»Ein Konzert, das Mozart aus dem Herzen spricht«

Der Pianist Francesco Piemontesi im Gespräch

Francesco Piemontesi
(Foto: Marco Borggreve)

Mit seiner kultivierten, feinsinnigen und farbenreichen Interpretationskunst spielte sich der Schweizer Pianist Francesco Piemontesi an die Weltspitze. Er gilt als herausragender Mozart-Interpret und als solcher gibt er nun sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern – zusammen mit dem Dirigenten Lahav Shani, Chefdirigent des Philharmonischen Orchesters Rotterdam und seit dieser Saison als Nachfolger von Zubin Mehta Musikdirektor des Israel Philharmonic Orchestra. In unserem Interview verrät Francesco Piemontesi, was ihn als Musiker inspiriert, was er an seinem Instrument liebt und was ihm dieses Debüt bedeutet.

Können Sie sich an das Ereignis oder den Moment erinnern, an dem Sie sich entschieden, professioneller Musiker zu werden?


Einen bestimmten Moment oder eine bewusste Entscheidung gab es nicht. Aber eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen ist ein Spaziergang mit meinen Eltern. Plötzlich begannen Kirchenglocken zu läuten und ich fing an zu weinen. Meine Eltern dachten, mich erschrecke der laute Ton und wollten mir die Ohren zuhalten. Aber das wollte ich garnicht, im Gegenteil, mich hat dieser Klang einfach erschüttert. Später habe ich am Klavier immer wieder versucht, Glockenklänge zu imitieren. Das Interesse, einem Klang nachzuspüren, treibt mich bis heute an. Deswegen bin ich Musiker geworden.

Und Sie haben sich das Klavier als Ihr Instrument ausgewählt. Was lieben Sie an ihm am meisten?

Auf keinem anderen Instrument kann ich als einzelner Mensch Musik so umfassend darstellen wie auf dem Klavier. Hinsichtlich seiner Ausdrucksmöglichkeiten kommt das Klavier dem Orchester schon sehr nahe. Auf ihm ist so viel möglich: eine große dynamische Bandbreite, verschiedene Klangfarben und ganz unterschiedliche Anschlagsarten, von fein und sensibel bis hart und brutal.

Woher nehmen sie die Inspirationen für ihre künstlerische Arbeit?
Ich höre sehr gerne historische Aufnahmen, auf denen die großen Komponisten selbst am Klavier sitzen: Brahms, Debussy, Bartók… Außerdem liebe ich die Einspielungen von Edwin Fischer, Wilhelm Kempff oder Alfred Cortot. An ihnen bewundere ich einen Musizierstil, bei dem man trotz Respekt für den Notentext eine große künstlerische Freiheit spürt.

Einer der großen Pianisten unserer Zeit wurde Ihr Mentor und Lehrer: Alfred Brendel. Was hat er Ihnen mitgegeben?
Wir haben uns menschlich und künstlerisch sofort verstanden. Er hat meinen Horizont enorm erweitert, und durch ihn lernte ich nochmal eine ganz andere Art des Hörens. Er ermunterte mich, auf dem Klavier orchestraler zu denken: »Stell Dir bei dieser Phrase vor, du wärest ein Cellist«, sagte er beispielsweise.

2015 debütierte Sie mit einem Klavierabend in den Veranstaltungen der Stiftung Berliner Philharmoniker, nun sind Sie erstmals als Solist beim Orchester zu Gast und interpretieren das letzte Klavierkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart. Worin liegt für Sie die Herausforderung des Stücks?
Es ist zwar das letzte Klavierkonzert Mozarts, aber man sollte daraus keinen Mythos machen. Ich denke nicht, dass Mozart beim Komponieren seinen Tod vorausgeahnt hat. Gleichwohl ist es ein nachdenkliches, melancholisches Stück, bei dem Mozart direkt aus dem Herzen zu sprechen scheint. Diese Idee möchte ich dem Publikum vermitteln. Das Stück muss sehr gesanglich, intim und transparent gestaltet werden.

Worauf freuen Sie sich bei Ihrem Debüt mit den Berliner Philharmonikern am meisten?
Ich kenne und liebe die Aufnahmen der Berliner Philharmoniker seit meiner Kindheit. Nun selbst mit diesem Orchester aufzutreten, ist natürlich etwas sehr Besonderes. Ich habe hier die besten Bedingungen für die Interpretation des Mozart-Konzerts. Und ich bin sehr dankbar und freue mich, in diesen schwierigen Zeiten überhaupt wieder konzertieren zu dürfen.

Der Dirigent Lahav Shani debütiert zusammen mit Francesco Piemontesi bei den Berliner Philharmonikern
(Foto: Marco Borggreve)