Jesper Busk Sørensen

Wenn ich nicht Musiker wäre …

Jesper Busk Sørensen im Museum für Architekturzeichnung der Tchoban Foundation.
(Foto: Tobias Kruse/Ostkreuz)

In dieser Rubrik stellen wir Berliner Philharmoniker und ihre außermusikalischen Leidenschaften vor. Heute: Posaunist Jesper Busk Sørensen, der ein gutes Auge für Details hat.

»In meinem zweiten Leben möchte ich Gärtner sein«, pflegte Arne Jacobsen zu sagen, bevor er sich in den Garten seines Reihenhauses in Søholm zurückzog. Ein Glück, dass der dänische Designer und Architekt diesen Wunsch nicht bereits in seinem ersten Leben verwirklichte.

Das findet auch Jacobsens Landsmann Jesper Busk Sørensen, seit 2009 Posaunist der Berliner Philharmoniker. »Als Däne bin ich mit der Architektur von Arne Jacobsen aufgewachsen«, sagt der 41-Jährige, »sie gehört gewissermaßen zum dänischen Kulturerbe.« Seitdem er denken kann, ist Jesper Busk Sørensen von der Baukunst fasziniert. Als Kind hat er viel Zeit in der alten Molkerei seiner Großmutter auf dem Land verbracht. Dieser historische Backsteinbau hat seine Fantasie angeregt und seine Liebe für alte Baustoffe geweckt.

Architektur ist für Jesper Busk Sørensen eine sinnliche Angelegenheit: die Inspiration wird zur Idee, wandert in die Hände des Architekten, der Pläne zeichnet, aus denen schließlich ein Gebäude entsteht. »Das ist eine Parallele zur Musik«, sagt der Posaunist, »denn wir Musiker spielen unsere Instrumente schließlich ebenfalls mit unseren Körpern.«

In seiner Freizeit studiert Jesper Busk Sørensen gerne Architekturpläne, besucht Ausstellungen und besichtigt Gebäude. Manchmal geht er sogar in ein Museum, nur um das Bauwerk zu erkunden.

Ob er einen Lieblingsarchitekten hat? Jesper Busk Sørensen denkt kurz nach. Jørn Oberg Utzon, von dem der kühne Entwurf des Opernhauses in Sydney stammt, fasziniere ihn beispielsweise sehr. Und aus der jüngeren Generation nennt er den dänischen Architekten und Möbeldesigner Sigurd Larsen, der in Berlin lebt und arbeitet. Doch im Grunde kann er sich für fast alles begeistern, was mit Leidenschaft und Qualität betrieben wird. Auch dem viel geschmähten Brutalismus in der Architektur kann er etwas abgewinnen, da das Bauen mit »béton brut« nicht mit einer schönen Verkleidung kokettiert, sondern zu dem steht, was es ist: Sichtbeton.

Wäre die Architektur jemals eine berufliche Alternative zur Musik gewesen? Er habe davon manchmal geträumt, gesteht Jesper Busk Sørensen, doch für ein Architekturstudium sei seine Liebe zur Mathematik nicht ausgeprägt genug gewesen. »Gute Architekten müssen gut rechnen können«, kommentiert er lächelnd.

Eine Sache sei ihm wichtig, betont er am Ende unserer Unterhaltung in der Kantine der Philharmonie. »Architekten haben eine große Verantwortung. Denn gute Architektur ist besser für die Umwelt. Sie hält einfach viel länger.«

Als wir aufstehen, fällt uns beiden auf, dass wir die ganze Zeit auf Stühlen saßen, deren legendärer Entwurf von Arne Jacobsen stammt. »Das liebe ich an der Philharmonie«, sagt Jesper Busk Sørensen mit leuchtenden Augen: »Das Gebäude ist eine Ikone der modernen Architektur, der Saal hat eine einzigartige Akustik und gehört zu den besten Konzertsälen der Welt – und in der Kantine stehen die Stühle eines großen Designers.«

Oliver Hilmes

Aus der aktuellen Ausgabe von Phil – Das Magazin der Berliner Philharmoniker.
 


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