Alan Gilbert und Christian Thielemann

Am Pult der Berliner Philharmoniker

Christian Thielemann
(Foto: Matthias Creutzinger)

Bevor Sir Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker das Jahr mit einem Wagner-Programm und dem traditionellen Silvesterkonzert ausklingen lassen, stehen noch zwei geschätzte Gastdirigenten am Pult des Orchesters: Alan Gilbert und Christian Thielemann.

Der Mann aus New York

Seit Alan Gilbert im Februar 2006 kurzfristig für den erkrankten Bernard Haitink eingesprungen ist, zählt der gebürtige New Yorker zu den regelmäßigen Gästen des Orchesters. Wie er in einem Interview für die Digital Concert Hall verriet, liegt für ihn als Dirigent die größte Herausforderung darin, eine ausgewogene Balance zwischen der Gesamtarchitektur und den Details einer Komposition zu schaffen. Nur dann gelänge es, die Musik wirklich zum Fließen zu bringen. An den Berliner Philharmonikern fasziniere ihn, dass jeder Musiker die Persönlichkeit eines Solisten besitze, sich aber dennoch problemlos in den Gesamtklang einfügen könne. »Dadurch entsteht eine ganz besondere Art von Gruppenenergie.« In den Konzertprogrammen, die er bislang bei den Philharmonikern dirigierte, nahmen die Werke tschechischer Komponisten einen großen Raum ein: Antonín Dvořáks Symphonische Dichtung Die Mittagshexe und sein Cellokonzert, Bohuslav Martinůs Vierte Symphonie oder Leoš Janáčeks Violinkonzert Putování dušičky (Wanderung einer kleinen Seele). Bei seinem letzten Besuch wandte er sich anderen symphonischen Regionen zu und dirigierte Felix Mendelssohn Bartholdys »Schottische« und Carl Nielsens Dritte Symphonie. Dieses Mal stellt Alan Gilbert, der 2009 als erster New Yorker Chef der New York Philharmonic wurde, zwei Werke seines Landsmann John Adams vor, dem aktuellen Composer in Residence: Short Ride in a Fast Machine und Lollapalooza für Orchester. Weitere Programmpunkte sind Béla Bartóks Violinkonzert mit Frank Peter Zimmermann als Solist und Peter Tschaikowskys Vierte Symphonie.

Philharmonische Begeisterung von Anfang an

Christian Thielemanns Beziehung zu den Berliner Philharmonikern begann lange bevor der Dirigent im Juni 1996 erstmals am Pult des Orchesters stand: Der dunkel-samtige Klang der Philharmoniker hat den gebürtigen Berliner von frühester Jugend an beeindruckt – ebenso wie die beiden Chefdirigenten, Wilhelm Furtwängler und Herbert von Karajan, deren Klangverständnis Thielemann nachhaltig prägte. Später empfing er wichtige Inspirationen als Stipendiat der Orchester-Akademie, an der er Bratsche studierte, und als Assistent von Herbert von Karajan. Bei seinem philharmonischen Debüt fühlte sich der Dirigent, damals designierter Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin, daher ganz in der Tradition des Orchesters stehend. Die Presse feierte den philharmonischen Debütanten als »hochemotional, jung, temperamentvoll«. In den folgenden Jahren entwickelte sich zwischen den Berliner Philharmonikern und den jungen Dirigenten eine intensive Zusammenarbeit. »Ich bin hier völlig zu Hause«, gestand er in einem Interview der Digital Concert Hall. »Immer wieder zu einem Orchester zurückzukehren, erleichtert die Arbeit sehr.« Von Beginn seiner Karriere an widmet sich Christian Thielemann, der derzeit in leitender Funktion der Sächsischen Staatskapelle Dresden, den Salzburger Osterfestspielen und den Bayreuther Festspielen verbunden ist, mit Vorliebe dem deutschen romantischen Repertoire. Davon zeugen auch seine philharmonischen Programme: Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Johannes Brahms, Anton Bruckner und immer wieder Richard Strauss. Im Dezember 2016 dirigiert er zwei Konzertserien: In der ersten präsentiert er Sofia Gubaidulinas Violinkonzert In tempus praesens mit Gidon Kremer als Solist sowie Anton Bruckners f-Moll-Messe. In der zweiten erklingen Ludwig van Beethoven Klavierkonzert Nr. 1 (Solist: Rudolf Buchbinder) und die Siebte Symphonie von Anton Bruckner. Alles Werke, die Thielemann noch nie zusammen mit den Philharmonikern, interpretiert hat.

Alan Gilbert
(Foto: Chris Lee)


Die Dirigenten in der Digital Concert Hall