»Mein Beethoven«

Mitglieder der Berliner Philharmoniker über den Komponisten

An Ludwig van Beethoven kommt keine Musikerin und kein Musiker vorbei – und es entwickelt sich im Laufe der Zeit ein sehr persönlicher Blick auf ihn. Anlässlich des 250. Geburtstags des Komponisten und unserer Streaming-Reihe »Nahaufnahme Beethoven« haben wir Mitglieder der Berliner Philharmoniker gefragt, was sie an dem Komponisten lieben, welche Empfindungen seine Musik in ihnen auslöst, welche Herausforderungen Beethoven in seinen Werken für ihr jeweiliges Instrument bereit hält und über was sie sich gerne mit ihm unterhalten würden, wenn sie mit Beethoven bei einem Kaffee zusammensitzen könnten. Hier ihre Antworten!

Zur Streaming-Serie »Nahaufnahme Beethoven


Albrecht Mayer – Solooboist

»Lieber als Kaffee, würde ich mit Beethoven einen guten Weißwein trinken. Es ist ja bekannt, dass er gerne und viel Weißwein trank, mit gesundheitsschädlichem Bleizucker gesüßt, wie es damals leider üblich war. Dabei würde ich ihn fragen: ›Lieber Ludwig, warum hast Du Dein Oboenkonzert nicht fertig geschrieben, obwohl Du schon alle drei Satzanfänge skizziert hast?‹ Und dann würde ich ihn darum bitten, ob er es nicht für mich zu Ende komponieren könnte.«

Marlene Ito – 1. Stimmführerin der 2. Violinen

»Meine ersten Begegnungen mit Beethoven waren eigentlich am Klavier. Ich spielte natürlich erst mal wie alle Kinder Für Elise und dann später als Teenager die Pathétique und die Appassionata. Ich finde Beethovens Musik oftmals schwer verständlich – ähnlich der von Bartók und Prokofjew. Ich musste seine Werke öfters anhören und immer wieder spielen, bis sich mir die Schönheit seiner Musik erschloss. Aber ich realisierte dadurch, dass dieser Komponist ein Mensch war, der durch die Höhen und Tiefen des Lebens ging und seine Erfahrungen und Emotionen in seinen Werken ausdrückt. Vielleicht versteht man seine Musik besser, wenn man selbst die Freude und das Leid des Lebens erlebt hat?«

Peter Riegelbauer – Kontrabass

»Als Fünfjähriger hatte ich mit Beethovens Musik ein Schlüsselerlebnis: Meine Eltern nahmen mich mit in die Nürnberger Meistersingerhalle zu einer Aufführung der Neunten Symphonie und ich war tief beeindruckt. Ich habe mir dieses Werk jeden Tag auf Schallplatte angehört. Beethovens Musik hat mich inspiriert, Musiker zu werden und mich motiviert, zunächst Klavier, später dann Kontrabass zu lernen. Beethoven wurde für mich zum Inbegriff der klassischen Musik – nicht zuletzt auch deswegen, weil er so geniale Kontrabassstimmen in seinen Symphonien geschrieben hat, virtuos, nuancenreich und von einer großen dynamischen Bandbreite. Es macht einen Riesenspaß, sie zu spielen. Beim »Nahaufnahme«-Projekt haben wir mit dem Scharoun Ensemble das Septett aufgeführt, ein Stück, das mich mein Musikerleben lang begleitet und es gibt immer wieder Neues an ihm zu entdecken. Seine Musik wird nie langweilig. Hätte ich die Gelegenheit mit Beethoven Kaffee zu trinken, dann würde ich ihn zu seinen Metronomangaben befragen, zu seinen schnellen Tempi, die so eine Wahnsinnsenergie haben.«

Sarah Willis – Horn

»In Beethovens Kammermusik für Bläser ist die Stimme des zweiten Hornisten oft sehr virtuos. Das zweite Horn spielt eine Weile ganz gemütlich vor sich hin und muss dann plötzlich eine ganz schnelle Passage herausschmettern. Bei unserem »Nahaufnahme«-Projekt durfte ich diese Passagen spielen und ich hatte sehr viel Spaß dabei. Hätte ich heute die Möglichkeit Beethoven zu treffen, würde ich zu gerne mehr über die Hornisten erfahren, für die er diese Passagen geschrieben hat.«

Wolfgang Talirz – Bratsche

»Noch viel mehr, als mit dem Meister beim Kaffee zu plaudern, würde ich mir wünschen, ihn als (Klavier -) Improvisator hören zu können. Beethoven war zu seinen Lebzeiten dafür ebenso berühmt wie als Komponist – für die Nachwelt eigentlich unvorstellbar, wenn man daran denkt, wie langsam er komponiert und um die Werke gerungen hat. Aber bei dem berühmten Wettstreit mit Daniel Steidelt, bei dem Beethoven eine Cellostimme eines Klavierquintetts seines Kontrahenten einfach auf den Kopf stellte und dann darüber fantasierte, da wär ich schon gern dabei gewesen. Steidelt schwor übrigens danach, zu Beethovens Lebzeiten seinen Fuß nicht mehr nach Wien zu setzen – woran er sich gehalten hat.«

Dietmar Schwalke – Cello

»Beethoven ist einer meiner treuesten Weggefährten in schlechten wie in guten Tagen …In seiner Musik ist so viel Hoffnung, Trost und Bejahendes. Bevor ich mit zwölf Jahren begann Cello zu spielen, war mein Instrument das Klavier und mein Lieblingskomponist Beethoven. Es kostete meine Klavierlehrerin einige Überredungskunst, dass ich auch mal etwas anderes als eine Beethoven-Sonate oder ein Variationswerk erarbeitete. Wenige Jahre später nahm mich mein Vater mit in ein Konzert mit den Berliner Philharmonikern unter Herbert von Karajan. Auf dem Programm: die 5. Symphonie von Beethoven. Das war damals ein starker, aufwühlender Eindruck für mich, und ab der Zeit stand für mich fest, dass ich Cellist werden wollte. 2009 kam ich zum Philharmonia Quartett Berlin und sah meine Chance gekommen, alle späten Quartette ab op. 127 zu erarbeiten. Diese Facette fehlte bislang in meiner Beethoven-Welt. Mich freut besonders, dass ich meine Begeisterung für diesen wunderbaren Komponisten auch an meine Kinder und Enkel weitergeben konnte.«