Mit Pierre Boulez verlieren die Berliner Philharmoniker einen langjährigen musikalischen Partner und engen Freund. Ab 1961 war Boulez dem Orchester als Dirigent verbunden und zählte ab den 1990er-Jahren zu seinen häufigsten Gästen. Den Schwerpunkt bildeten dabei Werke des frühen 20. Jahrhunderts, vor allem von Bartók, Ravel, Debussy, Strawinsky, Berg und Webern. Einen Höhepunkt markierte sein Auftritt beim Europakonzert der Berliner Philharmoniker im Hieronymus-Kloster in Lissabon im Jahr 2003, das international im Fernsehen übertragen wurde. Auch als Komponist war Pierre Boulez für die Berliner Philharmoniker von außerordentlicher Bedeutung. Nicht nur bei Boulez’ eigenen Gastspielen haben die Berliner Philharmoniker seine Werke regelmäßig interpretiert. So standen seine Notations für Orchester 2013 auf dem Programm der Asien-Tournee mit Sir Simon Rattle. Die besondere Verbindung zwischen Pierre Boulez und den Berliner Philharmonikern zeigte sich ebenso 2005 bei einem gemeinsamen Konzert zur Feier von Boulez’ 80. Geburtstag.

»Überragende geistige Kraft«

Ulrich Knörzer, Mitglied des Orchestervorstands: »Wir trauern um einen Künstler, in dem sich unbestechlicher Scharfsinn mit großer persönlicher Liebenswürdigkeit verband. Seine überragende geistige Kraft zeigte sich auch in seinen eigenen Kompositionen, die uns durch ihre intelligente Gestaltung ebenso beeindruckt haben wie durch ihre sinnliche Farbigkeit. Bei den Werken der klassischen Moderne, die er besonders oft bei uns dirigierte, war er im Auftreten zurückhaltend, ohne überladene Gesten. Da er selbst Komponist war, hatte er grenzenloses Vertrauen in die Partitur einerseits und zu uns Musikern andererseits. Dieses Vertrauen erfüllt uns im Rückblick auf die vielen gemeinsamen Konzerte mit großer Dankbarkeit.« Sir Simon Rattle würdigt den Verstorbenen mit folgenden Worten: »Er war ein großer Komponist, ein wunderbarer Dirigent und ein humorvoller, weiser, großzügiger Mensch. Wir alle haben unendlich viel von Pierre Boulez gelernt und durch ihn das Musikhören neu entdeckt. Die Welt der Musik ist ohne ihn kleiner geworden.«