Kirill Petrenko und das Bundesjugendorchester

Der designierte Chefdirigent der Berliner Philharmoniker am Pult des philharmonischen Patenkinds

Kirill Petrenko
(Foto: Monika Rittershaus)

Kirill Petrenko tritt sein Amt als neuer Chefdirigent der Berliner Philharmoniker erst in der nächsten Saison an, doch das Publikum konnte und kann ihn bereits in dieser Spielzeit aus ganz unterschiedlichen Perspektiven kennenlernen: Nach dem Saisoneröffnungskonzert in der Berliner Philharmonie und der Open-Air-Veranstaltung im Schlüterhof des Berliner Schlosses sowie der Festivaltournee nach Salzburg, Luzern und London im August und September 2018, kehrt Petrenko im Januar 2019 nach Berlin zurück. Und zwar nicht, um sein zukünftiges Orchester zu leiten, vielmehr präsentiert er sich mit dem Bundesjugendorchester, dem Patenkind der Berliner Philharmoniker, das in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert.

Talentschmiede des Orchesternachwuchses

1969 vom Deutschen Musikrat gegründet, gilt der Klangkörper als Talentschmiede des Orchesternachwuchses. In ihm haben begabte Instrumentalisten zwischen 14 und 19 Jahren die Gelegenheit, die Arbeit in einem Orchester kennenzulernen – auf professionellem Niveau. Mehr als 80 Prozent der Jugendlichen, die im Bundesjugendorchester spielen, entscheiden sich für die Laufbahn des Berufsmusikers. Nur zu verständlich, dass die Zusammenarbeit mit dem Orchester für Kirill Petrenko und die Berliner Philharmoniker einen besonderen Stellenwert besitzt. Bereits 2009 hatte der Dirigent mit dem BJO ein ebenso spannendes wie herausforderndes Programm einstudiert und aufgeführt: Arthur Honeggers musikalische Schilderung einer Dampflokomotive Pacific 231, Tan Duns Paper Concerto sowie Igor Strawinskys mystischer Feuervogel bildeten eine Klangreise von Russland nach China. »Kirill Petrenko erwies sich in programmatischer und pädagogischer Hinsicht als Idealbesetzung, ein Lokführer, der das Feuer seiner Mannschaft zu entfachen verstand«, hieß es in der Besprechung der Neuen Musikzeitung.

Mitreißendes Programm

Auch dieses Mal steht ein Werk Strawinskys auf dem Programm: sein provokantes, skandalträchtiges Balletts Le Sacre du printemps, das vor allem durch seine rhythmische Intensität besticht. Tanzmusik ganz anderer Art sind die Symphonischen Tänze aus Leonard Bernsteins Erfolgsmusical West Side Story mit ihrer kongenialen Mischung aus Jazz, Klassik und lateinamerikanischen Rhythmen. Neben den vom Tanz inspirierten Kompositionen von Bernstein und Strawinsky führt das Bundesjugendorchester unter der Leitung von Kirill Petrenko noch ein zeitgenössisches Werk auf: das Konzert für Pauke und Orchester Nr. 1 von William Kraft, der selbst gelernter Pauker ist und die Möglichkeiten seines Instruments wirkungsvoll ausreizt. Solist ist der philharmonische Solopauker Wieland Welzel.

Bundesjugendorchester 2018
(Foto: Selina Pfrüner)
2009: Kirill Petrenko probt mit dem Bundesjugendorchester
(Foto: Peter Adamik)
2013: Die Berliner Philharmoniker übernehmen die Patenschaft für das Bundesjugendorchester
(Foto: Peter Adamik)