Von: Kerstin Schüssler-Bach

Brett Dean »Conversations with Schumann«

Entstehungszeit: 2026
Dauer: 15 Minuten

  1. Prophet Birds a-prophesying
  2. Body Language (Pas de deux)
  3. Wild child, mild child
  4. Interlude
  5. Herzeleid

Als ehemaliges Mitglied der Berliner Philharmoniker und aktiver Bratscher beschäftigt sich Brett Dean immer wieder auch kompositorisch mit Musik des vorhandenen Repertoires. Robert und Clara Schumann gehören dabei zu seinem kreativen Orbit. In sein Ensemblestück Recollections lässt er eine Romanze von Clara Schumann wie eine Intarsienarbeit ein, und das Violinkonzert The Lost Art of Letter Writing spielt mit Zitaten von Johannes Brahms und vom Ehepaar Schumann.

Sein neues Werk Conversations with Schumann geht von Robert Schumanns selbst erschaffenen Identitäten Florestan und Eusebius aus, die seine bipolare psychische Verfassung ausdrückten. Wie er selbst an Clara schrieb: »Florestan den Wilden, / Eusebius den Milden, / Tränen und Flammen / Nimm sie zusammen / In mir beide / Den Schmerz und die Freude.« Der »Wilde« und der »Milde« tauchen in Deans drittem Satz »Wild child, mild child« auf, der Motive aus Schumanns Fantasiestücken op. 12 und den Davidsbündlertänzen op. 6 verarbeitet. Schumanns »Vogel als Prophet« aus den Waldszenen op. 82 lässt sich im ersten Satz hören, immer eingebettet in Deans eigensprachlichen Kommentar. Eine sphärische Brücke schlägt der zweite Satz, der dem Choreografen Jiří Kylián gewidmet ist. Der letzte Satz ist eine klangsensible Transkription aus Schumanns späten, kargen Sechs Gesängen op. 107: Das Schicksal Ophelias, der sich singend ertränkenden Geliebten Hamlets, nimmt in düsterer Vorahnung Schumanns Selbstmordversuch im Rhein vorweg.