Alan Gilbert, Paavo Järvi und Tugan Sokhiev

Am Pult der Berliner Philharmoniker

Alan Gilbert
(Foto: Peter Hundert)

Dieses Frühjahr ist die Zeit der Gastdirigenten. Denn bevor Sir Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker die Saison mit einer Reihe von Konzerten und dem traditionellen Walbühnenkonzert ausklingen lassen, stehen noch vier geschätzte Gastdirigenten am Pult des Orchesters: Nach Daniel Harding, von dem Sie auf unserer Website ein Interview lesen können, kommen Alan Gilbert, Paavo Järvi und Tugan Sokhiev zu den Berliner Philharmonikern.

Der Mann aus New York

Seit Alan Gilbert im Februar 2006 kurzfristig für den erkrankten Bernard Haitink eingesprungen ist, zählt der gebürtige New Yorker zu den regelmäßigen Gästen des Orchesters. Wie er in einem Interview für die Digital Concert Hall verriet, liegt für ihn als Dirigent die größte Herausforderung darin, eine ausgewogene Balance zwischen der Gesamtarchitektur und den Details einer Komposition zu schaffen. Nur dann gelinge es, die Musik wirklich zum Fließen zu bringen. An den Berliner Philharmonikern fasziniere ihn, dass jeder Musiker die Persönlichkeit eines Solisten besitze, sich aber dennoch problemlos in den Gesamtklang einfügen könne. »Dadurch entsteht eine ganz besondere Art von Gruppenenergie.« In den Konzertprogrammen, die er bislang bei den Philharmonikern dirigierte, nahmen die Werke tschechischer Komponisten einen großen Raum ein: Antonín Dvořáks Symphonische Dichtung Die Mittagshexe und sein Cellokonzert, Bohuslav Martinůs Vierte Symphonie oder Leoš Janáčeks Violinkonzert Putování dušičky (Wanderung einer kleinen Seele). Bei seinem letzten Besuch wandte er sich anderen symphonischen Regionen zu und dirigierte zwei Werke seines Landsmanns John Adams, Composer in Residence 2016/2017, sowie Béla Bartóks Violinkonzert mit Frank Peter Zimmermann als Solist und Peter Tschaikowskys Vierte Symphonie. Dieses Mal stellt Alan Gilbert, der von 2009 bis 2017 als erster New Yorker Chef der New York Philharmonic war und ab 2019 das NDR Elbphilharmonie Orchester leitet, Thomas Adès' Three Studies from Couperin vor, außerdem stehen Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenkonzert mit dem philharmonischen Soloklarinettisten Wenzel Fuchs und Claude Debussys Images pour orchestre auf dem Programm.

Spross einer Dirigentenfamilie

»Ich wuchs mit Aufnahmen der Berliner Philharmoniker auf. Wir haben sie fast täglich gehört«, erzählt Paavo Järvi in einem Gespräch in der Digital Concert Hall. Kein Wunder, stammt der gebürtige Este aus einer berühmten Musikerfamilie. Sowohl Vater Neeme als auch Bruder Kristjan gehören zur Zunft der Dirigenten. Paavo Järvi, zur Zeit Chef der Kammerphilharmonie Bremen, des NHK Symphony Orchestra in Tokio und des Estonia Festival Orchestra sowie designierter Chefdirigent und Künstlerische Leiter des Tonhalle-Orchesters Zürich, gab im Jahr 2000 im Alter von 38 Jahren sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern. »Wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß, hätte ich mich noch nicht darauf eingelassen«, gesteht er schmunzelnd. In den letzten Jahren hat sich die Zusammenarbeit zwischen Orchester und Dirigent intensiviert. In dieser Saison leitet er das traditionelle Europakonzert am 1. Mai, das im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth stattfindet. Anschließend gibt er noch ein Gastspiel in Berlin, bei dem er neben einer Tondichtung und dem Violinkonzert (Solistin: Janine Jansen) von Jean Sibelius auch die Sechste Symphonie von Schostakowitsch interpretiert, die eine musikalische Reflexion über die Stalin-Ära ist.

