Quartett: Die hohe Kunst des musikalischen Dialogs

Die Ensembles der Konzertreihe

Emerson String Quartet
(Foto: Lisa Mazzucco)

Die Konzertreihe Quartett beginnt in dieser Saison mit den »Emersons«, einem der berühmtesten und gleichzeitig ungewöhnlichsten Streichquartette unserer Zeit. Schon im äußerlichen Auftreten unterscheiden sie sich von vergleichbaren Formationen: Bis auf den Cellisten spielen die Musiker im Stehen, außerdem wechseln sich die beiden Geiger am ersten Pult ab. 1976 in New York gegründet, feiert das Quartett in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag und nur ein Mal fand eine personelle Veränderung statt: Cellist David Finckel verließ 2013 das Ensemble, und statt seiner kam der Brite Paul Watkins. Scheinbar mühelos gelang dieser Wechsel, ohne Einbußen an künstlerischer Qualität. »Paul schaut mit frischem Blick auf die Dinge. Und das führt dazu, dass auch wir wieder einen frischen Blick bekommen«, meinten die Musiker in einem Interview. Bei seinem Auftritt im Kammermusiksaal interpretiert das Emerson String Quartet neben Werken von Tschaikowsky und Barber die Komposition Shroud, die der britische Komponist Mark-Anthony Turnage im Auftrag der Stiftung Berliner Philharmoniker und der Wigmore Hall schrieb.

Philharmonische Ensembles

Das aus vier philharmonischen Streichern bestehende Philharmonia Quartett initiierte anlässlich seines 30. Geburtstags 2015 einen saisonübergreifenden Jubiläumszyklus mit späten Streichquartetten von Ludwig van Beethoven und Dmitri Schostakowitsch, zwei Komponisten, die nicht nur in diesem Genre, sondern auch auf symphonischen Gebiet Maßstäbe gesetzt haben und die den vier Mitgliedern auch aus ihrer Orchesterarbeit bestens vertraut sind. »Beide Komponisten sind Brüder im Geiste, was die existenzielle Ernsthaftigkeit ihrer Musik angeht«, lautet die einhellige Meinung des Ensembles. Auf das Programm ihres Kammermusikabends hat es zum Abschluss des Zyklus Beethovens Opus 132 und Schostakowitschs Quartett Nr. 15 gesetzt. Auch die Musiker des nächsten Quartetts stammen aus den Reihen der Berliner Philharmoniker: Das Varian Fry Quartett gründete sich in der Spielzeit 2012/2013. Ihre gemeinsame Liebe zum Streichquartettspiel entdeckten die vier Musiker bereits während ihrer Zeit als Stipendiaten der Orchester-Akademie. Ihr musikalischer Mentor war damals Jan Diesselhorst, der so früh verstorbene Cellist der Berliner Philharmoniker und des Philharmonia Quartetts. Für seinen Auftritt im Kammermusiksaal hat das Varian Fry Quartett noch einen Gast eingeladen: den philharmonischen Solo-Klarinettisten Andreas Ottensamer, mit dem es u. a. Wolfgang Amadeus Mozarts berühmtes Klarinettenquintett aufführt.

Internationale Gäste

Der Geiger Christian Tetzlaff ist als Solist ein gern gesehener Gast in den Orchesterkonzerten der Berliner Philharmoniker, in der Saison 2014/2015 war er Artist in Residence. Nun präsentiert er sich erstmals mit seinem Quartett, in dem neben seiner Schwester Tanja, Solocellistin der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, noch die Geigerin Elisabeth Kufferath und die Bratscherin Hanna Weinmeister spielen. Alle vier sind höchst erfolgreich als Solisten, Orchestermusikerinnen oder Professorin, aus diesem Grund sind die Auftritte des Quartetts rar. Gleichwohl engagieren sich die Mitglieder seit mehr als 20 Jahren mit großer Begeisterung in diesem Ensemble. »Die Arbeit miteinander wird immer leichter«, verrieten sie unlängst in einem Interview. Neben Mozarts Es-Dur-Streichquartett und Bergs Opus 3 interpretieren sie auch Schuberts Streichquartett G-Dur, das – so Christian Tetzlaff – das »dollste Sück« und die »allergrößte Herausforderung« sei. Den Schlusspunkt der Konzertreihe setzt das Jerusalem Quartet, dessen Mitglieder Mitte der 1990er-Jahre als 16-jährige Teenager im Rahmen der Nachwuchsförderung des Jerusalem Music Centre und der Amerikanisch-Israelischen Kulturstiftung zusammenfanden. »Wir dachten nicht über die Zukunft nach. Wir konzentrierten uns nur darauf, ein Repertoire zu bilden, und genossen es, Teil dieses wunderbaren Ensembles zu sein«, erinnert sich Primarius Alexander Pavlovsky. Heute zählt die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Formation zu den international führenden Streichquartetten. 2011 fand an der Bratsche ein Wechsel statt: Ori Kam trat an die Stelle von Amihai Grosz, der als Erster Solobratscher zu den Berliner Philharmonikern ging. In dieser Saison ist das Jerusalem Quartet im Kammermusiksaal zusammen mit Sir András Schiff zu erleben. Nach dem Quartettsatz c-Moll von Franz Schubert führt es mit dem ungarischen Pianisten Klavierquintette von Johannes Brahms und Mieczysław Weinberg auf, einem jüdischen Komponisten und Freund Dmitri Schostakowitschs. So unterschiedlich beide Werke auch sind, so eint sie doch eines: der symphonische Gestus, der im Zusammenspiel von Klavier und Streichern entsteht.

Philharmonia Quartett
(Foto: Stephan Röhl)
Varian Fry Quartett
(Foto: Stephan Röhl)
Tetzlaff Quartett
(Foto: Georgia Bertazzi)
Jerusalem Quartett
(Foto: Felix Broede)

Musikalische Gäste

Der Klarinettist Andreas Ottensamer
(Foto: Monika Rittershaus)
Der Pianist András Schiff
(Foto: Priska Ketterer)

Konzerte

Dienstag,

25. Apr 2017
20:00 Uhr

Kammermusiksaal

Kammermusik | Aboserie: T - Quartett

Di, 25. Apr 2017 20:00 Uhr
Kammermusiksaal

Tetzlaff Quartett

Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Alban Berg und Franz Schubert

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Mittwoch,

24. Mai 2017
20:00 Uhr

Kammermusiksaal

Kammermusik | Aboserie: T - Quartett

Mi, 24. Mai 2017 20:00 Uhr
Kammermusiksaal

Jerusalem Quartet

Sir András Schiff Klavier

Werke von Franz Schubert, Mieczysław Weinberg und Johannes Brahms

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