Sir John Eliot Gardener, einer der führenden Spezialisten der historisch informierten Aufführungspraxis und Gründer dreier Alter-Musik-Ensembles, des Monteverdi Choir, der English Baroque Soloists und des Orchestre Révolutionnaire et Romantique, erfüllte sich zu seinem 70. Geburtstag einen langgehegten Wunsch: die Aufführung von Igor Strawinskys Opern-Oratorium Oedipus Rex. Dieses Stück – so Gardiner – fasziniere ihn seit seinem 25. Lebensjahr und er machte sich dessen Realisation bei der Gelegenheit quasi zum Geschenk. Es sei ein »fabelhaftes Werk« und »einzigartig in der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts«. Er bewundere die rhythmische Prägnanz und Intensität, die den Schlüssel zu dem gesamten Stück bilde, und vergleicht die Musik zu Oedipus Rex mit dem Fries eines griechischen Tempels, der plötzlich lebendig wird.  Zusammen mit dem sehr viel »romantischeren« Ballett Apollon musagète bildete das Opern-Oratorium das Programm des Konzerts, das Gardiner 2013 anlässlich seines runden Geburtstags mit dem London Symphony Orchestra im Barbican Centre gab. Nun dirigiert der Engländer, der nicht nur ein leidenschaftlicher Musiker, sondern auch ein passionierter Landwirt ist, diese beiden Kompositionen bei den Berliner Philharmonikern.

Debüt mit Mozart und Berlioz

Und damit kehrt Gardiner nach 14 Jahren an das Pult des Orchesters zurück. 1997 gab er sein philharmonisches Debüt im Rahmen der Berliner Festwochen und bewies, dass die mitreißende Aufführung sogenannter »Alter Musik« eben nur ein – wenn auch wichtiger – Aspekt seiner künstlerischen Arbeit ist. Neben Wolfgang Amadeus Mozarts Sinfonia concertante mit den philharmonischen Solo-Bläsern Emmanuel Pahud (Flöte), Albrecht Mayer (Oboe), Stefan Dohr (Horn) und Stefan Schweigert (Fagott) als Solisten leitete er Hector Berlioz’ Symphonie fantastique. »Der Klangzauber ist beeindruckend«, hieß es anschließend in der Berliner Zeitung. Bei seinem letzten Konzert mit den Berliner Philharmonikern 2002 bot er mit Werken von Emmanuel Chabrier, Claude Debussy und César Franck ein rein französisches Programm und zeigte sich dem Berliner Publikum wiederum von einer unbekannten Seite. Zudem war Sir John Eliot Gardiner mit dem London Symphony Orchestra Gast des Musikfest Berlin 2014, das in Zusammenarbeit der Berliner Festspiele und der Stiftung Berliner Philharmoniker veranstaltet wird.