Dirigent russischer Schule

Der 40-jährige Tugan Sokhiev zählt zu den Shooting-Stars seiner Generation. Er ist Chef zweier renommierter Klangkörper: des Orchestre National du Capitole de Toulouse und des Orchesters des Moskauer Bolschoi-Theaters. Von 2012 bis 2016 war er zudem Künstlerische Leiter des  Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin. In den Konzerten, die er seit seinem Debüt im Januar 2010 bei den Berliner Philharmonikern gegeben hat, stand meist eine reizvolle Mischung von französischer und russischer Musik auf dem Programm. Davon zeugte auch sein letzter Auftritt, bei dem César Francks Le Chasseur maudit, Sergej Rachmaninows Rhapsodie über ein Thema von Paganini für Klavier und Orchester (Solist: Nikolai Lugansky) und Nikolaj Rimsky-Korsakows Symphonische Suite Scheherazade erklangen. Dieses Mal präsentiert er sich erstmals bei den Berliner Philharmonikern mit einem Werk Ludwig van Beethovens, dem Drittem Klavierkonzert mit Yefim Bronfman als Solist. Außerdem dirigiert er zwei populäre Kompositionen des russischen Repertoires: Sergej Prokofjews Symphonie classique und Modest Mussorgskys Bilder einer Ausstellung. Nicht nur im Repertoire, sondern auch in seinem Dirigierstil wurzelt der gebürtige Nordossete in der russischen Tradition. Tugan Sokhiev ist ein Schüler des legendären Ilya Musin: »Das war das größte Glück, das mir bisher widerfahren ist. Musin war schon Anfang 90, aber er war großartig. Alles hat sich verändert, seit ich bei ihm war und wir würden heute garantiert nicht hierstehen, wenn ich nicht bei ihm studiert hätte.«

Paavo Järvi
(Foto: Kaupo Kikkas)
Tugan Sokhiev
(Foto: Marco Borggreve)

Hören Sie rein!


Die Dirigenten in der Digital Concert Hall

Konzerte

Donnerstag,

26. Apr 2018,
20:00 Uhr

Philharmonie

Aboserie: I

Do, 26. Apr 2018, 20:00 Uhr
Philharmonie

Berliner Philharmoniker

Alan Gilbert Dirigent

Wenzel Fuchs Klarinette

Werke von Thomas Adès, Wolfgang Amadeus Mozart und Claude Debussy

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Freitag,

27. Apr 2018,
20:00 Uhr

Philharmonie

Aboserie: L

Fr, 27. Apr 2018, 20:00 Uhr
Philharmonie

Berliner Philharmoniker

Alan Gilbert Dirigent

Wenzel Fuchs Klarinette

Werke von Thomas Adès, Wolfgang Amadeus Mozart und Claude Debussy

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Samstag,

05. Mai 2018,
19:00 Uhr

Philharmonie

Aboserie: K

Sa, 05. Mai 2018, 19:00 Uhr
Philharmonie

Berliner Philharmoniker

Paavo Järvi Dirigent

Lisa Batiashvili Violine

Werke von Jean Sibelius und Dmitri Schostakowitsch

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Sonntag,

06. Mai 2018,
20:00 Uhr

Philharmonie

Aboserie: D

So, 06. Mai 2018, 20:00 Uhr
Philharmonie

Berliner Philharmoniker

Paavo Järvi Dirigent

Lisa Batiashvili Violine

Werke von Jean Sibelius und Dmitri Schostakowitsch

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Donnerstag,

10. Mai 2018,
20:00 Uhr

Philharmonie

Aboserie: C

Do, 10. Mai 2018, 20:00 Uhr
Philharmonie

Berliner Philharmoniker

Tugan Sokhiev Dirigent

Yefim Bronfman Klavier

Werke von Sergej Prokofjew, Ludwig van Beethoven und Modest Mussorgsky

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Freitag,

11. Mai 2018,
20:00 Uhr

Philharmonie

Aboserie: B

Fr, 11. Mai 2018, 20:00 Uhr
Philharmonie

Berliner Philharmoniker

Tugan Sokhiev Dirigent

Yefim Bronfman Klavier

Werke von Sergej Prokofjew, Ludwig van Beethoven und Modest Mussorgsky

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Samstag,

12. Mai 2018,
19:00 Uhr

Philharmonie

Aboserie: G

Sa, 12. Mai 2018, 19:00 Uhr
Philharmonie

Berliner Philharmoniker

Tugan Sokhiev Dirigent

Yefim Bronfman Klavier

Werke von Sergej Prokofjew, Ludwig van Beethoven und Modest Mussorgsky

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