Andris Nelsons, Daniele Gatti und Manfred Honeck

Am Pult der Berliner Philharmoniker

Andris Nelsons
(Foto: Monika Rittershaus)

Nach der Saisoneröffnung mit ihrem Chef Sir Simon Rattle haben die Berliner Philharmoniker für ihre nächsten Konzerte drei großartige Gastdirigenten eingeladen: Andris Nelsons, Daniele Gatti und Manfred Honeck. Nelsons bekannte in einem Interview für die Digital Concert Hall, dass es für ihn stets eine tolle Erfahrung sei, mit den Berliner Philharmonikern zu arbeiten, aber gleichzeitig auch eine große Verantwortung. »Ich bin daher vor jedem Konzert immer etwas nervös.« Seit seinem philharmonischen Debüt im Oktober 2010 stand der Dirigent, Sproß einer lettischen Musikerfamilie, bei 13 Konzertprogrammen am Pult des Orchesters – und stellte dabei stets seine Vielseitigkeit unter Beweis, egal ob Klassik, Romantik, Moderne oder Zeitgenössisches.

Steile Karriere

Der Zögling von Mariss Jansons gehört zu jener Generation von jungen Dirigenten, die innerhalb weniger Jahre zu Weltruhm gelang sind: Chefpositionen an der Lettischen Nationaloper, bei der Nordwestdeutschen Philharmonie in Herford, dem City of Birmingham Symphony Orchestra und – seit der Saison 2014/2015 – beim Boston Symphony Orchestra markieren die Stationen von Nelsons’ bemerkenswerter Karriere. Außerdem übernimmt er 2018 das Amt des Leipziger Gewandhauskapellmeisters. Bei seinen Gastauftritten im September 2016, die im Rahmen des Musikfests Berlin stattfinden, dirigiert er ein rein französisches Programm: Hector Berlioz’ expressive Symphonie fantastique, Claude Debussys verträumtes Prélude à l’après-midi d’un faune und Edgard Varèses anarchisches Arcana.

Comeback mit Wagner und Brahms

Daniele Gatti leitete 1997 erstmals die Berliner Philharmoniker. Der gebürtige Mailänder, der sich der Tradition der große italienischen Dirigenten wie Arturo Toscanini und Carlo Maria Giulini verpflichtet fühlt, führte sich mit einem ungarisch-französischem Programm ein: Hector Berlioz’ Carneval-Ouvertüre, Franz Liszts Klavierkonzert Nr. 2 mit Yefim Bronfman als Solisten sowie Béla Bartóks Konzert für Orchester. Er beeindruckte – wie den Rezensionen zu entnehmen ist – durch sein gleichzeitig kontrolliertes wie temperamentvolles Musizieren. Er sei ein »impulsiver Vollblutmusiker«. Als Dirigent gastiert Gatti, seit dieser Saison Chef des Amsterdamer Concertgebouworkest, weltweit: an der Mailänder Scala ebenso wie an der New Yorker Met, an Londons Covent Carden oder bei den Bayreuther und den Salzburger Festspielen. Im Oktober 2014 feierte der Italiener nach 17 Jahren sein Comeback am Pult der Berliner Philharmoniker und präsentierte mit Werken von Richard Wagner, Johannes Brahms und Alban Berg ein rein deutsches Programm. Dieses Mal ist Daniele Gatti mit Klassikern der französischen Moderne zu erleben: Claude Debussys impressionistisches Tongemälde La Mer, Henri Dutilleux’ avantgardistisches Métaboles und Arthur Honeggers apokalyptische Symphonie liturgique.

Selbstloser Diener der Kunst

Im Vergleich zu Andris Nelsons und Daniele Gatti erscheint Manfred Honeck noch als philharmonischer »Neuling«. Er wurde im Februar 2013 erstmals eingeladen, das Orchester zu dirigieren. Auf dem Programm standen neben Witold Lutosławskis Konzert für Orchester die Romanze für Violine und Orchester sowie das Violinkonzert von Antonín Dvořák mit Anne-Sophie Mutter als Solistin, und er beeindruckte – wie den Presseberichten zu entnehmen war – durch seine »selbstlose Kunst des Dienens«. Mit den Philharmonikern zusammenzuarbeiten fühle sich an, wie in einem Rolls Royce zu sitzen, schwärmte Honeck in einem Interview für die Digital Concert Hall. »Es wird auf jede Nuance reagiert.« Der Österreicher stammt aus einer Musikerfamilie und begann seine musikalische Karriere als Bratscher bei den Wiener Philharmonikern, ehe er die Dirigentenlaufbahn einschlug, die ihn u. a. als Erster Kapellmeister ans Opernhaus Zürich, als Chefdirigent des Schwedischen Radio-Symphonieorchesters nach Stockholm und als Generalmusikdirektor an die Staatsoper Stuttgart führte. Seit der Spielzeit 2008/2009 ist er Musikdirektor beim Pittsburgh Symphony Orchestra. Im März 2016 dirigierte er bei den Osterfestspielen Baden-Baden ein Orchesterkonzert als Einspringer für den erkrankten Yannick Nézet-Séguin und kehrt nun Ende September, Anfang Oktober mit einem ungewöhnlichen Programm ans Pult der Berliner Philharmoniker zurück: Es erklingt aus Antonín Dvořáks Oper Rusalka eine Fantasie, die Manfred Honeck aus Teilen des Werks zusammengestellt hat, außerdem die Achte Symphonie des tschechischen Komponisten. Gemeinsam mit dem Bariton Matthias Goerne führen die Philharmoniker und Manfred Honeck Orchesterlieder von Richard Strauss sowie für Orchester instrumentierte Lieder von Franz Schubert auf.


Daniele Gatti
(Foto: promo)

Manfred Honeck
(Foto: Monika Rittershaus)