Joyce DiDonato: Frieden inmitten des Chaos

Die Mezzosopranistin mit einem szenischen Arienabend

(Foto: Brooke Shaden)

Für Joyce DiDonato ist ihr neustes musikalisches Projekt mehr als ein Abend mit mitreißenden barocken Opernarien. Es ist für die Mezzosopranistin eine Herzensangelegenheit. »In der Welt von 2016 lebend, fühle ich mich zuweilen der Versuchung ausgesetzt, in den Turbulenzen und dem Pessimismus zu versinken, der alle Bereiche unseres Lebens durchdringt«, gesteht Joyce DiDonato. Mit ihrem Programm »In Krieg und Frieden – Harmonie durch Musik« will sie einen Gegenentwurf präsentieren und Möglichkeiten aufzeigen, das Chaos zu überwinden.

Im Strudel der Gefühle

Ihre Programmzusammenstellung macht deutlich: Ängste, Sorgen, Verzweiflung, aber auch Liebe und Hoffnung sind Gefühle, die die Menschen zu allen Zeiten gespürt und durchlitten haben. Heute genauso wie im 18. Jahrhundert. Die barocken Opernheldinnen, die Joyce DiDonato mit ihrem Gesang zum Leben erweckt, sind verstrickt in politische Intrigen, tödliche Konflikte und tragische Liebesgeschichten. Für Komponisten wie Georg Friedrich Händel, Henry Purcell und Leonardo Leo bildeten die Situationen, die diese Frauen meistern müssen, eine ideale Plattform, ihre Affekte und Emotionen eindrucksvoll in Musik zu setzen. Und sie zeigen gleichzeitig, wie destruktiv Hass und Machtgier sein können und wie wichtig Gelassenheit, Großherzigkeit und Mitgefühl für ein friedvolles Zusammenleben sind. »Letztlich habe ich in dieser Musikauswahl zu vermitteln versucht, dass die Macht, das Zünglein an der Waage zum Frieden hin ausschlagen zu lassen, auf jeden Fall bei jedem von uns liegt«, meint die Sängerin.

Ein optisches Gesamtkunstwerk

Die Opern des Barock waren ein Gesamtkunstwerk, in dem Musik und Szenerie als gleichberechtigte Faktoren nebeneinander standen. Joyce DiDonato ist sich dessen bewusst und deswegen kommt bei diesem Programm auch das Visuelle nicht zur kurz. Der Regisseur Ralf Pleger hat eine Multimedia-Show entwickelt, die die dramatischen Aspekte der Musik unterstreicht. Gleiches gilt für die Einlagen des Tänzers Manuel Palazzo. Musikalisch begleitet wird die Mezzosopranistin von Il pomo d’oro, einem 2012 gegründeten Ensemble, das sich auf die Aufführung barocker Opern spezialisiert hat. Die Leitung des Abends hat Maxim Emelyanychev. Übrigens: Joyce DiDonato ist in dieser Saison noch einmal mit den Berliner Philharmonikern zu erleben. Unter der Leitung von Yannick Nézet-Séguin singt sie die Scène lyrique La Mort de Cléopâtre von Hector Berlioz und bringt damit eine weitere faszinierende Frauengestalt auf das Podium der Philharmonie.

(Foto: Brooke Shaden)