Bernard Haitink, Tugan Sokhiev und Iván Fischer

Am Pult der Berliner Philharmoniker

Bernard Haitink
(Foto: Chris Christodoulou)

Kaum ein Gastdirigent ist den Berliner Philharmonikern länger und beständiger verbunden als Bernard Haitink. Im März 1964, nur wenige Monate nach der Eröffnung der von Hans Scharoun erbauten Philharmonie, stand der Niederländer zum ersten Mal am Pult des Orchesters. Damals war er 35 Jahre jung und seit drei Jahren Chef des Royal Concertgebouw Orchestra in Amsterdam.

Ein unauffälliger Anfang

Sein Debüt stand im Schatten eines anderen philharmonischen Ereignisses: Claudio Arrau spielte einen Zyklus mit allen fünf Klavierkonzerten Ludwig van Beethovens. An den Abenden, die Haitink dirigierte, standen die Konzerte Nr. 1 und 5 auf dem Programm. Der Fokus der Konzertkritik lag natürlich auf dem Pianisten, der junge Dirigent wurde nur mit wenigen, wenngleich wohlwollenden Worten bedacht: Aufgeschlossen, aufmerksam und feinfühlig sei sein Dirigat gewesen, hieß es allgemein. Nur der Tagesspiegel prophezeite: »Es könnte sein, dass in ihm ein wirklicher Beethoven-Dirigent heranwächst, dessen der moderne Konzertsaal so dringend bedarf.« Der Kritiker sollte Recht behalten: Im Laufe weniger Jahre entwickelte sich Bernard Haitink zu einem Spezialisten für die Werke des Wiener Klassikers. Aber nicht nur das. Brahms, Bruckner, Mahler wurden zu weiteren Fixpunkten seines Repertoires. Und ein Werk Gustav Mahlers steht auch bei Haitinks Gastauftritten im Oktober auf dem Programm: Das Lied von der Erde, ein Werk, das der Dirigent zum ersten Mal mit den Philharmonikern aufführt. Solist ist der Bariton Christian Gerhaher.

Dirigent russischer Schule

Nur sechs Monate liegt Tugan Sokhievs letztes Konzert mit den Berliner Philharmonikern zurück: In April 2016 dirigierte er neben Gabriel Faurés Orchestersuite Pelléas et Mélisande, Maurice Ravels Klavierkonzert G-Dur mit Jean-Yves Thibaudet als Solist und César Francks Symphonie d-Moll. Der 37-jährige Dirigent zählt zu den Shooting-Stars seiner Generation. Bis vor kurzem war er Chef dreier renommierter Klangkörper: des Orchestre National du Capitole de Toulouse, des Orchesters des Moskauer Bolschoi-Theaters und des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, dessen Leitung er im Sommer 2016 aufgab. In den Konzerten, die er seit seinem Debüt im Januar 2010 bei den Berliner Philharmonikern gegeben hat, stand meist eine reizvolle Mischung von französischer und russischer Musik auf dem Programm. So auch bei seinem nächsten Auftritt: Tugan Sokhiev leitet César Francks Le Chasseur maudit, Sergej Rachmaninows Rhapsodie über ein Thema von Paganini für Klavier und Orchester (Solist: Nikolai Lugansky) und Nikolaj Rimsky-Korsakows Symphonische Suite Scheherazade. Nicht nur im Repertoire, sondern auch in seinem Dirigierstil wurzelt der gebürtige Nordossete in der russischen Tradition. Tugan Sokhiev ist ein Schüler des legendären Ilya Musin: »Das war das größte Glück, das mir bisher widerfahren ist. Musin war schon Anfang 90, aber er war großartig. Alles hat sich verändert, seit ich bei ihm war und wir würden heute garantiert nicht hierstehen, wenn ich nicht bei ihm studiert hätte.«

Geprägt von Hans Swarowsky und Nikolaus Harnoncourt

Iván Fischer, Chefdirigent des Konzerthausorchesters Berlin und Gründer des Budapester Festivalorchesters, zählt seit 1989 zu den Gastdirigenten der Berliner Philharmoniker und hat sich bei ihnen hauptsächlich als Interpret Haydns und Mozarts sowie ungarischer Komponisten, allen voran Béla Bartók, profiliert. Bei seinem letzten Auftritt im Januar 2016 führte er erstmals mit den Philharmonikern die Dritte Symphonie von Gustav Mahler auf, jenes Werk, mit dem sich Fischer 2012 dem Berliner Publikum als designierter Chef des Konzerthausorchesters vorstellte und mit dem er seine Zuhörer zu stürmischen Beifallskundgebungen hinriss. Dem Œuvre Gustav Mahlers fühlt sich Fischer zutiefst verbunden. Nicht allein, dass er dessen Symphonien immer wieder auf die Programme seiner Konzerte setzt und auf Tonträger einspielt, er gründete in seinem Heimatland Ungarn das Budapester Mahler-Fest und die Ungarische Mahler-Gesellschaft, um die Musik des Komponisten dort bekannter zu machen. Seine musikalische Ästhetik wurde am Anfang seiner Laufbahn von zwei vollkommen gegensätzlichen Dirigentenpersönlichkeiten geprägt: von dem Lehrer Hans Swarowsky und von Nikolaus Harnoncourt, dessen Assistent Fischer war und der ihm vermittelte, dass Musik eine Art von zwischenmenschliche Kommunikation sei. Seine internationale Karriere startete der Ungar 1976 nach dem triumphalen Sieg beim Dirigentenwettbewerb der Rupert Foundation in London. In dieser Saison ist Iván Fischer bei den Philharmonikern mit Werken von George Enescu, Béla Bartók und Wolfgang Amadeus Mozart zu erleben.


Tugan Sokhiev
(Foto: Mat Hennek)

Iván Fischer
(Foto: Marco Borggreve)