Fantastische Vier

Kammermusik mit dem Quatuor Diotima, vision string quartet, Tetzlaff Quartett und dem Philharmonischen Klavierquartett Berlin

Quatuor Diotima
(Foto: François Rousseau)

Das Streichquartett ist die Königsdisziplin der Kammermusik. Es gilt, mit vier Instrumenten – in der Regel zwei Violinen, Viola und Violoncello – einen klanglichen Kosmos zu schaffen, in dem alle Stimmen gleichberechtigt einen musikalischen Dialog führen. Die philharmonische Konzertreihe Quartett präsentiert in der Saison 2019/2020 vier Ensembles, die dank ihres innovativen, einzigartigen und unverwechselbaren Stils spannende Kammermusikabende garantieren.

Ungewöhnliche Programmzusammenstellung

Den Anfang macht das Quatuor Diotima, das seinen Namen von Schlüsselwerken der Literatur und der Musik ableitet: So nimmt er zum einen auf die unsterbliche Geliebte in Friedrich Hölderlins Roman Hyperion, zum anderen auf Luigi Nonos berühmtes Werk Fragmente-Stille, an Diotima Bezug. Beide Ebenen spiegeln sich in der Programmgestaltung des Ensembles wider, das die Kombination von zeitgenössischen Werken mit dem klassisch-romantischen Repertoire zu seinem Markenzeichen gemacht hat. Bei seinem Auftritt im Kammermusiksaal stellt das Quatuor Diotima, das 1996 von vier Absolventen des Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris gegründet wurde und das heute zu den führenden Streichquartetten gehört, György Ligetis Zweites Streichquartett dem einzigen Gattungsbeitrag von Claude Debussy sowie dem Ersten Streichquartett von Béla Bártok gegenüber. Das Werk des ungarischen Komponisten hat das Ensemble erst spät für sich entdeckt. »Das war ein großer Fehler«, meinte Bratscher Franck Chevalier. Ein Fehler, den das Quatuor Diotima mit seiner von der Presse hochgelobten Einspielung sämtlicher Streichquartette Bartóks längst wieder gut gemacht hat.

Junges Konzept

Das vision string quartet verfolgt ein neues Konzept des Streichquartettspiels – cool, lässig, grenzüberschreitend. Schon sein Auftreten bricht mit tradierten Konventionen. Denn die Streicher, die alle zwischen 1990 und 1994 geboren sind, spielen bis auf den Cellisten im Stehen und tragen die Werke auswendig vor. In ihren Programmen mischen sie Klassiker des Repertoires mit Zeitgenössischem sowie Jazz- und Poparrangements. »Wir haben uns von Anfang für Jazz, Rock und Pop begeistert und das beeinflusst auch unsere Interpretation von klassischen Werken«, sagt Bratscher Sander Stuart. Ein Konzept, das überzeugt. Nachdem das ungewöhnliche Ensemble 2016 den Ersten Preis beim Internationalen Musikwettbewerb in Genf gewonnen hat, macht es nun internationale Karriere. Bei seinem Debüt im Kammermusiksaal spielt das vision string quartet Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, der polnischen Komponistin Grażyna Bacewicz sowie Jazz- und Poptitel.

Leidenschaft für Kammermusik

Christian Tetzlaff kennt man in erster Linie als einen der großen Geiger unserer Zeit, der auch zu den regelmäßigen Gästen der Berliner Philharmoniker zählt. Dabei ist er auch ein leidenschaftlicher Kammermusiker. Seit mehr als 25 Jahren tritt er mit einem eigenen Quartett auf, zu dem neben seiner Schwester, der Cellistin Tanja Tetzlaff, die Bratscherin Hanna Weinmeister und die Geigerin Elisabeth Kufferath gehören. Alle vier sind höchst erfolgreich als Solisten, Orchestermusikerinnen oder Professorin tätig; aus diesem Grund sind die Auftritte des Quartetts rar. Gleichwohl engagieren sich die Mitglieder mit großer Begeisterung in diesem Ensemble. Die kontinuierliche Zusammenarbeit hat sie im Laufe der Jahre zusammengeschweißt. »Die Arbeit miteinander wird immer leichter«, verrieten sie einmal in einem Interview. Bei ihrem Quartettabend treffen mit Schönbergs Streichquartett Nr. 1 sowie Beethovens op. 130 mit Großer Fuge op. 133 die erste und die zweite Wiener Schule aufeinander.

Next Generation

Eine ganz andere Form des Quartettspiels pflegt das Philharmonische Klavierquartett Berlin. Die Besetzung von Klavier, Violine, Viola und Cello eröffnet den Interpreten ganz andere klangliche Möglichkeiten als dem »klassischen« Streicherensemble: Sie können intim wie ein Streichquartett, virtuos wie ein Klaviertrio und symphonisch wie ein kleines Orchester musizieren. Gleichwohl ist die Gattung weniger prominent als das Streichquartett. 1985 gründeten Mitglieder der Berliner Philharmoniker das Philharmonische Klavierquartett Berlin, um sich diesem etwas vernachlässigten Genre zu widmen. 2013 fand innerhalb des Ensembles ein Generationswechsel statt. Heute besteht es aus dem Geiger Luis Esnaola, dem Bratscher Matthew Hunter und dem Cellisten Knut Weber, sowie dem Pianisten Markus Groh. Neben dem Ersten Klavierquartett von Johannes Brahms, einem Referenzwerk der Gattung, und dem spätromantischen »Phantasy Quartet« des Briten Frank Bridge präsentiert die Formation eine Deutsche Erstaufführung: das Klavierquartett von Danny Elfman, einem der führenden Filmmusikkomponisten Amerikas, der u. a. auch das musikalische Erscheinungsbild der Kultserie Desperate Housewives geprägt hat.

vision string quartet
(Foto: Tim Kloecker)
Tetzlaff Quartett
(Foto: Giorgia Bertazzi)
Philharmonisches Klavierquartett Berlin
(Foto: Martin Deeley)

Konzerte

Dienstag,

10. Dez 2019,
20:00 Uhr

Kammermusiksaal

Kammermusik | Aboserie: T - Quartett

Di, 10. Dez 2019, 20:00 Uhr
Kammermusiksaal

vision string quartet

Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy und Grażyna Bacewicz

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Sonntag,

19. Jan 2020,
20:00 Uhr

Kammermusiksaal

Kammermusik | Aboserie: T - Quartett

So, 19. Jan 2020, 20:00 Uhr
Kammermusiksaal

Tetzlaff Quartett

Werke von Arnold Schönberg und Ludwig van Beethoven

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Sonntag,

16. Feb 2020,
20:00 Uhr

Kammermusiksaal

Kammermusik | Aboserie: T - Quartett

So, 16. Feb 2020, 20:00 Uhr
Kammermusiksaal

Berliner Philharmonisches Klavierquartett

Werke von Frank Bridge, Danny Elfman und Johannes Brahms

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