Am 22. April 2016 wäre Yehudi Menuhin 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass erinnern die Berliner Philharmoniker mit einer Ausstellung im Foyer der Philharmonie an den weltberühmten Geiger. Die Schau, die vom 17. April bis zum 22. Juni gezeigt wird, widmet sich mit zahlreichen Fotos, Programmheftauszügen sowie Film- und Tondokumenten vor allem der langjährigen Verbindung Menuhins mit dem Orchester und Berlin. Die 60 Jahre währende künstlerische Partnerschaft begann am 12. April 1929, als der damals erst zwölfjährige Geiger unter der Leitung von Bruno Walter mit dem E-Dur-Violinkonzert von Bach sowie den Konzerten von Beethoven und Brahms debütierte. Der Abend war eine Sensation und markierte den Beginn einer großen Karriere. »Das Konzert in Berlin […] war eine Art Apotheose und ein Meilenstein in meinem Leben«, schrieb der Musiker später in seinen Erinnerungen. Danach kam er zunächst nur noch einmal, am 14. Dezember 1931, zum Orchester – wieder war Bruno Walter der Dirigent. Nach 1933 durften jüdische Musiker wie Menuhin und Walter in Deutschland nicht mehr öffentlich konzertieren.

Spekatkuläre Rückkehr

Als einer der ersten jüdischen Musiker reiste Yehudi Menuhin schon bald nach Ende des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland – und zog sich dadurch den Unmut vieler Amerikaner und Holocaust-Überlebender zu. Er trat zunächst in zwei von Wilhelm Furtwängler geleiteten Konzerten am 28. und 30. September 1947 im Titania-Palast auf. Es folgten Konzerte in den Jahren 1948, 1949 und 1952 mit den Dirigenten Furtwängler, Sergiu Celibidache und Leopold Ludwig. Zwei Reisekonzerte mit Herbert von Karajan im Jahr 1956 sowie ein Berliner Konzert im Februar 1964, bei dem Menuhin zum ersten Mal als Dirigent der Philharmoniker zu erleben war, blieben zunächst Intermezzi. Erst von 1973 an war der Künstler dann regelmäßig Solist und Gastdirigent des Orchesters – an insgesamt 45 Konzertabenden.

Solist und Dirigent

In seinen Philharmoniker-Konzerten musizierte Yehudi Menuhin mit insgesamt zehn Dirigenten: Bruno Walter, Wilhelm Furtwängler, Leopold Ludwig, Sergiu Celibidache, Herbert von Karajan, Edmond de Stoutz, Anthony Ridley, Seiji Ozawa, Zubin Mehta und James Judd. Solisten in Konzerten, die Menuhin dirigierte, waren die Pianisten Alexis Weissenberg, Jeremy Menuhin, Joaquin Achúcarro und Paul Coker, die Geiger Nigel Kennedy, Elisabeth Glass und Rosa Fain, Mitglieder der Berliner Philharmoniker sowie eine Reihe von Sängern. Menuhins Repertoire reichte von Bach, Händel, Corelli, Vivaldi über Mozart, Haydn, Beethoven, Mendelssohn Bartholdy, Schubert und Brahms bis zu Komponisten des 20. Jahrhunderts). 1974 ernannten die Berliner Philharmoniker Yehudi Menuhin zum Ehrenmitglied des Orchesters, 1979 wurde ihm die Hans-von-Bülow-Medaille verliehen.