Pierre-Laurent Aimard

Zu Gast bei den Berliner Philharmonikern

Pierre-Laurent Aimard
(Foto: Marco Borggreve)

Pierre-Laurent Aimard zählt zu den Ausnahmeerscheinungen unter den Pianisten. Wie kaum ein anderer versteht er es, mit herausragenden Interpretationen zeitgenössischer Klavierwerke zu begeistern. Als Zwölfjähriger begegnete er dem Komponisten Olivier Messiaen und wurde Schüler von dessen Ehefrau, der Pianistin Yvonne Loriod. 1973 gewann er den internationalen Messiaen-Preis und avancierte zum wichtigsten Interpreten der Klavierwerke Messiaens. 18 Jahre lang war er Pianist des von Pierre Boulez gegründeten Ensemble Intercontemporain. Außer mit Messiaen, seinem wichtigsten Lehrer und Mentor, arbeitete er mit nahezu allen großen Komponisten unserer Zeit zusammen: mit Karlheinz Stockhausen, György Ligeti, Pierre Boulez, György Kurtág oder George Benjamin. Durch seine Beschäftigung mit der Avantgarde bekam er auch zum älteren klassischen Repertoire einen neuen, unkonventionellen Zugang. Seine Interpretationen sind analytisch und emotional zugleich – klar, transparent und dennoch tiefgründig und klangsinnlich.

Analytisch und emotional

Im Januar 2000 debütierte Pierre-Laurent Aimard mit Beethovens Fünftem Klavierkonzert bei den Berliner Philharmonikern. Seither ist er ein regelmäßiger Gast des Orchesters. Die gemeinsam realisierten Programme zeugen von der Vielseitigkeit des Künstlers: Er war Solist in den Klavierkonzerten von Ludwig van Beethoven, Maurice Ravel, Béla Bartok sowie Arnold Schönberg und spielte mehrfach den Klavierpart in Messiaens Turangalîla-Symphonie. Wie Aimard, der 2017 mit dem Ernst von Siemens Musikpreis ausgezeichnet wurde, in einem Interview in der Digital Concert Hall verriet, schätzt er die kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem Orchester. »Jedes Mal, wenn ich zu den Philharmonikern zurückkomme, gilt es alles wieder neu zu überdenken. Das ist eine große Herausforderung.« In dieser Saison ist er mit Béla Bartóks Drittem Klavierkonzert zu erleben, das der ungarische Komponist 1945 als Geburtstagsgeschenk für seine Frau, die Pianistin Ditta Pásztory, schrieb. Bartók, bereits schwerkrank und vom Tod gezeichnet war, konzipierte ein melancholisches, nachdenkliches, andachtsvolles Stück, das ganz anders klang als seine beiden vorausgegangenen Konzerte. Er verschmilzt Kompositionstechniken des Barock mit dem für seinen Stil charakteristischen ungarischen Idiom. Für Pierre-Laurent Aimard liegt nach eigener Aussage die Herausforderung des Konzerts darin, die Phrasierung so zu gestalten, »dass es barockartig, aber auch bartók-artig klingt.« Seine Sicht auf das Werk präsentiert er nun an der Seite des Dirigenten François-Xavier Roth.