Auf dem Weg zum Orchesterprofi

Die Junge Deutsche Philharmonie gastiert in Berlin

Junge Deutsche Philharmonie
(Foto: Achim Reissner)

Sie gilt als Kaderschmiede für den Orchestermusikernachwuchs: Die Junge Deutsche Philharmonie ermöglicht Instrumentalisten im Alter von 18 bis 28 Jahren, auf professionellem Niveau erste Erfahrungen in einem Klangkörper zu sammeln. Die Mitglieder, die sich durch ein Probespiel qualifizieren müssen, studieren an deutschen Musikhochschulen, gehören  zu den Besten ihres Fachs und wollen alle Orchestermusiker werden. Doch nicht nur das: Ihr Enthusiasmus – so Bratscher Gabriel Müller – soll vor allem auch Altersgenossen entflammen: »Für uns ist es ein besonderer Auftrag und gleichzeitig eine Chance, jungen Leuten klassische Musik näherzubringen und sie mit den Instrumenten und dem Orchester vertraut zu machen.« Mehrmals jährlich kommt das Orchester zu intensiven Probenphasen zusammen, um das Programm seiner Frühjahrs- und Herbsttourneen einzustudieren. Auf diese Weise können sich die jungen Instrumentalisten auf ihren zukünftigen Beruf vorbereiten. Darüber hinaus versteht sich die 1974 gegründete Junge Deutsche Philharmonie als Orchester, in dem die Mitglieder demokratisch an der Programmplanung sowie der Wahl der Dirigenten und Solisten beteiligt sind. Zeitgenössische Musik bildet einen wichtigen Schwerpunkt des Repertoires und darf in fast keinem Konzertprogramm fehlen.

Ganz eigene Programmgestaltung

Von der speziellen Programmkonzeption der Jungen Deutschen Philharmonie zeugen auch die Konzerte, die das Orchester in der Berliner Philharmonie gab. Beim ersten Auftritt auf Einladung der Stiftung Berliner Philharmoniker 2002 erklangen neben Joseph Haydns Symphonie Nr. 45 und Ausschnitten aus Richard Wagners Tristan und Isolde auch Hans Werner Henzes Tristan Préludes. In der vergangenen Saison gastierte das Orchester gleich zwei Mal in der Philharmonie: Nach einem Gastauftritt beim Musikfest 2016, bei dem u.a. György Ligetis Violinkonzert erklang, kehrte die Junge Deutsche Philharmonie im März 2017 im Rahmen ihrer Frühjahrstournee mit Werken von Gustav Mahler, Dmitri Schostakowitsch und Maurice Ravel zurück.

Voller Begeisterung

Auch in diesem Jahr macht die Junge Deutsche Philharmonie während Ihrer Frühjahrstournee Station in Berlin – mit einem rein französischen Programm, das den Titel Wahn und Wirklichkeit trägt. Neben Hector Berlioz‘ leidenschaftlicher Symphonie fantastique, die als Ausdruck der zunächst unerwiderten Liebe des Komponisten zu der Schauspielerin Harriett Smithson entstand, präsentieren die jungen Musiker zwei Werke der französischen Moderne: Olivier Messiaens klangsinnliche Instrumentalmeditation Les Offrandes oubliées und Henri Dutilleux‘ Cellokonzert Tout un monde lointain ... mit Steven Isserlis als Solist. Die musikalische Leitung hat David Afkham, der die Junge Deutsche Philharmonie bereits 2013 dirigiert hat. Was ihn an der Zusammenarbeit mit den jungen Musikern begeistert? »Für unsereinen ist es wunderbar, mit einem Klangkörper alles ausprobieren zu können. In diesem Orchester gibt es nicht ›wir können nicht‹ oder ›wir wollen nicht‹, sondern es kommt einem von fast 100 Individuen die Begeisterung entgegen, etwas zu wagen.«