Ein älterer Mann mit hellem Haar und neutralem Gesichtsausdruck, der ein zugeknöpftes Hemd trägt, steht vor einem unscharfen Innen- oder Außenhintergrund. Das Bild ist in schwarz-weiß gehalten.
Ulrich Eckhardt | Bild: Bernd Krüger

Die Berliner Philharmoniker trauern um Ulrich Eckhardt, der am 30. Dezember 2025 91-jährig in Berlin starb. Der Jurist, Musiker und Kulturmanager war 1989/90 Intendant der Berliner Philharmoniker. In seiner kurzen Amtszeit begleitete er die Berufung Claudio Abbados zum Chefdirigenten und setzte weitreichende Neuerungen durch. 

Geboren im westfälischen Rheine und aufgewachsen in Freiburg, studierte Ulrich Eckhardt zunächst Rechtswissenschaften. Bereits im Alter von 26 Jahren wurde er promoviert und begann zugleich eine profunde musikalische Ausbildung. In Freiburg trat er in die Klavierklasse des berühmten Pianisten Carl Seemann ein, in Berlin studierte er Dirigieren bei Herbert Ahlendorf. Praktische Erfahrung sammelte er an den Städtischen Bühnen in Münster, wo er eine Zeit lang als Korrepetitor und Kapellmeister wirkte. Nach weiteren Stationen an der Universität Münster und am Bundesverwaltungsgericht in Berlin wechselte Ulrich Eckhardt 1968 als Kulturreferent in das Bonner Rathaus. Im Januar 1973 wurde er schließlich an die Spitze der Berliner Festspiele berufen. Damit begann eine einzigartige Erfolgsgeschichte, die bis zu seiner Pensionierung 28 Jahre andauerte. Die Festspiele unter Ulrich Eckhardts Leitung schenkten der Stadt unzählige künstlerische Highlights, ermöglichten ein interdisziplinäres Nachdenken über Neues und Ungewohntes und verliehen ihr intellektuellen Glanz. 

Den Berliner Philharmonikern fühlte sich Ulrich Eckhardt seit Herbert von Karajans Zeiten eng verbunden. In den Wendejahren 1989/90 hat er neben seiner Tätigkeit bei den Festspielen als Interimsintendant der Berliner Philharmoniker die Berufung Claudio Abbados zum Chefdirigenten begleitet und gemeinsam mit ihm weitreichende Neuerungen vorgenommen. Innerhalb weniger Monate entwickelten Abbado und Eckhardt genreübergreifende Zyklen und es entstanden die großen interdisziplinären Projekte: »Prometheus« (1991), »Hölderlin« (1992), und »Antike« (1993). Eckhardts Idee, dass sich Musik, Literatur und bildende Kunst gegenseitig befruchten sollten, war für die frühen 1990er-Jahre neu und setzte Maßstäbe. Sachlich und frei von Dünkel, neugierig und sensibel, höflich und zuvorkommend sowie zupackend und durchsetzungsstark, modernisierte Eckhardt während seiner kurzen Intendanz die Verwaltung der Berliner Philharmoniker. 

Auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2000 blieb die Musik Ulrich Eckhardts große Leidenschaft. Die große Schuke-Orgel der Philharmonie Berlin lag ihm besonders am Herzen. 2008 überzeugte er die damalige Intendantin der Berliner Philharmoniker Pamela Rosenberg von seiner Idee, an vier Sonntagen pro Saison Orgelmatineen zu veranstalten. Die von ihm kuratierte Orgelreihe entwickelte sich schnell vom Geheimtipp zu einem großen Erfolg. Ulrich Eckhardt sorgte auch dafür, dass notwendige Reparaturen und Modernisierungen an dem Instrument vorgenommen wurden. Dass die Philharmonie Berlin heute eine der bedeutendsten Konzertsaalorgeln Europas besitzt, ist ganz wesentlich Ulrich Eckhardt zu verdanken. 

Mit Ulrich Eckhardt stirbt nicht nur ein einflussreicher Kulturmanager, sondern ein Impresario der alten Schule und ein feiner Mensch. »Er hat unsere Träume realisiert«, schrieb Claus Peymann anlässlich von Eckhardts Abschied im Jahr 2000. »Sein Geheimnis: Er geht freundlich auf Menschen zu, und er achtet die Künstler, weil er sie liebt.«