Barocke Klangwelten

Die Konzertreihe »Originalklang« und ihre Ensembles

Coro e Orchestra Ghislieri
(Foto: Elisa Bracco)

Die fünf Originalklang-Konzerte entführen die Zuhörer in die Barockzeit, eine Epoche, die musikalisch mit zu den spannendsten Phasen der Musikgeschichte gehört. Es herrschte eine künstlerische Aufbruchstimmung, die Klangvorstellungen änderten sich, neue Kompositionstechniken, Formen, Gattungen und Instrumente kamen in Mode. Die stilistische Vielfalt dieser Zeit spiegelt sich in den Programmen dieser Konzertreihe wider. Die Ensembles und Solisten der Serie eint ein Ideal: die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts in historisch informierter Aufführungspraxis zu präsentieren. Egal, ob auf alten oder modernen Instrumenten vorgetragen, stets geht es darum, den Klangvorstellungen jener Zeit möglichst nahe zu kommen und den musikalischen Facettenreichtum einer Epoche vorzustellen, in der die Grundsteine für eine moderne Musikästhetik gelegt wurden.

Zwei Alte Musik Ensembles aus Berlin

Die Akademie für Alte Musik Berlin ist bereits ein Stammgast der Serie und gehört zu den Ensembles, die auf historischen Instrumenten bzw. deren Nachbauten spielen. In ihrem Konzert im Kammermusiksaal unter Leitung des Geigers Georg Kallweit widmet sie sich zwei Vertretern der Familie Bach, die im 17. und 18. Jahrhundert zu den prägenden Musikerfamilien im sächsischen und thüringischen Raum zählten. Johann Sebastian ist heute der bekannteste, alle anderen Mitglieder überstrahlende Sproß der Familie. Von ihm erklingen drei Werke, die im gängigen Konzertbetrieb eher selten aufgeführt werden: die Konzerte für drei bzw. vier Cembali, Streicher und Basso continuo. Seinen Cousin Johann Bernhard kennt man hingegen kaum. Die vom französischen Stil inspirierten Orchestersuiten beweisen, dass der in Eisenach wirkende Organist und Komponist sein Handwerk ebenfalls hervorragend beherrschte.

Das Concerto Melante, die »historische Spezialtruppe« der Berliner Philharmoniker, musiziert ebenfalls auf alten Instrumenten – mit philharmonischem Sound. Gemeinsam mit dem Vokalkollektiv Ensemble Polyharmonique präsentiert es vokale und instrumentale Musik des 17. Jahrhunderts. Den Höhepunkt des Konzerts bildet eine musikalische Wiederentdeckung: das Passionsoratorium Natura et quatuor elementa dolentia ad Sepulcrum Christi von Antonio Cesti, einem der wichtigsten Opernkomponisten des Barock, dessen affektgeladene Musiksprache auch in seinen geistlichen Werken zu spüren ist.

Geistliche Erbauung, weltlicher Frohsinn

Emotional, dramatisch und opernhaft ist auch Giovanni Battista Pergolesis D-Dur-Messe, die vom Coro e Orchestra Ghislieri unter der Leitung von Giulio Prandi aufgeführt wird. Bei diesem Werk handelt es sich ebenfalls um ein musikalisches Kleinod, dessen Noten Jahrhunderte lang in Archiven schlummerten. Ein willkommener Fund für Prandi, der sich mit der Gründung des Ensembles 2003 zur Aufgabe gemacht hat, unbekannte musikalische Preziosen der italienischen Kirchenmusik wiederzuentdecken und aufzuführen. Weitere Programmpunkte seines Konzerts sind Joseph Haydns »Kleine Orgelmesse« und Wolfgang Amadeus Mozarts Vesperae solennes de Confessore. Die Sopransoli singt Marlis Petersen.

Was Giulio Prandi und sein Ensemble für die italienische Barockmusik sind, sind der in Saragossa geborene Cembalist und Dirigent Eduardo López Banzo und Al Ayre Español für die Alte Musik Spaniens. Der Name des Ensembles, das in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag feiert, bedeutet »auf spanische Art« und stammt von dem Titel einer Gitarrenfuge des aragonesischen Komponisten Gaspar Sanz. Dank des Forschergeists von Eduardo López Banzo hat auch diese Gruppe längst vergessene musikalische Schätze gehoben und zum Erklingen gebracht. Ihr Auftritt unter dem Motto ¡Vaya pastores de fiesta! steht ganz im Zeichen des bevorstehenden Weihnachtfests.

Der Spanier Jordi Savall, einer der großen Interpreten der Alte-Musik-Szene, bringt hingegen dem Publikum eine ganz andere Musikkultur nahe: Sein Konzert, das den Titel »El Hombre y la Naturaleza« trägt, lädt zur Entdeckung keltischer Musiktraditionen ein. Die musikalische Reise führt nach Irland, in die schottischen Highlands, nach Wales, in die Bretagne sowie ins nordspanische Galicien. Begleitet wird Jordi Savall dabei u. a. von dem galicischen Celtic-Folk-Musiker Carlos Núñez, dem spanischen Gitarristen und Violinisten Pancho Álvarez und dem Barockharfenvirtuosen Andrew Lawrence-King.

Akademie für Alte Musik
(Foto: Uwe Arens)
Al Ayre Español
(Foto: Marco Borggreve)
Ensemble Polyharmonique
(Foto: Agentur)
Concerto Melante
(Foto: Alessandro Cappone)
Jordi Savall
(Foto: David Ignaszewski)
Marlis Petersen
(Foto: Yiorgo Mavropoulos)

Konzerte

Mittwoch,

20. Mär 2019,
20:00 Uhr

Kammermusiksaal

Kammermusik | Aboserie: R

Mi, 20. Mär 2019, 20:00 Uhr
Kammermusiksaal

Concerto Melante

Raimar Orlovsky Violine und Leitung

Ensemble Polyharmonique

Alexander Schneider Leitung

Werke von Biagio Marini, Franz Tunder, Dietrich Becker, Dieterich Buxtehude, Pietro Andrea Ziani und Antonio Cesti

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Mittwoch,

22. Mai 2019,
20:00 Uhr

Kammermusiksaal

Kammermusik | Aboserie: R

Mi, 22. Mai 2019, 20:00 Uhr
Kammermusiksaal

Jordi Savall Gamben und Leitung

Carlos Núñez Sackpfeifen, Hirtenflöten und Irische Blockflöte

Pancho Álvarez Gitarre und Drehleier

Xurxo Núñez Perkussion

Andrew Lawrence-King Irische Harfe und Salterio

Frank McGuire Irische Rahmentrommel

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