Helena Madoka Berg, Luis Esnaola und Václav Vonášek

Neue Mitglieder der Berliner Philharmoniker

Helena Madoka Berg
(Foto: Sebastian Hänel)

Sie haben es geschafft! Nach bestandener Probezeit gehören die Geigerin Helena Madoka Berg und der Geiger Luis Esnaola sowie der Kontrafagottist Václav Vonášek nun zu den Berliner Philharmoniker. Wir stellen Ihnen die drei jungen Musiker vor.

»Eine Begabung ist auch eine Verpflichtung«: Helena Madoka Berg

»Als ich erfuhr, ich hätte die Probenzeit bestanden, habe ich mich sehr gefreut. Allerdings brauchte es eine Weile, bis diese Nachricht richtig bei mir angekommen war«, strahlt Helena Madoka Berg, seit 2016 zur Gruppe der Ersten Violinen gehörend und seit Herbst 2017 ordentliches Mitglied der Berliner Philharmoniker. Die gebürtige Berlinerin stammt aus einer Musikerfamilie, sowohl die Mutter als auch der Vater sind Geiger. Da lag es auch für sie nahe, dieses Instrument zu erlernen. An eine professionelle Laufbahn dachte sie jedoch zunächst nicht. 2001 gewann sie den Jakob-Stainer-Violinwettbewerb und die Jurymitglieder, zu denen auch Igor Oistrach gehörte, meinten: »Eine Begabung ist auch eine Verpflichtung.« Diese Worte brannten sich in ihr ein und Helena Madoka Berg beschloss, Geigerin zu werden. Nach dem Studium am Julius-Stern-Institut der Universität der Künste Berlin bei Tomasz Tomaszewski, an der Juilliard School in New York bei Robert Mann und an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« bei Antje Weithaas erhielt sie ein Stipendium an der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker. Sie bekam dadurch die Gelegenheit, in dem Orchester mitzuspielen und sich von der ungeheuren Energie und Spielfreude der Musiker anstecken zu lassen. Ihre erste Stelle führte sie zu den Münchner Philharmonikern, 2013 wechselte sie zu den Berliner Philharmonikern in die Gruppe der Zweiten Geigen – und bestand die Probezeit nicht. Doch nach wie vor war es ihr Traum, Teil dieses Orchesters zu sein. Ermutigt von Orchesterkollegen bewarb sie sich wenige Monate später erneut um eine Stelle, dieses Mal in den Ersten Geigen. »Ich hatte ja nichts zu verlieren«, sagt sie dazu. Sie wurde genommen, überzeugte und bewies, dass sie sich weiterentwickelt hatte: »Als Tuttigeiger muss man sich normalerweise sehr zurücknehmen. Bei den Philharmonikern darf und soll sich jeder auch als Individuum entfalten. Für mich galt es auszuloten, wie weit ich selbst gehen kann, ohne die Gruppendynamik zu stören. Das war für mich ein wichtiger Erfahrungsprozess.«

