Das PalaisPopulaire der Deutschen Bank

Ein Ort für kritischen Diskurs, Kreativität und Inspiration

(Foto: PalaisPopulaire/Deutsche Bank/Mathias Schormann)

Die Adresse könnte nicht glanzvoller klingen: Unter den Linden 5. Im Volksmund heißt das hier stehende Gebäude »Prinzessinnenpalais«, seit einem dreiviertel Jahr beheimatet es das PalaisPopulaire der Deutschen Bank. Mit der Umgestaltung wurde das renommierte Architekturbüro Kuehn Malvezzi beauftragt: Die Architekten behielten die barocke Fassade bei und entwarfen im Inneren moderne Ausstellungsräume. Das PalaisPopulaire ist ein echter Hingucker. Im Gespräch mit Oliver Hilmes stellen Thorsten Strauß, der als Global Head Art, Culture & Sports das weltweite künstlerische, kulturelle und sportliche Engagement der Deutschen Bank verantwortet, sowie Svenja von Reichenbach, die Leiterin des PalaisPopulaire und ihre Stellvertreterin Sara Bernshausen das Konzept dieses ungewöhnlichen Orts vor.

Herr Strauß, Sie leiten bei der Deutschen Bank den Bereich Art, Culture & Sports. Die Kombination von Kunst, Kultur und Sport ist ungewöhnlich. Was versprechen Sie sich von dieser Zusammenfassung?
Thorsten Strauß
: Als der Bereich vor drei Jahren eingerichtet wurde, stand die Schaffung von Synergien im Mittelpunkt. Wir wollen unser Engagement in den drei Feldern Kunst, Kultur und Sport bündeln, um der Öffentlichkeit, unseren Kunden und Mitarbeitern ganz neue Erfahrungen zu ermöglichen. Ziel ist es, Menschen zusammenzubringen und so unser Gemeinwesen mitzugestalten. Kunst, Kultur und Sport spielen in diesem Zusammenhang wichtige Rollen.

Welche …?
Thorsten Strauß:
Es geht zunächst um den kritischen Diskurs, um Kreativität und Inspiration. Wer sich mit Kunst und Kultur auseinandersetzt, denkt eher über den Tellerrand hinaus. Kunst ist ein sehr wirksames Instrument, mit dessen Hilfe man die eigenen Positionen hinterfragen kann. Vieles scheint auf einmal möglich, wenn man nur den Mut hatte, Neues zu denken. Kunst ist dazu in der Lage.

Und welche Bedeutung hat der Sport bei diesen Überlegungen?
Thorsten Strauß
: Auch beim Sport treten Menschen in einen Austausch, schließlich messen sie ihre Leistungen miteinander. Wichtig sind aber auch soziale Faktoren wie Motivation und Fairness. Wir können viel von Sportlern lernen.

Frau von Reichenbach, 1997 eröffnete die Deutsche Bank in Zusammenarbeit mit der New Yorker Solomon R. Guggenheim Foundation die Ausstellungshalle Deutsche Guggenheim, die seit 2013 als Deutsche Bank KunstHalle weitergeführt wurde. Wodurch unterscheidet sich das PalaisPopulaire von der bisherigen KunstHalle?
Svenja von Reichenbach
: War die KunstHalle, wie der Name schon sagt, eine klassische Ausstellungshalle, bietet das PalaisPopulaire eine spannende Mischung aus Kunst, Kultur und Sport. Dabei steht uns mit rund 900 Quadratmetern ungefähr dreimal so viel Fläche wie bisher zur Verfügung. Dadurch können wir neben wechselnden Ausstellungen mit internationalen Partnern gleichzeitig Ausstellungen aus der Sammlung Deutsche Bank zeigen. Doch das PalaisPopulaire ist weit mehr als ein Museum oder eine Kunsthalle. Zusätzlich zur Ausstellungsfläche haben wir zwei Veranstaltungsräume, in denen wir ein breit gefächertes Rahmenprogramm anbieten – von Education-Workshops und Künstlergesprächen über Konzerte, Lesungen bis zu Filmvorführungen. Das Palais ist also auch ein Ort des kritischen Diskurses, eine Ideenwerkstatt und ein kulturelles Labor.

