Auf dem Weg zum Orchesterprofi

Die Junge Deutsche Philharmonie gastiert in Berlin

(Foto: Junge Deutsche Philharmonie)

Sie gilt als Kaderschmiede für den Orchestermusikernachwuchs: Die Junge Deutsche Philharmonie ermöglicht Instrumentalisten im Alter von 18 bis 28 Jahren auf professionellen Niveau erste Erfahrungen in einem Klangkörper zu sammeln. Die Mitglieder, die sich durch ein Probespiel qualifizieren müssen, studieren an deutschen Musikhochschulen, gehören mit zu den Besten ihres Fachs und wollen alle Orchestermusiker werden. »Die jungen Studenten sind voller Idealismus«, meint Jonathan Nott, seit 2014 Erster Dirigent und Künstlerischer Berater. »Sie haben den Wunsch zu lernen und mit guten Leuten Musik zu machen.« Mehrmals jährlich kommt das Orchester zu intensiven Probenphasen zusammen, um das Programm ihrer Frühjahrs- und Herbsttourneen einzustudieren. Auf diese Weise können sich die jungen Instrumentalisten auf ihren zukünftigen Beruf vorbereiten. Doch nicht nur das: Die 1974 gegründete Junge Deutsche Philharmonie versteht sich als Orchester, in dem die Mitglieder demokratisch an der Programmplanung sowie der Wahl der Dirigenten und Solisten beteiligt sind. Zeitgenössische Musik bildet einen wichtigen Schwerpunkt des Repertoires und darf in fast keinem Konzertprogramm fehlen.

Ganz eigene Programmgestaltung

Von der speziellen Programmkonzeption der Jungen Deutschen Philharmonie zeugen auch die Konzerte, die das Orchester in der Berliner Philharmonie gab. Beim ersten Auftritt auf Einladung der Stiftung Berliner Philharmoniker 2002 erklangen neben Joseph Haydns Symphonie Nr. 45 und Ausschnitten aus Richard Wagners Tristan und Isolde auch Hans Werner Henzes Tristan Préludes. 2015 gastierten sie letztmals auf Einladung der Stiftung Berliner Philharmoniker in der Philharmonie und präsentierten neben Anton Bruckners Neunter Symphonie Sofia Gubaidulinas Violakonzert mit Antoine Tamestit als Solisten. Was den Bratscher an der Arbeit mit dem Studentenorchester reizt? »Diese jungen Menschen sind so erpicht darauf, ein gutes Ergebnis abzuliefern. Sie stecken all ihr Herzblut in die Musik, in die Konzerte.«

Von der Endlichkeit des Seins

Nach einem Gastauftritt beim Musikfest 2016 kommt das Orchester nun am 12. März im Rahmen seiner Frühjahrstournee wieder auf Einladung der Philharmoniker nach Berlin. Abgesang lautet der Titel des Programms, das aus Gustav Mahlers erschütternden Kindertotenliedern und Dmitri Schostakowitschs letzter Symphonie besteht, zwei Werke, die die Endlichkeit des Seins thematisieren. Der Beginn des Programms hingegen gibt sich mit Maurice Ravels Valses nobles et sentimentales heiter und beschwingt. Solistin ist die Mezzosopranistin Michelle Breedt, die Leitung hat Jonathan Nott. Mit ihrem Enthusiasmus wollen die Musiker – so Bratscher Gabriel Müller – vor allem auch Altersgenossen begeistern: »Für uns ist es ein besonderer Auftrag und gleichzeitig Chance, jungen Leuten klassische Musik näherzubringen und sie mit den Instrumenten und dem Orchester vertraut zu machen.«