Das Feuer weitertragen

Zu Gast: das Chamber Orchestra of Europe

Chamber Orchestra of Europe
(Foto: Julia Wesel)

»Die Musik ist größer als der Einzelne.« So lautet das Credo des Chamber Orchestra of Europe, das in der vergangenen Saison erstmals auf Einladung der Stiftung Berliner Philharmoniker nach Berlin kam und das auch in dieser Spielzeit zwei Konzerte im Kammermusiksaal gibt. Das Ensemble ging aus dem European Union Youth Orchestra hervor, einem Jugendorchester, das Claudio Abbado, Chefdirigent der Berliner Philharmoniker von 1990 bis 2002, initiiert und lange Jahre geleitet hat. Das Feuer, das Abbado in den Jugendlichen entzündete, wollten einige der ehemaligen Mitglieder weitertragen, indem sie das Chamber Orchestra of Europe gründeten. Die Formation wurde maßgeblich von Abbados Art des Musizierens geprägt und realisierte mit ihm einige preisgekrönte Aufnahmen beispielswiese Rossinis Oper Il Viaggio a Reims und eine Einspielung von Schuberts Symphonien. Doch auch andere Dirigenten haben das Profil des Orchesters entscheidend beeinflusst: Nikolaus Harnoncourt, Bernard Haitink und Yannick Nézet-Séguin - um nur einige zu nennen. Das Chamber Orchestra of Europe, dessen Mitglieder auch außerhalb der Formation erfolgreich als Solisten, Stimmführer oder Leiter herausragender Kammerorchester sowie als Tutoren und Professoren arbeiten, gehört zu den besten Kammerorchestern unserer Zeit. Seine Auftritte zeichnen sich durch eine ganz eigene Programmatik aus, in der die Musik der Wiener Klassik eine tragende Säule bildet.

Haydn und Mendelsohn

Zu seinen Berliner Konzerten, die von der Aventis Foundation unterstützt werden, bringt das Chamber Orchestra of Europe zwei großartige Solisten mit: den Pianisten Sir András Schiff und den Geiger Renaud Capuçon. Mit András Schiff verbindet das COE eine fast 35-jährige künstlerische Freundschaft. »Es ist ein einzigartiges Ensemble, in dem es keine Routine gibt«, schwärmt der Pianist. »Die Musiker kommen aus unterschiedlichen Ländern und haben unterschiedliche Spieltraditionen gelernt, und dennoch haben sie einen spezifischen Klang entwickelt. Außerdem ist es ein unglaublich intelligentes Orchester. Die kollektive Intelligenz und Sensibilität dieser Gruppe ist bewundernswert. Gemeinsam repräsentieren sie die Essenz Europas, davon könnten die EU-Politiker einiges lernen.« Das gemeinsame Konzert in Berlin ist das hundertste Konzert, das András Schiff und das Chamber Orchestra of Europe zusammen geben. Der Pianist ist mit je einem Klavierkonzert von Joseph Haydn und Felix Mendelssohn Bartholdy zu erleben, außerdem dirigiert er eine Symphonie von Haydn und die berühmte Italienische von Mendessohn Bartholdy.

Beethoven und Schubert

Mit dem Geiger Renaud Capuçon realisiert das COE ein ungewöhnliches Projekt und präsentieren zwei ursprünglich sehr intime Kammermusikwerke in Arrangements für größere Besetzung: Beethovens berühmte Kreutzer-Sonate in einer Bearbeitung für Violine und Streicher sowie Franz Schuberts Streichquartett Der Tod und das Mädchen in einer Bearbeitung für Streichorchester von Gustav Mahler. Ein Programm, so ganz nach Geschmack des Chamber Orchestra of Europa, das als 60-köpfiges Ensemble eine kammermusikalisch transparente Spielkultur pflegt.

Sir András Schiff
(Foto: Nicolas Brodard)
Renaud Capuçon
(Foto: Simon Fowler)

Konzerte

Montag,

25. Mai 2020,
20:00 Uhr

Kammermusiksaal

Kammermusik | Aboserie: O - Internationale Kammerorchester

Mo, 25. Mai 2020, 20:00 Uhr
Kammermusiksaal

Chamber Orchestra of Europe

Renaud Capuçon Violine

Werke von Ludwig van Beethoven und Franz Schubert

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