Gipfeltreffen - Reformation

Bundesjugendorchester und Bundesjugendballett in der Philharmonie

(Foto: Peter Adamik)

500 Jahre Reformation – Dieses Jubiläum nahmen das Bundesjungendorchester und das Bundesjugendballett zum Anlass, ihre Kooperation von 2014 in einem besonderen künstlerischen Projekt fortzusetzen: Tänzerisch und musikalisch zeigen beide Insitutionen, wie das Ereignis von Luthers Reformation junge Künstler von heute inspiriert.

Reformatorische Vielfalt

Das Bundesjungendorchester eröffnet das Programm mit Felix Mendelssohn Bartholdys Symphonie Nr. 5, der sogenannten Reformations-Symphonie, in der der Komponist den Luther-Choral Ein feste Burg verarbeitet hat. Des Weiteren werden zwei Werke von zeitgenössischen Komponisten vorgestellt: Michel van der Aas Reversal bezieht sich auf den fundamentalen Richtungswechsel, den Luther angestoßen hat, während Enjott Schneiders Symphonisches Orchestergedicht Ein feste Burg nicht nur auf die Reformation, sondern auch auf Mendelssohn Bezug nimmt. Die Gastchoreografen Zhang Disha und Andrey Kaydanovskiy überführen in diesen beiden Stücken das musikalische Erbe Luthers und des Protestantismus in die Gegenwart. Eine Premiere krönt den Abend: Johann Sebastian Bachs Dritte Orchestersuite in der Choreografie von John Neumeier. Die Arbeit des Gründungsintendanten wird vom Bundesjugendballett zum ersten Mal in Gänze und in Begleitung eines Live-Orchesters präsentiert.

Künstlerische Talentschmieden

In dem 2011 von John Neumeier gegründete Bundesjugendballett bekommen acht Tänzerinnen und Tänzer zwei Jahre lang die Gelegenheit, unkonventionelle künstlerische Projekte zu realisieren. Vom klassischen Tanz kommend und von erfahrenen Choreografen betreut, treten die jungen Tänzer mit ihren Programmen nicht nur in Theatern und auf Festivals, sondern auch an ungewöhnlichen Orten auf, beispielsweise in Altersheimen, Schwimmbädern und Gefängnissen. Während die Mitglieder des Bundesjugendballetts bereits eine abgeschlossene Ausbildung besitzen, sind die Mitglieder des Bundesjugendorchester noch keine fertigen Musiker. Seit 1969 ermöglicht das Bundesjugendorchester begabten Instrumentalisten zwischen 14 und 19 Jahren, erste Erfahrungen in einem Symphonieorchester zu sammeln – auf professionellem Niveau. Schon das Aufnahmeverfahren ist wie bei den »Großen«: Nur wer das Probespiel besteht, kann Mitglied werden.

Musikalischer Botschafter Deutschlands

Drei Mal jährlich kommen die Jugendlichen für drei Wochen zusammen, um unter Anleitung von erfahrenen Orchestermusikern und Dirigenten ein Konzertprogramm einzustudieren, mit dem sie anschließend auf Tournee gehen. Für Sir Simon Rattle, Gustavo Dudamel oder Kirill Petrenko ist das Arbeiten mit den jungen Musikern eine Herzensangelegenheit. 2008 gastierte das Bundesjugendorchester zum ersten Mal auf Einladung der Stiftung Berliner Philharmoniker im scharounschen Musentempel; seither kommt es jährlich nach Berlin und wirkt auch immer wieder bei den Osterfestspielen Baden-Baden mit. 2013 übernahmen die Berliner Philharmoniker die Patenschaft für das Bundesjugendorchester, das jährlich ca. 25 Konzerte gibt, nicht nur in Deutschland, sondern – als musikalischer Botschafter seines Heimatlandes – auf der ganzen Welt.


Osterfestspiele Baden-Baden 2014: Sir Simon Rattle probt mit dem Bundesjugendorchester
(Foto: Monika Rittershaus)
Die philharmonischen Musiker Nikolaus Römisch und Ulrich Knörzer waren selbst einmal Mitglieder des Bundesjugendorchesters.
(Foto: Monika Rittershaus)