Alan Gilbert, Marek Janowski und Yannick Nézet-Séguin

Am Pult der Berliner Philharmoniker

Yannick Nézet-Séguin
(Foto: Hans van der Woerd)

In den kommenden Wochen stehen drei Gastdirigenten am Pult der Philharmoniker, die vom Temperament wohl kaum unterschiedlicher sein könnten: Alan Gilbert, Marek Janowski und Yannick Nézet-Séguin. Alle drei verbindet, dass sich die Zusammenarbeit mit dem Orchester in den letzten Jahren immer mehr intensiviert hat.

Von New York an die Elbe

Seit Alan Gilbert im Februar 2006 kurzfristig für den erkrankten Bernard Haitink eingesprungen ist, zählt der gebürtige New Yorker zu den regelmäßigen Gästen des Orchesters. Wie er in einem Interview für die Digital Concert Hall verriet, liegt für ihn als Dirigent die größte Herausforderung darin, eine ausgewogene Balance zwischen der Gesamtarchitektur und den Details einer Komposition zu schaffen. Nur dann gelinge es, die Musik wirklich zum Fließen zu bringen. An den Berliner Philharmonikern fasziniere ihn, dass jeder Musiker die Persönlichkeit eines Solisten besitze, sich aber dennoch problemlos in den Gesamtklang einfügen könne. »Dadurch entsteht eine ganz besondere Art von Gruppenenergie.« In seinen Konzertprogrammen widmet er sich gerne Komponisten und Werken, die eher selten im normalen Konzertbetrieb erklingen, beispielsweise Bohuslav Martinůs Vierte Symphonie, Leoš Janáčeks Violinkonzert Putování dušičky (Wanderung einer kleinen Seele), Magnus Lindbergs Komposition Kraft oder Stücken seines Landsmann John Adams. Bei seinem letzte Besuch dirigierte Alan Gilbert, der von 2009 bis 2017 als erster New Yorker Chef der New York Philharmonic war und ab 2019 das NDR Elbphilharmonie Orchester leitet, neben Werken von Thomas Adès und Wolfgang Amadeus Mozart auch Claude Debussys Images pour orchestre. Ein Abend voller Hochspannung – so die Berliner Zeitung – sei es gewesen. Gilbert wusste »die Musik subtil wie zupackend zu entfalten.« Auch dieses Mal leitet er mit der europäischen Erstaufführung von Anna Thorvaldsdottirs Metacosmo, Sergej Prokofjews Zweitem Violinkonzert mit Lisa Batiashvili als Solistin und Richard Straussʼ Symphonia domestica ein ungewöhnliches Programm.

Spezialist für Bruckner

Den Namen Marek Janowski verbindet das Berliner Publikum vor allem mit einem Klangkörper: dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, dessen Chef der in Warschau geborene und in Deutschland aufgewachsene Dirigent von 2002 bis 2016 war. Weniger präsent hingegen ist seine Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern, bei denen Janowski 1976 im Alter von 37 Jahren debütierte. Der damalige Chefdirigent der Dortmunder Philharmoniker stellte sich mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, Carl Maria von Weber und Felix Mendelssohn Bartholdy als überzeugender Interpret der Wiener Klassik und der deutschen Romantik vor. Bis Mitte der 1990er-Jahre bediente er in seinen Konzerten überwiegend das klassisch-romantische Repertoire. Nach einer Pause von mehr als 20 Jahren kehrte Marek Janowski 2017 zu den Philharmonikern zurück und dirigierte anstelle des erkrankten Riccardo Chailly die Aufführungen von Giuseppe Verdis Messa da Requiem. Nur wenige Monate später beeindruckte er Publikum wie Presse mit Orchestervorspielen aus Hans Pfitzners Oper Palestrina und Anton Bruckners Vierter Symphonie, deren monumentale Architektonik und kontrastierende Stimmungen er berührend und wirkungsvoll zu gestalten wusste. In dieser Saison ist er wieder als Bruckner-Interpret zu erleben: So widmet er sich der Sechsten, die der Komponist als seine »keckste« Symphonie bezeichnete, sowie der e-Moll-Messe, deren ausschließlich aus Blasinstrumenten bestehender Orchestersatz eine ganz eigene, archaische Atmosphäre heraufbeschwört.

Ein Shooting-Star

Der 43-jährige Yannick Nézet-Séguin kann bereits auf eine bemerkenswerte Karriere zurückblicken: Der gebürtige Kanadier, ein Zögling Carlo Maria Giulinis, ist seit Beginn dieser Spielzeit  Musikdirektor der Metropolitan Opera New York; darüber hinaus seit 2012 Chef des Philadelphia Orchestra sowie seit 2000 Artistic Director und Principal Conductor des Orchestre Métropolitain in Montreal. Auch internationale Spitzenorchester wie die Wiener Philharmoniker, die Staatskapelle Dresden, das Orchestre National de France oder das Los Angeles Philharmonic und große Opernhäuser wie der Londoner Covent Garden und die Mailänder Scala laden den jungen Dirigenten immer wieder ein. Bei den Berliner Philharmonikern stellte er sich am 21. Oktober 2010 mit Werken von Olivier Messiaen, Sergej Prokofjew und Hector Berlioz vor. Wie Alan Gilbert beweist er bei seinen philharmonischen Auftritten ein Faible für ungewöhnliche Programmzusammenstellungen: Bei seinem letzten Auftritt im Oktober 2017 beispielsweise stellte er das Deutsche Requiem von Johannes Brahms der Kantate Heilig von Carl Philipp Emanuel Bach gegenüber. Sein nächstes Programm setzt sich aus Maurice Ravels Menuet antique, Claude Debussys La Mer und Sergej Prokofjews Fünfter Symphonie zusammen. Wie groß die Wertschätzung ist, die ihm die Philharmoniker entgegenbringen, zeigt sich auch darin, dass Yannick Nézet-Séguin mit dem Orchester anschließend auf eine kleine Tournee geht, die nach Hamburg, Breslau, Kattowitz und Paris führt. Der Dirigent ist wie er in einem Interview für die Digital Concert Hall verriet über die Zusammenarbeit mit dem Orchester sehr beglückt: »Es hat sich ein gewisses Vertrauen aufgebaut. Und je besser man sich kennt, desto intensiver kann man sich mit der Musik auseinandersetzen.«

Alan Gilbert
(Foto: Peter Hundert)
Marek Janowski
(Foto: Felix Broede)

Hören Sie rein!


Die Dirigenten in der Digital Concert Hall

Konzerte

Freitag,

22. Feb 2019,
20:30 Uhr

Philharmonie, Paris

Konzertreise

Fr, 22. Feb 2019, 20:30 Uhr
Philharmonie, Paris

Berliner Philharmoniker

Yannick Nézet-Séguin Dirigent

Werke von Claude Debussy und Sergej Prokofjew

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