Ein Newcomer und drei langjährige künstlerische Weggefährten der Berliner Philharmoniker sind in dieser Saison Gäste der Konzertreihe Klavier: Francesco Piemontesi, Krystian Zimerman, Piotr Anderszewski und Maurizio Pollini. Vier komplett unterschiedliche musikalische Persönlichkeiten, die jedoch eines eint: Trotz ihres überragenden technischen Könnens setzen sie nie auf vordergründige Virtuosität und Brillanz, sondern verstehen es, der Musik neue, ungewohnte Sichtweisen abzugewinnen.

Wiener Klassik versus Avantgarde

Der 32-jährige Francesco Piemontesi hat sich in seiner noch jungen Karriere bereits den Ruf eines genialen Mozart-Interpreten erworben. Sein Mozart mache staunen, transzendiere dessen Musik und hülle sie in ein Gewand von zeitloser Schönheit, so der Tenor der Presse. Bei seinem Debüt in den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker darf deswegen auch ein Werk dieses Meisters nicht fehlen. Er spielt dessen Fantasie d-Moll, die als notiertes Beispiel für Mozarts stupende Improvisationskunst gilt. Das Stück ist Teil eines spannenden Programms: Francesco Piemontesi stellt mit ihm, den Variationen f-Moll von Joseph Haydn und der Klaviersonate As-Dur von Ludwig van Beethoven Klavierwerke der Wiener Klassik zwei Klavierstücken von Karlheinz Stockhausen gegenüber, in dem der Komponist – inspiriert von seinen Erfahrungen mit elektronischer Musik – mit den Widersprüchen von rhythmischer Präzision und interpretatorischer Unschärfe spielt.

Schuberts letzte Sonaten

Krystian Zimerman zählt seit seinem Debüt 1976 zu den geschätzten Gastkünstlern der Berliner Philharmoniker. Sein spektakulärer Sieg beim Chopin-Wettbewerb im Jahr zuvor hatte ihm das Entree in das internationale Konzertleben verschafft. Unter Herbert von Karajan, Seiji Ozawa, Claudio Abbado, Erich Leinsdorf, Valery Gergiev oder Sir Simon Rattle interpretierte er mit dem Orchester die großen Klavierkonzerte des 19. und 20. Jahrhunderts. Berliner Philharmoniker Recordings veröffentlichte kürzlich mit ihm eine Aufnahme von Witold Lutosławskis Klavierkonzert, einem Werk, das der polnische Komponist für Krystian Zimerman geschrieben hat. Gleichwohl hat der Pianist im Rahmen der philharmonischen Konzerte bislang nur einen einzigen Soloabend gegeben hat – anlässlich seines 50-jährigen Bühnenjubiläums 2012. Umso schöner, dass er in dieser Saison nicht nur als Orchestersolist, sondern auch mit einem eigenen Klavierabend vertreten ist, in dem er an den beiden letzten Klaviersonaten Franz Schuberts seine einzigartige Spielkultur, seinen untrüglichen Sinn für Farbnuancen und sein tiefes Verständnis für die emotionalen Aspekte dieser Musik unter Beweis stellt.

Faible für Bach

Wie Krystian Zimerman so ist auch sein Landsmann Piotr Anderszewski in dieser Saison sowohl mit einem Soloabend wie auch als Gast der Berliner Philharmoniker zu erleben. Im Gegensatz zu dem älteren Kollegen war Anderszewski bislang in erster Linie vor allem in den Kammermusikkonzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker in Erscheinung getreten. So unterschiedlich er die Programme seiner philharmonischen Klavierabende bislang gestaltete, so enthielten sie doch eine Konstante: Johann Sebastian Bach. Bei seinem letzten Soloabend 2012 widmete er sich ausschließlich dem barocken Meister und beeindruckte durch sein transparentes, schlackenloses Spiel. Dieses Mal interpretiert der Pianist die beiden hochvirtuosen Partiten B-Dur BWV 825 und e-Moll BWV 830. Kontrastierend dazu erklingen die 14 Bagatellen von Béla Bartók und Léoš Janáčeks Klaviersonate 1.X.1905 »Von der Straße«, die unter dem Eindruck des Todes eines jungen tschechischen Tischlers entstand, der bei der Demonstration in Brünn durch einen Bajonettstich ums Leben kam.

Chopin-Spezialist

Der Italiener Maurizio Pollini ist ebenfalls ein langjähriger künstlerischer Partner der Berliner Philharmoniker. 1970 begann mit der Aufführung von Beethovens Fünften Klavierkonzert die intensive musikalische Freundschaft zwischen Orchester und Pianist. Sämtliche wichtigen Klavierkonzerte hat er seither mit dem Orchester gespielt: Beethoven, Schumann, Chopin, Brahms, Bartók, Schönberg – und immer wieder Mozart. Legendär waren die Auftritte mit seinem Freund und künstlerischen Weggefährten Claudio Abbado. Es sollte aber bis 2011 dauern, ehe Pollini auf Einladung der Stiftung Berliner Philharmoniker einen eigenen Klavierabend gab. Seither präsentierte er sich vier Mal mit einem eigenen Soloprogramm. Stets spielte er Werke von Chopin, die er denen eines anderen Komponisten gegenüberstellte. Denn seit Pollini als Achtzehnjähriger 1960 den Chopin-Wettbewerb in Warschau, seither gilt er als Spezialist für das Werk des polnischen Komponisten.