Herzenssache: Josef Suk

Ein Komponist zwischen Spätromantik und Moderne

Josef Suk
(Foto: Online Anthologie Tschechische Musik)

»Ich halte Josef Suk nicht nur für einen der bedeutendsten tschechischen, sondern überhaupt für einen der wahrhaft großen spätromantischen Komponisten«

Kirill Petrenko

Josef Suk? Frühzeitig hat Kirill Petrenko die Musik dieses Dvořák-Schülers in sein Repertoire aufgenommen. Als Elfjähriger war der vielseitig begabte Tonsetzer als Violin- und Kompositionsstudent am Prager Konservatorium angenommen worden. Mit drei Kommilitonen gründete er schließlich das später weltberühmte Tschechische Streichquartett, mit dem er als zweiter Geiger während seiner aktiven Musikerlaufbahn mehr als 4000 Konzerte in 20 europäischen Ländern spielte. Josef Suk avancierte zu einem der bedeutendsten tschechischen Komponisten der anbrechenden Moderne – wobei seine Musik das zeitgenössische Publikum auch polarisierte: »Im Jahr 1912, als in Berlin zum ersten Mal mein Zweites Quartett gespielt wurde, entfesselte sich im Publikum ein Getöse, das an eine Schlägerei grenzte. Einerseits erklangen Rufe der Anerkennung, andererseits Schmähungen und Pfiffe. Um diesen Misserfolg hat mich selbst Schönberg beneidet; derselbe Schönberg, der übrigens oft nach Prag gereist ist, um meine Orchesterwerke zu hören.« Ausgehend von der Musiksprache seines berühmten Lehrers (dessen Tochter er im November 1898 heiratete), setzte Suk die Tradition eines nationalen tschechischen Musikidioms fort und fand dennoch zu einer eigenen Klangsprache.

»Sprechendes« Klangsymbol

Seine um Trauer, Tod und Verklärung kreisende Zweite Symphonie Asrael, die Kirill Petrenko im Januar in den Konzerten der Berliner Philharmoniker dirigiert, ist nach dem Todesengel der islamischen und jüdischen Mythologie benannt und entstand nach schweren Schicksalsschlägen: Im Abstand von nur 14 Monaten waren erst Dvořák und dann dessen Tochter, Suks junge Frau Otylka, überraschend verstorben. Seufzermotive und Lamento-Figuren durchziehen das bisweilen hinsichtlich seiner Ausdrucksgewalt an die Symphonik Gustav Mahlers erinnernde Werk – ebenso wie ein mit dem Tod assoziiertes »sprechendes« Klangsymbol, das Suk seinem Melodram Radúz a Mahulena entnommen hat, während im zweitem Satz u. a. das markante Hauptmotiv aus Dvořáks Requiem zitiert wird. Die Aufführungen mit Kirill Petrenko sind bereits ausverkauft, das Konzert vom 11. Januar wird jedoch live in der Digital Concert Hall übertragen.

Genialer Kammermusiker

Neben der dramatischen Asrael-Symphonie widmen sich philharmonische Ensembles in einem Konzert der Kammermusik von Josef Suk. Das verstärkte Philharmonia Klaviertrio hat das Klavierquartett op. 1 aufs Programm gesetzt, mit dem Suk spektakulär die Bühne der tschechischen Spätromantik betrat. Das Feininger Trio wird sich Suks Klaviertrio op. 2 widmen, in dem der Komponist einmal mehr sein außerordentliches Gespür für musikalische Energie und wirkungsvolle Themen bewies. Mit dem Klavierquintett op. 8 präsentiert das Venus Ensemble ein weiteres Werk aus der frühen Schaffenszeit. Durch das Opus 8 wurde Johannes Brahms auf Suk aufmerksam und förderte den jungen Komponisten nach Kräften. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens entstand das einsätzige Zweite Streichquartett. Gespielt wird es in diesem Konzert vom Philharmonischen Streichquartett.

Kirill Petrenko
(Foto: Stephan Rabold)
Noah Bendix-Balgley
(Foto: Sebastian Hänel)
Philharmonisches Streichquartett
(Foto: Peter Adamik)
Feininger Trio
(Foto: privat)
Philharmonia Klaviertrio
(Foto: Stephan Roehl)