im dritten Teil ist dann eine größere Beweglichkeit, ja Spritzigkeit mit schnellen Läufen und Girlanden gefordert.

Während der Arbeit an why feather yellow las die Komponistin Rebecca Solnits Buch No Straight Road Takes You There – Essays for Uneven Terrain, eine Würdigung von Unvorhersehbarkeit und Langsamkeit in politischen und ökologischen Prozessen. »Die Lektüre dieser Essays«, sagt Milliken, »erinnerte mich an das Ungewisse und die Unsicherheit in diesen Zeiten, an den empfundenen Verlust des Gleichgewichts. Übertragen auf den Kompositionsprozess gab es oft das Gefühl, an einer Weggabelung zu stehen.« So versteht sich ihr Stück als »eine Mischung aus Klängen oder mikrotonalen Klangfarben und Texturen, die sich langsam innerhalb eines Kontinuums verändern, anstatt perspektivische Gegenüberstellungen zu schaffen.«