Mit Joyce DiDonato ins neue Jahr

Die Mezzosopranistin ist Stargast des Silvesterkonzerts 2017

(Foto: Simon Pauly)

»Für mich ist es ein Traum, mit diesem Orchester zu musizieren«, schwärmte Joyce DiDonato in einem Interview für die Digital Concert Hall. »Ich liebe es, wenn die Musik ihre Flügel ausspannt und wir gemeinsam fliegen.« Und auch die Berliner Philharmoniker schätzen die aus Kansas stammende Mezzosopranistin sehr. Das großes Kapital der Sängerin: eine warme, nuancenreiche und biegsame Stimme, die virtuose Koloraturen genauso berückend meistert wie innige, lyrische Phrasen. Von der Intensität ihrer Interpretationskunst konnte man sich bei den Philharmonikern zuletzt im Juni 2017 überzeugen, als Joyce DiDonato in Hector Berlioz‘ Scène lyrique La Mort de Cléopâtre die letzten Gedanken und Gefühlen der sterbenden ägyptischen Königin Kleopatra nachempfand. Nun ist die Künstlerin Stargast des Silvesterkonzerts, in dem sie unter der Leitung von Sir Simon Rattle eine Auswahl an Orchesterliedern von Richard Strauss präsentiert, darunter Zueignung, das erste veröffentlichte Lied des Komponisten, und Morgen, jenes berühmte Stück, das Strauss seiner Frau Pauline, einer Sängerin und begnadeten Interpretin seiner Werke, zur Hochzeit schenkte.

Berliner Erfolge

Den Berlinern ist Joyce DiDonato, die nicht nur über eine betörende Stimme, sondern auch über ein mitreißendes komödiantisches Talent und unwiderstehlichen Charme verfügt, längst keine Unbekannte mehr. Im Oktober 2010 debütierte sie an der Deutschen Oper Berlin als Rosina in Katharina Thalbachs Inszenierung von Rossinis Il barbiere di Seviglia und ist dort seither ein umjubelter und gern gesehener Gast. Im Rahmen der Konzerte der Stiftung Berliner Philharmoniker trat die Sängerin im Juni 2012 mit einem Liederabend im Kammermusiksaal in der Philharmonie auf. Venezianische Reise lautete das Motto dieses Konzerts. An diesem Abend erwies sie sich nicht nur als begnadete Liedinterpretin, sondern outete sich auch als Fußballfan. Denn zeitgleich kämpfte die deutsche Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft um das Weiterkommen. Jedes Mal wenn sie auf die Bühne kam, informierte sie das Publikum über den aktuellen Spielstand, ehe sie mit ihrem Vortrag begann.

Strahlend, intensiv, facettenreich

Ihr Orchesterdebüt bei den Berliner Philharmonikern gab sie 2015 bei den Osterfestspielen Baden-Baden als Margeruite in Hector Berlioz’ La Damnation de Faust. Mit diesem Werk, das eine ganz eigene und sehr französische Adaption von Goethes Schauspiel ist, konnte man sie nach den Festspielen auch in der Berliner Philharmonie erleben. Über die Zusammenarbeit mit dem Orchester äußerte sich die Künstlerin in der Baden-Badener Live-Lounge begeistert: »Das was mir bei den Proben den Atem raubte, war dieses unglaubliche Pianissimo. Wenn das Orchester plötzlich ganz leise wird, ist es so, als ob sich der Himmel öffnet.« Im Mai 2017 zeigte sie in einem Liederabend im Kammermusiksaal, der den Titel »In Krieg und Frieden – Harmonie durch Musik« trug, noch eine weitere Facette ihres Könnens – als Interpretin hochvirtuoser Arien der Barockzeit.