Mittler zwischen Ost und West

Zur Uraufführung von Toshio Hosokawas Oktett »Texture«

(Foto: KazIshikawa)

Seine erste musikalische Liebe galt Mozart, Beethoven und Schubert. Toshio Hosokawa, 1955 in Hiroshima geboren, erhielt mit vier Jahren seinen ersten Klavierunterricht und begeisterte sich sogleich für die europäische Musik. Die traditionellen japanischen Klänge, die seine Mutter auf der Koto, einer 13-saitigen Zither, spielte, mochte er dagegen nicht. »Ich fand sie langweilig«, erzählt er in einem Interview in der Digital Concert Hall. Das änderte sich jedoch als er Mitte der 1970er-Jahre nach Berlin kam, wo er bei  Isang Yun Komposition studierte. »Da merkte ich zum ersten Mal, dass ich Japaner bin«, erinnert er sich. Fern der Heimat entdeckte er die Schönheit und die Spiritualität der asiatischen Musik. Während seiner Studienzeit setzte er sich nicht nur mit fernöstlicher Volksmusik auseinander, sondern auch mit der europäischen Avantgarde und entwickelte daraus seine eigene, unverwechselbare Tonsprache – klangsinnlich, energetisch, oszillierend. Heute versteht er sich als Mittler zwischen östlicher und westlicher Musik.

Verbunden mit der Natur und dem Kosmos

Sein internationaler Durchbruch als Komponist gelang ihm 2001 mit Voiceless Voice in Hiroshima, jenem Requiem, in dem er dem Trauma des Atombombenabwurfs über seiner Heimatstadt eine musikalische Stimme gab. Seither schreibt er Werke aller Gattungen für viele internationale Klangkörper, Opernhäuser und Ensembles. Für die Berliner Philharmoniker und ihren Solohornisten Stefan Dohr komponierte er sein Konzert für Horn und Orchester »Moment of Blossoming«, das 2011 unter der Leitung von Sir Simon Rattle uraufgeführt wurde und das Aufblühen einer Lotusblume schildert. Werden, Wachsen, Vergehen, die Gesetzmäßigkeiten des Kosmos und der Natur sind Themen, die Toshio Hosokawa inspirieren. »Ich habe meist eine sehr konkrete Idee oder Geschichte. Ohne diese könnte ich nicht komponieren«, meint er. Sein neuestes Werk hat er für das Philharmonische Oktett geschrieben: In Texture , einem Auftragswerk der Stiftung Berliner Philharmoniker und der Japan Arts Cooperation, geht es um Gegensätze wie männlich/weiblich, hoch/tief, hell/dunkel und um die Idee des Yin und Yang. Dazu stellt Hosokawa ein Streichquartett und ein Quartett aus Klarinette, Fagott, Horn und Kontrabass einander gegenüber. Die Uraufführung, die eigentlich am 18. Mai im Rahmen der Serie Philharmonische Kammermusik hätte stattfinden sollen, wird jetzt am 6. Juni exklusiv im Rahmen der Berlin Phil Series in der Digital Concert Hall ausgestrahlt, zusammen mit den Oktetten von Hugo Kaun und Franz Schubert. Noch ein Tipp: Im Anschluss an das Konzert am Samstag findet auf Facebook eine Live Lounge mit Musikern des Oktetts statt.

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