Elīna Garanča, Vilde Frang, Gerald Finley und Krystian Zimerman

Zu Gast bei den Osterfestspielen Baden-Baden 2018

Elīna Garanča
(Foto: Holger Hage)

Hosenrollen und starke Frauenfiguren – als burschikoser Octavian in Strauss’ Rosenkavalier, als kecker Cherubino in Mozarts Le nozze di Figaro, als integre Charlotte in Massenets Werther und vor allem als feurig-sinnliche Carmen in Bizets gleichnamiger Oper sang sich Elīna Garanča an die Weltspitze. Bei ihren Konzertauftritten mit den Berliner Philharmonikern zeigt sich die lettische Sopranistin gerne von einer anderen künstlerischen Seite und präsentiert sich mit eher selten gehörten Werken.

Operndiva auf ungewohnten musikalischen Wegen

Ihr Debüt bei dem Philharmonikern gab sie 2008 mit Luciano Berios Folk Songs. »Von Black is the colour bis zum aserbaidschanischen Tanzlied, gelingt es Garanča, den prophetischen Zauber einer Musik zu entfalten, die heutigem Multikulti vorangeht«, heißt es in der Kritik des Tagesspiegel. In dieser Saison gehört Elīna Garanča zu den vier Gastsolisten, die in den Orchesterkonzerten der Osterfestspiele Baden-Baden auftreten. Und auch hier stellt sie ihr Faible für ungewöhnliche Programme unter Beweis: Neben Alban Bergs Sieben frühen Liedern, die der Komponist als Liebesgabe für seine Frau Helene zusammengestellt hat, interpretiert sie unter der Leitung von Sir Simon Rattle Maurice Ravels exotischen, von der Frauenfigur aus Tausendundeiner Nacht inspirierten Liederzyklus Shéhérazade.

Bekanntes im neuen Sound

Ein ganz ungewohntes Hörerlebnis verspricht der Auftritt des Baritons Gerald Finley: Er singt bekannte Lieder Franz Schuberts, u. a. Prometheus und Erlkönig, in selten aufgeführten Instrumentierungen von Max Reger, Hector Berlioz und Johannes Brahms. Stilsicher, differenziert und nuancenreich – so die Presse nach Finleys Berliner Auftritt im März 2018 – sei sein Vortrag. Dabei vereint er seine Talente als Lied- und Konzertsänger auf kongeniale Weise. Der gebürtige Kanadier gehört seit 1994 zu den künstlerischen Partnern der Berliner Philharmoniker. In jüngster Zeit beeindruckte er bei ihnen mit seinem eifersüchtig-brutalen Golaud in Claude Debussys Pelléas et Mélisande und dem urwüchsigen Förster in Leoš Janáčeks Oper Das schlaue Füchslein. Während der Osterfestspiele ist Gerald Finley auch als Opernsänger zu erleben: In der Neuproduktion von Wagners Parsifal singt er die Partie des Amfortas.

Verjazzter Mahler?

Noch länger als Gerald Finley ist Krystian Zimerman den Berliner Philharmonikern verbunden. 1976, ein Jahr nach seinem spektakulären Sieg beim Chopin-Wettbewerb, debütierte der Pole bei den Berliner Philharmonikern: Unter der Leitung von Herbert Blomstedt interpretierte Krystian Zimerman Chopins e-Moll-Klavierkonzert. Er beeindruckte bei diesem Konzert - laut Presseberichten - durch geschliffene Technik, brillante Anschlagskultur und musikalische Ausdruckstärke. »Dieser Jung-Meister ist einfach ein Geschenk für die musikalische Welt«, jubelte der Kritiker der Berliner Morgenpost. Im Laufe der Jahre hörte man von ihm mit dem Orchester unter Herbert von Karajan, Seiji Ozawa, Claudio Abbado, Erich Leinsdorf, Valery Gergiev und Sir Simon Rattle sämtliche große Klavierkonzerte des 19. und 20. Jahrhunderts. Bei den Osterfestspielen 2013 begeisterte er mit dem Ersten Klavierkonzert von Johannes Brahms. Sein diesjähriger Beitrag erinnert an den 100. Geburtstag von Leonard Bernstein. Unter der Leitung von Simon Rattle spielt Zimerman den Klavierpart in dessen Symphonie Nr. 2 The Age of Anxiety, die von dem gleichnamigen Gedicht W. H. Audens inspiriert wurde und auf originelle Weise Elemente des Jazz mit dem Stil Gustav Mahlers mischt. Dieses Werk liegt dem Pianisten besonders am Herzen, hat er es doch zusammen mit dem Komponisten und dem London Symphony Orchestra im Rahmen des Bernstein Festivals 1986 aufgeführt.

Ein zärtliches Liebesbekenntnis

1986 ist auch das Jahr, in dem Vilde Frang in Oslo das Licht der Welt erblickte. Die norwegische Geigerin ist somit der Junior unter den vier Baden-Badener Gastsolisten. Beim Europakonzert 2016 in Røros gab sie mit Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert ihren umjubelten Einstand bei den Berliner Philharmonikern. Wie sie in einem Interview für die Digital Concert Hall verriet, dachte sie zunächst, die Einladung zu diesem Ereignis sei ein Scherz, weil sie die Nachricht genau am 1. April 2015 erhielt. Mittlerweile hat sie bereits ihren zweiten Auftritt mit dem Orchester absolviert. Im Dezember 2017 präsentierte sie in der Berliner Philharmonie das Erste Violinkonzert von Béla Bartók. Dieses Stück schrieb der ungarische Komponist unter dem Eindruck seiner unglücklichen Liebe zu der Geigerin Stefi Geyer. Das Wissen um diesen Hintergrund fasziniert die Musikerin: »Wenn ich etwas spiele, denke ich vor allem an die Musik, aber in diesem Fall …? Das Konzert zeichnet so klar und deutlich ein Porträt dieser jungen, wunderschönen Frau.« Sie beeindruckt außerdem, dass sich Bartók hier von einer ganz unbekannten Seite zeigt - nicht hart und ruppig, sondern sehr, sehr verwundbar.