Und was ist das »Populäre« am Palais-Populaire?
Sara Bernshausen
: Wir sind populär im Sinne von einladend und nicht ausgrenzend. Wir setzen auf künstlerisch und gesellschaftlich relevante Themen und vermitteln diese auf unterschiedliche Art und Weise. Dabei steht das PalaisPopulaire auch für zeitgemäße Präsentationsformen. Neben vielfältigen Talk- und Workshopangeboten setzen wir auch auf digitale Vermittlung. Wir haben die »PalaisPopulaire App« für Smartphones entwickelt. Sie ist der multimediale Begleiter für den Besuch im Haus und bietet Audioguides für Erwachsene und Kinder. Darüber hinaus ist in die App eine Kalenderfunktion integriert, mit deren Hilfe man unsere Programmtermine problemlos in den eigenen Kalender übertragen kann. Eine weitere App – die »PalaisPopulaire TimeMachine« – lädt mithilfe von Augmented Reality zu einer Zeitreise in die Geschichte des Hauses ein und lässt diese miterleben.

Das PalaisPopulaire ist in einem historischen Gebäude, dem einstigen Prinzessinnenpalais, zu Hause …
Svenja von Reichenbach
: Diese historische Verortung auf dem Boulevard Unter den Linden verleiht unserem Konzept zusätzlich Spannung. Im 18. Jahrhundert als Rokoko-Palais erbaut, war das Anwesen zunächst Teil der preußischen Monarchie. Dann, nach dem Ersten Weltkrieg, wurde es schon einmal als Museum genutzt. Im Zweiten Weltkrieg komplett zerstört, erfolgte in den 1960er-Jahren der Wiederaufbau durch den Bauhaus-Schüler Richard Paulick als Operncafé. In dieser vielfältigen Nutzung kristallisiert sich deutsche und europäische Geschichte. Dass ein Gebäude, das ursprünglich der Herrscherfamilie als Wohnhaus diente, heute als PalaisPopulaire eine moderne Relaisstation des kulturellen und gesellschaftlichen Dialogs darstellt, freut uns und macht uns stolz.

Das PalaisPopulaire wurde im September 2018 mit der faszinierenden Schau The World on Paper der Öffentlichkeit übergeben. Was steht demnächst auf dem Programm? Wie sind die weiteren Pläne für 2019?
Thorsten Strauß
: Am 20. Juni eröffnen wir die Ausstellung summer of love – art, fashion, and rock and roll. Dabei geht es um eine Hommage an das Jahr 1967, als Hunderttausende nach San Francisco kamen, um dort den »Summer of Love« zu feiern. In Zusammenarbeit mit den Fine Arts Museums of San Francisco präsentieren wir Kostüme, Plattencover, Poster und Fotografien. Wir zeigen aber auch interaktive Musik- und Lichtshows sowie Avantgardefilme. Diese Schau, auf die ich mich sehr freue, macht noch einmal sehr schön den Anspruch des PalaisPopulaire deutlich: über den Tellerrand schauen und eine ganze Epoche – hier die der späten 1960er-Jahre – mit allen Sinnen erlebbar machen. Und Mitte November präsentieren wir mit der in Beirut geborenen Caline Aoun den »Artist of the Year« der Deutschen Bank. Außerdem arbeiten wir 2019 weiter an neuen Formaten und neuen internationalen Kooperationen.

Die Deutsche Bank ist seit 1989 Partner der Berliner Philharmoniker.

Das Interview ist ein Originalbeitrag für das Magazin 128, das in unserem Online-Shop und in der Philharmonie erhältlich ist.