Alain Altinoglu und Daniele Gatti

Am Pult der Berliner Philharmoniker

Daniele Gatti
(Foto: promo)

Das erste philharmonische Dirigentendebüt der neuen Saison bestreitet Alain Altinoglu. Der gebürtige Franzose, Jahrgang 1975, ist seit Januar 2016 Musikdirektor des Théâtre de la Monnaie in Brüssel und hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt: Nach dem Studium am Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris arbeitete er zunächst als Korrepetitor an der Opéra Bastille und erwarb sich dadurch gründliche Repertoirekenntnisse. Kein Wunder, dass er schon bald an den bedeutenden internationalen Opernhäusern reüssierte: u. a. an der Metropolitan Opera New York, dem Royal Opera House Covent Garden in London, dem Teatro Colón Buenos Aires, der Wiener Staatsoper, dem Opernhaus Zürich und der Deutschen Oper Berlin.

Erfolgreich als Opern- und Konzertdirigent

Doch auch als Konzertdirigent ist Altinoglu gefragt, wie seine Gastauftritte bei den großen internationalen Klangkörpern beweisen. Bei den Berliner Philharmonikern führt er sich mit einem hauptsächlich französischen Programm ein: mit Maurice Ravels Rapsodie espagnole, Albert Roussels zweiter Orchestersuite aus Bacchus et Ariane sowie mit einer vom Dirigierten selbst arrangierten Suite aus der Oper Pelléas et Mélisande von Claude Debussy. Zu Debussys Oper, die Altinoglu bereits in Zürich und Wien dirigierte, hat er – wie er in einem Interview des Tagesspiegel verriet − eine besondere Beziehung. »Die Lehrer meiner Lehrer waren die Schüler von Debussy, Ravel oder Fauré. Manche Sätze aus Pelléas et Mélisande sind in Frankreich zu Redewendungen geworden. Da gibt es eine tiefe Verbundenheit.« Außerdem leitet Altinoglu in der Philharmonie die Europäische Erstaufführung von Béla Bartóks Bratschenkonzert in der Fassung und Orchestrierung von Csaba Erdélyi aus dem Jahr 2016.

Italiener mit Faible für das deutsche Repertoire

Daniele Gatti leitete 1997 erstmals die Berliner Philharmoniker. Der gebürtige Mailänder, der sich der Tradition der großn italienischen Dirigenten wie Arturo Toscanini und Carlo Maria Giulini verpflichtet fühlt, führte sich mit einem ungarisch-französischen Programm ein: Hector Berlioz’ Carneval-Ouvertüre, Franz Liszts Klavierkonzert Nr. 2 mit Yefim Bronfman als Solisten sowie Béla Bartóks Konzert für Orchester. Er beeindruckte – wie den Rezensionen zu entnehmen ist – durch sein gleichzeitig kontrolliertes wie temperamentvolles Musizieren. Er sei ein »impulsiver Vollblutmusiker«. Als Dirigent gastiert Gatti, seit der Saison 2016/2017 Chef des Amsterdamer Concertgebouworkest, weltweit: an der Mailänder Scala ebenso wie an der New Yorker Met, an Londons Covent Carden oder bei den Bayreuther und den Salzburger Festspielen. Im Oktober 2014 feierte der Italiener nach 17 Jahren sein Comeback am Pult der Berliner Philharmoniker und präsentierte mit Werken von Richard Wagner, Johannes Brahms und Alban Berg ein rein deutsches Programm. Über Brahms schwärmte er damals in einem Interview für die Digital Concert Hall: »Brahms gestaltet die Form quasi nach mathematischen Prinzipien. Aber wenn du seine Kompositionen hörst, scheint es, als ob ihm die Musik ganz einfach aus der Feder geflossen ist. Jede einzelne Note ist perfekt kalkuliert.« Nach seinem letzten Gastauftritt im September 2016, bei dem Daniele Gatti mit Klassikern der französischen Moderne zu erleben war, kommt er nun wieder als Brahms-Interpret zu den Philharmonikern. Neben dessen Zweiter Symphonie dirigiert er außerdem die Symphonie Mathis der Maler von Paul Hindemith, ein Komponist, der ebenso wie Johannes Brahms eng mit der Geschichte der Berliner Philharmoniker verbunden ist.


Alain Altinoglu
(Foto: Marco Borggreve)