Ferruccio Busoni und die Berliner Philharmoniker

Zum 150. Geburtstag des Künstlers

(Foto: Archiv Berliner Philharmoniker)

Er war ein musikalisches Allroundtalent: Pianist, Komponist, Dirigent, Schriftsteller und Pädagoge. Ferruccio Busoni, 1866 als Spross einer italienischen Musikerfamilie in Empoli bei Florenz geboren, wuchs von Anfang an in das Leben eines reisenden Künstlers hinein. Die Eltern förderten das herausragende pianistische und kompositorische Talent ihres Sohnes. Busoni konzertierte als Siebenjähriger erstmals öffentlich und avancierte in den folgenden Jahren zu einem der wichtigsten Pianisten seiner Zeit, manchen galt er als der bedeutendste seit Franz Liszt. Hinzu kam Busonis Drang, auch als Dirigent und Komponist zu reüssieren, außerdem machte er sich in seinen Schriften Gedanken zur Ästhetik einer modernen Tonkunst.

Ein Italiener in Berlin

Ferruccio Busoni, der als Künstler internationale Strahlkraft besaß, ließ sich 1894 in Berlin nieder, das mit Unterbrechungen bis zu seinem Tod 1924 sein ständiger Wohnsitz blieb. Anlässlich des 150. Geburtstags Busonis präsentiert die Staatsbibliothek zu Berlin im Rahmen des Musikfests Berlin ab 4. September 2016 eine Ausstellung über den vielseitigen Künstler. Aber nicht nur mit Berlin, auch mit den Berliner Philharmonikern ist sein Wirken auf das Engste verknüpft: Am 28. Januar 1895 trat Busoni erstmals unter der Leitung von Richard Strauss als Solist mit Franz Liszts Klavierkonzert Nr. 2 in einem philharmonischen Konzert auf. Damit begann eine ebenso intensive wie fruchtbare Zusammenarbeit zwischen ihm und dem Orchester. Nicht allein, dass er regelmäßig als Pianist konzertierte, am 8. Oktober 1897 stellte sich der Italiener erstmals bei den Philharmonikern auch als Dirigent eigener Werke vor. Auf dem Programm standen seine Lustspiel-Ouvertüre, das Symphonische Tongedicht, sein Violinkonzert und die Geharnischte Suite. »Bedauerliche Kakophonien, unruhige, unlogische harmonische Folgen, lärmende Instrumentation, eckige melodische Linien, das ist der Eindruck, den ich und wohl alle mit gesundem Geschmack begabten Zuhörer davon getragen haben«, schrieb der Kritiker der Neuen Zeitschrift für Musik.

Ein Education-Programm der besonderen Art

Unverdrossen und risikofreudig setzte sich Busoni für ungewöhnliche Konzertformate ein. Im Oktober und November 1898 zeichnete er in einem vierteiligen Zyklus die Entwicklung des Klavierkonzerts von Johann Sebastian Bach bis in die Neuzeit nach; ab 1902 realisierte er gemeinsam mit den Philharmonikern die sogenannten »Novitäten-Konzerte«, in denen er die Werke zeitgenössischer Kollegen vorstellte – »ohne auf materielle Vortheile zu zielen«, wie er in der Presse schrieb. Dank dieser Reihe, die allerdings von der Musikkritik oftmals herablassend besprochen wurde, kamen Komponisten wie Edward Elgar oder Jean Sibelius in die Konzertprogramme der Berliner Philharmoniker. Nach einer fünfjährigen Abwesenheit zwischen 1915 bis 1920 verlebte Ferruccio Busoni, den die anstrengenden Reisen und die Unsicherheiten der Kriegsjahre gesundheitlich geschwächt hatten, seine letzten Lebensjahre wieder in Berlin. Letztmalig dirigierte er die Berliner Philharmoniker im April 1922 als Einspringer für Bruno Walter. Einen Monat später war er nochmals als Solist von Beethovens Fünften Klavierkonzert in dem Festkonzert zum 40jährigen Bestehen des Orchesters zu erleben. Am 27. Juli 1924 starb Ferruccio Busoni in seiner Wohnung am Berliner Viktoria-Luise-Platz.

1897 debütierte Busoni als Dirigent eigener Werke bei den Berliner Philharmonikern.
(Foto: Archiv Berliner Philharmoniker)

BUSONI: Freiheit für die Tonkunst!

Ausstellung vom 4. September 2016 bis 8. Januar 2017 in der Kunstbibliothek am Kulturforum

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Busoni begleitete die Berliner Philharmoniker auch als Solist auf ihren Tourneen.
(Foto: Archiv Berliner Philharmoniker)