Hoffnung für alle

Olivier Messiaens Et exspecto resurrectionem mortuorum

(Foto: Terry Linke)

Zubin Mehta widmet sich in seinem nächsten Konzert mit den Berliner Philharmonikern einem Komponisten, der ihm sehr am Herzen liegt: Olivier Messiaen, dessen Et exspecto resurrectionem mortuorum er dirigiert. Dieses Werk für Blasorchester und metallenes Schlagzeug, das zusammen mit Bruckners Neunter am 17. April in der Digital Concert Hall erklingt, besticht nicht nur durch seine ungewöhnliche Besetzung…

Der Zweite Weltkrieg lag bereits 20 Jahre zurück. Doch für diejenigen, die ihn erlebt hatten, war er nach wie vor präsent – in den Köpfen, den Herzen, den Seelen. Viele trauerten noch um geliebte Menschen, die sie damals verloren hatten. Diesen und auch den Opfern des Ersten Weltkriegs wollte der französische Kulturminister André Malraux zum 20. Jahrestag des Kriegsendes ein musikalisches Denkmal setzen und er beauftragte Olivier Messiaen mit der Komposition eines Requiems, das an die Schrecken und die Toten beider Weltkriege erinnern sollte. Als Messiaen 1964 diesen Auftrag erhielt, zählte er zu den führenden Komponisten und Organisten seiner Zeit. Sein Stil war seiner eigenen Aussage nach durch drei Aspekte bestimmt: seinem großes Interesse an der Religion, dem Orgelspiel und dem Gesang der Vögel. Alle drei Faktoren prägen auch das Auftragswerk, bei dem Messiaen nicht daran dachte, einen Klagegesang anzustimmen. Vielmehr lag ihm daran, Hoffnung zu verbreiten – Hoffnung auf die Auferstehung und die Überwindung des Todes. Daher auch der Titel Et exspecto resurrectionem mortuorum (und ich erwarte die Auferstehung der Toten), der dem Credo der Messliturgie entstammt.

Live-Übertragung in der Digital Concert Hall

Erleben Sie das Konzert mit Zubin Mehta und den Berliner Philharmonikern live am 17. April 2021 um 19 Uhr in der Digital Concert Hall.

Zur Live-Übertragung

Rufe aus der Tiefe der Seele

Das Stück ist eine religiöse Botschaft. Das wird nicht nur durch den Titel, sondern auch durch die Bibelsprüche deutlich, die Messiaen jedem der fünf Sätze voranstellt. Den Anfang macht der Beginn des Psalms 130, der zum traditionellen Totengebet der katholischen Kirche gehört: »Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir«. Passend dazu stimmen die tiefen Blechbläser ein flehentliches Gebet an, das das ganze Leid und die Qual des Krieges klanglich widerspiegelt. Der zweite Satz beschwört eine pastorale Idylle. Oboe, Klarinette, Englisch Horn treten in einen Dialog und beschreiben die Einsamkeit, Stille und Schönheit der Natur. Im dritten Satz mit seinen düsteren, bedrohlichen Elementen und seinem immer wieder abreißenden musikalischen Fluss zitiert Messiaen den Ruf des Uirapuru, des Totenvogels aus dem Amazonas-Regenwald. Doch sein Gesang steht nicht für das Ende, sondern für den Beginn der Auferstehung, die im vierten Satz mit Tam-tams und Kuhglocken eingeleitet wird und in hymnischen Akkorden des Orchesters münden. Sie wirken, als ob ein Organist sämtliche Register seines Instruments gezogen hat. Schließlich kehrt Messiaen im fünften und letzten Satz zu der Gebetshaltung des Anfangs zurück. Gleichwohl ist – wie das Bibelzitat aus der Apokalypse belegt – die Botschaft eine andere: »Danach hörte ich im Himmel viele Stimmen wie von einer großen Menschenmenge.« Messiaen spannt somit den Bogen vom verzweifelten Gebet des Anfangs bis zum himmlischen Lobpreis Gottes.


Berliner Philharmoniker
Zubin Mehta

Olivier Messiaen
Et exspecto resurrectionem mortuorum für Blasorchester und metallenes Schlagzeug

Anton Bruckner
Symphonie Nr. 9 d-Moll

Mehr zum Programm

Mehr zum Thema entdecken