In den kommenden Wochen stehen drei Dirigenten am Pult der Berliner Philharmoniker, die zu den langjährigen Gästen des Orchesters gehören: Iván Fischer, Herbert Blomstedt und Mariss Jansons. »Wenn ich hierherkomme«, verriet Jansons einmal in einem Interview für die Digital Concert Hall, »versuche ich jedes Mal ein anderes Programm zu dirigieren«. Doch nicht nur der Lette, sondern auch die anderen beiden Dirigenten überraschen das Publikum bei ihren aktuellen Auftritten mit Kompositionen, die sie bislang noch nie im Rahmen der philharmonischen Konzerte aufgeführt haben.

Spezialist für Gustav Mahler

Iván Fischer, Chefdirigent des Konzerthausorchesters Berlin und Gründer des Budapester Festivalorchesters, zählt seit 1989 zu den Gastdirigenten der Berliner Philharmoniker und hat sich bei ihnen hauptsächlich als Interpret Haydns und Mozarts sowie ungarischer Komponisten, allen voran Béla Bartók, profiliert. Nun leitet er erstmals die Dritte Symphonie von Gustav Mahler, jenes Werk, mit dem sich Fischer 2012 dem Berliner Publikum als designierter Chef des Konzerthausorchesters vorstellte und mit dem er seine Zuhörer zu stürmischen Beifallskundgebungen hinriss. Dem Œuvre Gustav Mahlers fühlt sich Fischer zutiefst verbunden. Nicht allein, dass er dessen Symphonien immer wieder auf die Programme seiner Konzerte setzt und auf Tonträger einspielt, er gründete in seinem Heimatland Ungarn das Budapester Mahler-Fest und die Ungarische Mahler-Gesellschaft, um die Musik des Komponisten dort bekannter zu machen. Seine musikalische Ästhetik wurde am Anfang seiner Laufbahn von zwei vollkommen gegensätzlichen Dirigentenpersönlichkeiten geprägt: von dem Lehrer Hans Swarowsky und von Nikolaus Harnoncourt, dessen Assistent Fischer war und der ihm vermittelte, dass Musik eine Art von zwischenmenschliche Kommunikation sei. Seine internationale Karriere startete der Ungar 1976 nach dem triumphalen Sieg beim Dirigentenwettbewerb der Rupert Foundation in London.

Erstmals Dvořák und Berwald

1976 war auch für Herbert Blomstedt ein denkwürdiges Jahr, denn damals gab der schwedisch-amerikanische Dirigent sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern – zusammen mit dem damals 20-jährigen Pianisten Krystian Zimerman. Die Aufmerksamkeit der Presse richtete sich in erster Linie auf den frischgebackenen Preisträger des Chopin-Wettbewerbs, gleichwohl blieben die dirigentischen Qualitäten Blomstedts nicht unerwähnt: Er beeindrucke – so der Tenor der Kritiker – mit Begeisterungsfähigkeit und Überzeugungskraft. Immer wieder wurde Blomstedt, der im Laufe seine Karriere u. a. Chef der Sächsischen Staatskapelle, des San Francisco Symphony Orchestra und des Leipziger Gewandhausorchesters war, von den Berliner Philharmonikern eingeladen. In den letzten Jahren hat sich die Zusammenarbeit zwischen Dirigent und Orchester intensiviert, nahezu jährlich tritt er ans Pult des Klangkörpers. Bislang konnte man ihn vor allem als Interpret der Werke Anton Bruckners erleben, die Blomstedt schon im Alter von 13 Jahren begeistert haben. Diesmal jedoch führt er erstmals mit den Philharmonikern Antonín Dvořáks Siebte Symphonie, sowie Franz Berwalds Symphonie Nr. 3 auf, die in ihrer Klangsprache an Mendelssohn erinnert.

Immer wieder Schostakowitsch

Wie Herbert Blomstedt, so debütierte auch Mariss Jansons 1976 bei den Berliner Philharmonikern. Allerdings hatte er das Orchester fünf Jahre zuvor schon einmal dirigiert: als einer der Preisträger im Abschlusskonzert des Herbert-von-Karajan-Dirigentenwettbewerbs. Obwohl er »nur« einen zweiten Preis gewonnen hatte, machte er damals auf die Kritiker den »reifsten Eindruck«. Und auch die Orchestermusiker fühlten, dass hier ein Ausnahmetalent vor ihnen stand. Die Erinnerungen an diesen Wettbewerb haben sich – so Jansons einmal in einem Interview – tief eingegraben und er fühle sich dem Orchester seither auf besondere Weise verbunden. Seit 1988 ist der Lette, derzeitiger künstlerischer Leiter des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, ein häufiger und regelmäßiger Gast der Philharmoniker. Seine Konzerte zeichnen sich durch ungewöhnliche Programmzusammenstellungen aus, meist enthalten sie mindestens ein Stück von Komponisten aus dem nord- und osteuropäischen Raum. Vor allem die Werke Dmitri Schostakowitschs lagen und liegen ihm sehr am Herzen. Mit gutem Grund. Hat er doch dessen Kompositionen durch seinen Vater, dem Dirigenten Arvīds Jansons, einem Freund Schostakowitschs, bereits als Kind aus erster Hand kennen- und schätzen gelernt. Auch dieses Mal steht eine Symphonie des russischen Komponisten auf dem Programm, aber eine, die er noch nie bei seinen philharmonischen Auftritten geleitet hat: die Zehnte Symphonie, in der sich Dmitri Schostakowitsch mit den Schrecken der Stalin-Zeit auseinandersetzt. Weitere Programmpunkte sind Hector Berlioz’ Carnaval-Overtüre und das Violoncellokonzert von Henri Dutilleux mit Truls Mørk als Solisten. Was Mariss Jansons an den Berliner Philharmonikern am meisten schätzt? »Die Qualität dieses Orchesters ist so fantastisch. Das beglückt mich als Dirigent, weil ich alles verwirklichen kann, was ich möchte.«

Videos