»Ich bin in dieser Zeit nochmal musikalisch gewachsen«: Luis Esnaola

»Ich freue mich riesig und bin sehr erleichtert, dass ich die Probezeit bestanden habe. Jetzt habe ich die Gewissheit: Ich kann bleiben!«, lacht Luis Esnaola. Der gebürtige Spanier, der ebenfalls seit 2016 in der Gruppe der Ersten Violinen spielt, gehört nun zu den Musikern, die als ordentliches Mitglied der Berliner Philharmoniker aufgenommen wurden. Auf die zurückliegende Probezeit blickt er voll Dankbarkeit zurück. Er empfand sie als eine Phase, in der er lernen und sich viel von den Kollegen hinsichtlich Phrasierung und Klanggestaltung ablauschen konnte. Er sei – so Esnaola – in dieser Zeit nochmal musikalisch gewachsen. Als Highlights sind ihm sein erster Orchesterdienst, bei dem er unter der Leitung von Sir Simon Rattle Gustav Mahlers Siebte Symphonie spielte, und die Aufführung der Sechsten Symphonie von Peter Tschaikowsky unter Kirill Petrenko in Erinnerung geblieben. Seine musikliebenden Eltern weckten in ihm die Begeisterung für die Violine. Bereits im Alter von zwölf Jahren wusste Luis Esnaola, dass er das Geigenspiel zum Beruf machen wollte. Er studierte bei den Großen seiner Zunft: bei Donald Weilerstein am New England Conservatory sowie bei Antje Weithaas an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler«, wo er 2012 mit einem Master in Musik abschloss. Während seines Studiums erhielt er ein Stipendium an der Karajan-Akademie, an der er von Christophe Horak unterrichtet wurde. »Die Zeit an der Akademie war fantastisch«, schwärmt der Geiger. »Ich sammelte erste Orchestererfahrung, außerdem habe ich den Arbeitsrhythmus eines Orchesters kennengelernt.« Seine erste Anstellung bekam Luis Esnaola als Stimmführer der Zweiten Geigen beim Tonhalle-Orchester Zürich. Dort vervollkommnete er seine Fertigkeiten im Orchesterspiel und vertiefte seine Repertoirekenntnisse. Eine gute Vorbereitung für die Stelle bei den Berliner Philharmonikern. Was den jungen Musiker an der philharmonischen Geigengruppe besonders fasziniert? »Die Streicher zeigen sehr viel Eigeninitiative und gehen trotzdem im Gesamtklang auf. Das ist eine tolle Kombination.«

»Wir bauen den Klang von unten her auf«: Václav Vonášek

Die Nachricht, dass ihn die Berliner Philharmoniker als ordentliches Mitglied aufgenommen haben, erreichte Václav Vonášek noch vor Ablauf der offiziellen Probezeit. Kurz vor der entscheidenden Abstimmung, beeindruckte er die Orchesterkollegen mit seinem burlesken Kontrafagottsolo in Maurice Ravels Ma Mère l’Oye. »Ich hatte Glück«, lächelt der Musiker. »Während der Probezeit standen all jene Werke auf dem Programm, in denen großartige Solostellen für mein Instrument vorkommen und ich mein ganzes Können zeigen durfte.« Als Václav Vonášek im März 2016 die Kontrafagottstelle bei den Philharmonikern antrat, war er bereits ein erfahrener Orchestermusiker, hatte fast zehn Jahre als zweiter Fagottist und Kontrafagottist in der Tschechischen Philharmonie Prag hinter sich und beherrschte souverän das Repertoire für sein Instrument. Doch bei den Berlinern gestaltete sich dann – so der Musiker − vieles anders: »Hier habe ich gesehen, dass Kollegen die Tuttistellen genauso wichtig nehmen wie die Soli. Sie spielen diese genauso schön, exakt und artikuliert. Das ist für den Gesamtklang enorm wichtig.« Hinzu kommt die besondere Atmosphäre des scharounschen Konzertsaals, die ihn immer wieder inspiriert. Der Kontrafagottist versteht sich als Bindeglied zwischen der Holzbläsergruppe und den Kontrabässen, mit denen er das klangliche Fundament des Orchesters bildet: »Wir bauen den Klang von unten her auf.« Eine Aufgabe, die ihn sehr beglückt. Václav Vonášek spielte zunächst Klarinette, ehe man ihm nach der bestandenen Aufnahmeprüfung am Konservatorium in Pilsen nahelegte, Fagott zu lernen. »Ich zögerte keine Sekunde und war sofort einverstanden, weil mich die Form des Instruments und sein Klang begeisterten.« Später setzte er seine Ausbildung an der Akademie der musischen Künste in Prag sowie am Royal College of Music in London fort. In der englischen Hauptstadt lernte er auch seine Frau, eine tschechische Geigerin, kennen. Jetzt, wo er weiß, dass er bei den Philharmonikern bleiben wird, ist sein wichtigstes Ziel, sie und seine Kinder nach Berlin nachkommen zu lassen.

Luis Esnaola Václav Vonášek