Barocke Klangwelten

Die Konzertreihe »Originalklang«

Hesperion XXI
(Foto: MNAC-3)

Die vier Konzerte der Reihe Originalklang zeigen, wie vielseitig und stilistisch abwechslungsreich die Musik des Barockzeitalters war. Der erste Abend, den das Venice Baroque Orchestra bestreitet, widmet sich neben Werken von Francesco Geminiani und Benedetto Marcello Violinkonzerten des venezianischen Komponisten Antonio Vivaldi. Solist ist ein Geiger, der als ausgewiesener Spezialist für Vivaldi gilt: Giuliano Carmignola lernte die Werke des barocken Meisters über seinen Vater, Violinist in einem Liebhaberorchester, schon als Kind kennen. »Sie haben in der Sakristei einer alten Kirche geprobt, und als kleines Kind war ich häufig dabei und war fasziniert von dieser Musik und natürlich vom Ambiente, von den Kerzen, dem Geruch dort. Seitdem hat diese Musik immer große Gefühle in mir hervorgerufen«, verriet Carmignola in einem Interview. Kein Wunder, dass seine Vivaldi-Interpretationen begeistern und mitreißen. Er habe – so die Presse – einen »hinreißend luftigen Strich und warm durchglühten Ton.« Immer wieder wird auch sein temporeiches, virtuoses Spiel gewürdigt. »Bei Vivaldi ist die Virtuosität nur Mittel zum Zweck, zur musikalischen Raffinesse, zum Ausdruck«, erklärt der Geiger.

Musikalische Wiederentdeckungen

Jordi Savall und sein Ensemble Hespèrion XXI stehen für die kongeniale Darbietung spanischer Barockmusik. Dem unermüdlichen Forschergeist des katalanischen Gambisten und Dirigenten verdanken wir in den letzten Jahrzehnten eine Reihe spannender, musikalischer Wiederentdeckungen. »Eine schöne Musik zu entdecken ist immer ein Geschenk«, freut sich Savall. Zu ihrem Konzert im Kammermusiksaal bringen Savall und Hespèrion XXI auch das 1998 ins Leben gerufene mexikanische Tembembe Ensamble Continuo mit, das sich auf die Aufführung Alter Musik aus Lateinamerika spezialisiert hat. Gemeinsam präsentieren sie ein Programm mit Werke spanischer und lateinamerikanischer Komponisten des 16. und 17. Jahrhunderts, außerdem Weisen unbekannter irischer Komponisten des 18. Jahrhunderts. In ganz andere Klangwelten entführt das Konzert von Phantasm und Concerto Melante: Das 1994 von Laurence Dreyfus gegründete Gambenconsort Phantasm spielt Gambenmusik von Komponisten aus dem England des 16. und 17. Jahrhunderts, während das aus Mitgliedern der Berliner Philharmoniker bestehende Concerto Melante mit Gesangssolisten Dietrich Buxtehudes Kantatenzyklus Membra Jesu nostri vorstellt. Eine ungewöhnliche instrumental-vokale Mischung, die vor allem durch eines besticht: ihre meditative Suggestionskraft, die zu Kontemplation, Selbstbesinnung und Reflexion einlädt.

Mit allen Wassern gewaschen

Die Akademie für Alte Musik Berlin, eines der führenden Ensembles in Sachen historisch-informierter Aufführungspraxis, ist Stammgast der Reihe Originalklang. Ihr Programm trägt dieses Mal den Titel Wassermusiken und vereint vier barocke Tondichtung, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Thema »Wasser« auseinandersetzen: stürmisch-bedrohlich in Marin Marais’ Tempête oder spritzig-verspielt in Michel-Richard de Lalandes Divertissement Les Fontaines de Versailles. Georg Philipp Telemann schildert in einer Suite das Phänomen von Ebbe und Fluth und natürlich fehlt auch nicht Georg Friedrich Händels bekannte Wassermusik, die er für eine Bootsfahrt des englischen Königs George I. schrieb. Das Konzert der Akademie für Alte Musik leitet der Geiger Georg Kallweit.

Venice Baroque Orchestra
(Foto: Harald Hoffmann)
Giuliano Carmignola
(Foto: Anna Carmignola)
Tembembe Ensamble Continuo
(Foto: privat)
Concerto Melante
(Foto: Alessandro Cappone)
Phantasm
(Foto: Marco Borggreve)
Akademie für Alte Musik Berlin
(Foto: Uwe Arens)